Armutsgefährdungsquote Image
Quelle: Fotolia

In anderen europäischen Ländern ist die Armutsgefährdungsquote von Arbeitslosen zum Teil deutlich geringer als in Deutschland: In Italien, Spanien, Frankreich oder dem Vereinigten Königreich liegt der Anteil nur bei 33 bis 48 Prozent, hierzulande bei 68 Prozent.

Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass Deutschlands Arbeitslose zu wenig Lohnersatzleistungen erhalten. Im Gegenteil: Der internationale Vergleich zeigt, dass das Absicherungsniveau in Deutschland höher ist als etwa in Spanien oder Italien.

So kommt ein Alleinstehender, langzeitarbeitsloser ehemaliger Niedriglohnverdiener mit Hilfe staatlicher Leistungen in Deutschland auf 47 Prozent seines ehemaligen Verdienstes – ungefähr das gleiche Niveau wie in Frankreich. In Spanien, wo die Armutsquote der Arbeitslosen deutlich niedriger ist als in Deutschland, beträgt das Absicherungsniveau aber nur 33 Prozent, in Italien fehlt es gänzlich an einer Grundsicherung für Langzeitarbeitslose.

Nicht das Absicherungsniveau begründet die hohe Quote unter Arbeitslosen in Deutschland, sondern strukturelle Gründe:

  • Der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist hierzulande weit höher als in anderen europäischen Staaten. Und Langzeitarbeitslose erhalten üblicherweise die geringeren Leistungen der Grundsicherung („Hartz IV“) und nicht mehr die Leistungen der Arbeitslosenversicherung.
  • Für die Bemessung der Armut ist nicht nur das eigene Einkommen von Belang, sondern es geht immer um die Einkünfte des gesamten Haushaltes. Deutschlands Arme weisen dabei die Besonderheit auf, dass sie häufiger alleinstehend sind als ihre europäischen Pendants. Entsprechend kommt ihnen seltener das Einkommen der Partner zugute.
  • Dadurch, dass sich die Arbeitslosigkeit in Deutschland in den letzten Jahren spürbar reduziert hat, sind zunehmend schwer vermittelbare Menschen arbeitslos – neben Langzeitarbeitslosen vor allem Geringqualifizierte und Alleinerziehende. Das sind Personengruppen, bei denen die Lohnersatzleistungen niedrig ausfallen.

Ansprechpartner

20. September 2016

Bundesländer-Vergleich Bayern boomt, NRW schwächeltArrow

Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern sind die vier größten Bundesländer in Deutschland – sowohl was die Fläche als auch was die Zahl der Bewohner angeht. Damit sind die Gemeinsamkeiten allerdings auch schon erschöpft, denn unter ökonomischen Aspekten schneiden die beiden südlichen Länder deutlich besser ab als NRW und Niedersachsen. mehr auf iwd.de

9. September 2016

Wahl Begehrtes BerlinArrow

Am 18. September wählen die Berliner ein neues Abgeordnetenhaus. Die wirtschaftlichen Perspektiven der Hauptstadt sind vielversprechend: Weil die 3,5-Millionen-Metropole vor allem bei jungen Leuten hoch im Kurs steht und zudem mit niedrigen Lebenshaltungskosten punkten kann, entwickelt sie sich zur hippen Gründerhauptstadt. mehr auf iwd.de

Interview, 8. September 2016

Michael Hüther und Gustav A. Horn auf Zeit Online "Es gibt kein Problem mit Altersarmut"Arrow

Ein großer Niedriglohnsektor und Abstiegsangst der Mittelschicht, gleichzeitig fast Vollbeschäftigung und hohes Wachstum: Wie gerecht ist Deutschland? Ein Streitgespräch zwischen IW-Direktor Michael Hüther und Gustav A. Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung. mehr