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Kinder in Deutschland leben etwas häufiger in Armut als der Durchschnitt der Bevölkerung. Die Politik muss in Bildung investieren, damit die Jüngsten in eine gute Zukunft blicken können. Foto: Ivanna Reznichenko/iStock

Die Daten aus dem Mikrozensus zeigen, dass Kinder etwas häufiger in Armut leben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Allerdings hat sich die Kinderarmutsquote seit dem Jahr 2005 nicht erhöht. Ein näherer Blick auf die Zahlen zeigt, dass rund jedes zehnte Kind aus Familien mit zwei Erwachsenen und maximal einem Bruder oder einer Schwester als einkommensarm gilt – das ist deutlich weniger als im Durchschnitt der Bevölkerung (15 Prozent) und kaum mehr als bei kinderlosen Paaren (9,3 Prozent). Besonders hoch ist die Einkommensarmutsquote aber bei Alleinerziehenden (42 Prozent) und bei großen Familien mit mindestens drei Kindern (25 Prozent).

Hier ist die Politik gefordert – aber anders als es die Linksfraktion vorschlägt. Nicht die Hartz-IV-Sätze müssen erhöht werden, sondern die Ganztagsbetreuung muss ausgebaut werden. Damit wäre Alleinerziehenden geholfen, weil sie dann besser in Vollzeit oder zumindest länger Teilzeit arbeiten können.

Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist hierzulande zwar schwächer geworden, wie die letzte Pisa-Studie zeigt, aber noch immer lassen sich Unterschiede etwa bei der Lesekompetenz teilweise auf die soziale Herkunft zurückführen. Daher sollte es nicht nur um den quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung gehen, auch die Qualität der frühkindlichen Bildung sollte steigen. Wichtig sind hier die Fortbildung und eine höhere Akademikerquote der Betreuer: Sie sollen in den Kitas immer mehr Bildungsinhalte vermitteln. Zugleich kommen neue Aufgaben durch die Integration der Flüchtlingskinder auf sie zu. Denn erst wenn die frühkindliche Bildung zunimmt, haben auch Kinder aus bildungsfernen Schichten und mit fremdsprachigen Elternhaus bessere Startchancen in der Schule.

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