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Ein flüchtiger Blick auf die Eurostat-Zahlen stützt tatsächlich die Vermutung, die Armut hätte hierzulande zugenommen. Danach waren 2008 rund 15,5 Prozent der Menschen einkommensarm – deutlich mehr als im Jahr 2005 (12,5 Prozent). Zwischenzeitlich ist jedoch die Statistik verändert worden. Im Jahr 2006 wurde der Grenzwert, ab welchem Betrag jemand als einkommensarm gilt, um 13,5 Prozent angehoben. Dies wäre gerechtfertigt gewesen, wenn die Bundesbürger tatsächlich viel mehr verdient hätten. Denn Einkommensarmut wird immer relativ gesehen. Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens hat, ist per Definition arm. Wenn das Durchschnittseinkommen also steigt, dann steigt auch die Armutsgrenze. Einen derartigen Einkommensschub hat es aber nicht gegeben.

Auch nach Daten des Sozio-oekonomischen Panels ist die relative Einkommensarmut aktuell nicht weiter verbreitet als im Jahr 2005 – seit die Arbeitslosigkeit von ihrem Rekordniveau wieder deutlich zurückgeht ist der Trend steigender Einkommensarmut also offenbar gestoppt.

Interview, 8. September 2016

Michael Hüther und Gustav A. Horn auf Zeit Online "Es gibt kein Problem mit Altersarmut"Arrow

Ein großer Niedriglohnsektor und Abstiegsangst der Mittelschicht, gleichzeitig fast Vollbeschäftigung und hohes Wachstum: Wie gerecht ist Deutschland? Ein Streitgespräch zwischen IW-Direktor Michael Hüther und Gustav A. Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung. mehr

Gerechtigkeit
IW-Pressemitteilung, 5. September 2016

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Die Reichen in Deutschland werden immer reicher, die Armen verlieren den Anschluss: Diese weitläufige Wahrnehmung hat wenig mit der wirtschaftlichen Realität zu tun, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einem Faktencheck. Denn die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen hat in den vergangenen zehn Jahren nicht zugenommen – die Lohnungleichheit sinkt sogar. mehr