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Daraus, dass die relative Einkommensarmut binnen Jahresfrist nicht gesunken ist, einen Skandal zu machen, ist also nicht gerechtfertigt. Denn die relative Einkommensarmut ist als fester Prozentsatz des mittleren Einkommens definiert und wenn jenes mittlere Einkommen genauso zulegt wie jedes andere Einkommen, bleibt der Anteil der Gefährdeten gleich.

Dennoch sollte die Politik das jetzige Niveau der Armutsgefährdung nicht einfach hinnehmen, sondern systematisch überlegen, wie man es reduzieren kann. Ein Blick auf die besonders gefährdeten Gruppen zeigt, wo der Hebel anzusetzen wäre: Besonders häufig sind Alleinerziehende, Arbeitslose und Personen mit Migrationshintergrund von Armut bedroht. All diesen Gruppen ist ein erschwerter Zugang zum Arbeitsmarkt beziehungsweise zu einer Vollzeitstelle gemein.

Hilfreich wäre daher ein weiterer Ausbau der qualifizierten Ganztagsbetreuung ab dem Kleinkindalter, um Alleinerziehenden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern und um die Startchancengerechtigkeit für Kinder mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Schichten zu erhöhen.

Erfolgversprechend wäre es zudem, wenn die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse verbessert und die gezielte Nachschulung ausgebaut würde. Mit Blick auf die Beschäftigungs- und Aufstiegschancen von Un- und Angelernten sind zertifizierte Teilqualifikationen die erste Wahl. Sie ließen sich – in der Regel berufsbegleitend – bis zu kompletten Berufsabschlüssen bündeln.

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Gastbeitrag, 27. Dezember 2016

Knut Bergmann und Judith Niehues in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Wahrnehmung und WirklichkeitArrow

Tendenziell neigen insbesondere gutverdienende Menschen dazu, ihre Einkommensposition zu unterschätzen, wobei die Deutschen im internationalen Vergleich besonders pessimistisch sind. Ein Gastbeitrag von IW-Kommunikationsleiter Knut Bergmann und IW-Verteilungsforscherin Judith Niehues in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. mehr

Armuts- und Reichtumsbericht
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Mittlerweile kursiert der Entwurf des Fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung im Internet. Der Bericht deutet auf viele positive Entwicklungen hin, dennoch werden in vielen Medien vor allem negative Befunde betont. Das ebenfalls dokumentierte Auseinanderdriften von gefühlter und messbarer Realität dürfte sich dadurch weiter verstärken. mehr

Regionale Armut
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Der Westen Deutschlands ist reich, der Osten arm – so pauschal läuft häufig die Armutsdebatte. Tatsächlich aber stehen vor allem westdeutsche Städte schlecht da, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Die Politik könnte gegensteuern. mehr