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Lange Warteschlangen: Die hohen Flüchtlingszahlen überfordern nach wie vor die deutsche Verwaltung. Foto: querbeet/iStock

In den vergangenen Monaten hat sich mit Blick auf die Flüchtlingsthematik einiges verbessert – beispielsweise hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mehr Mitarbeiter bekommen. Doch die hohen Flüchtlingszahlen überfordern nach wie vor die deutsche Verwaltung: Im Dezember 2015 wurden zwar 127.000 Flüchtlinge neu registriert, aber nur 48.000 Asylanträge gestellt. Dies hat zur Folge, dass bei vielen nicht klar ist, welche Perspektiven sie in Deutschland haben. Hier können die geplanten Aufnahmezentren für Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern helfen, weil sie zumindest etwas mehr Ordnung in die Prozesse bringen. Die Liste der sicheren Herkunftsstaaten um Algerien, Marokko und Tunesien zu erweitern, ist ebenfalls sinnvoll, da die Asylverfahren so einfacher und schneller abgewickelt werden können. Komplett lösen werden diese Maßnahmen die Probleme allerdings nicht.

Eine noch größere Herausforderung als die Administration der Asylverfahren ist ohnehin die Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft – und die Voraussetzungen dafür sind bei vielen Flüchtlingen eher ungünstig: Im Jahr 2014 hatten 22,7 Prozent der erwachsenen Personen aus Syrien, denen Asyl oder Schutz nach der Genfer Konvention gewährt wurde, weniger als fünf Jahre eine Schule besucht. Bei den Irakern lag der Anteil sogar bei 36,4 Prozent. Entsprechend gering war die Teilhabe am Arbeitsmarkt. So waren nur 24,7 Prozent der Syrer und 38,9 Prozent der Iraker 2014 in Deutschland erwerbstätig. Es ist also davon auszugehen, dass ein großer Teil der Flüchtlinge, die aktuell ins Land kommen, auch über ihre Anerkennung hinaus längerfristig auf staatliche Transfers angewiesen sein wird. Den Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz wie geplant zu beschränken, kann also dazu beitragen, die Belastungen für den deutschen Sozialstaat zu verringern – und seine Überforderung zu vermeiden.

Wichtig ist ebenso, dass die Integrationschancen weiter gestärkt werden. Hierzu sollte die Politik die noch bestehenden Hürden für den Zugang zu Arbeit und Bildung weiter abbauen. Zudem tun umfangreiche, gezielte Qualifizierungsprogramme Not.

Bei alledem ist es wichtig, dass die Maßnahmen gut aufeinander abgestimmt sind. Daher ist das geplante gemeinsame Integrationskonzept für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive von Bund und Ländern sehr zu begrüßen. Es hätte jedoch schon viel früher in die Wege geleitet werden müssen.

Ansprechpartner

MINT-Herbstreport 2016
Gutachten, 30. November 2016

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2016 – Bedeutung und Chancen der ZuwanderungArrow

MINT-Kräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen ist. In vielen Regionen Deutschlands leisten Zuwanderer einen Beitrag gegen Fachkräfteengpässe. mehr

How migration impacts the housing market
IW-Nachricht, 25. Oktober 2016

Germany How migration impacts the housing market Arrow

In recent years, the German housing market has come under considerable pressure: The demand has drastically increased particularly due to the high number of international migrants, while at the same time construction activity has hit a new low. Therefore the Cologne Institute for Economic Research has made a first attempt to estimate the exact construction demand in Germany. mehr

IW-Trends, 20. September 2016

Andrea Hammermann / Matthias Niendorf / Jörg Schmidt Kulturelle Diversität als Erfolgsfaktor? Empirische Ergebnisse auf Basis des Linked-Employer-Employee-Datensatzes des IAB Arrow

Der Einfluss der kulturellen Diversität innerhalb der Belegschaft auf den betrieblichen Erfolg ist kontextabhängig. Kulturelle Vielfalt innerhalb der Belegschaft wirkt per se weder förderlich noch hinderlich. Dies ist das Ergebnis einer empirischen Auswertung von Linked-Employer-Employee-Daten für Deutschland über das Zusammenspiel kulturell unterschiedlicher Gruppen in Unternehmen und ihren (möglichen) Einfluss auf die Bruttowertschöpfung. mehr