Image
Quelle: Fotolia

Es gibt zwei Gruppen von Arbeitslosen, die trotz Einzahlung in die Arbeitslosenversicherung auf Arbeitslosengeld II zurückgreifen müssen: Zum einen Arbeitslose, die zwar Arbeitslosengeld erhalten – das aber nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Das kann passieren, wenn der Arbeitslose zum Beispiel wegen einer Teilzeitbeschäftigung zuvor nur ein geringes Einkommen hatte oder eine große Familie zu versorgen hat. Die Zahl dieser Personen hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Im November 2011 waren noch 75.000 Empfänger von Arbeitslosengeld zusätzlich auf ergänzendes Arbeitslosengeld II angewiesen – rund 10 Prozent der Empfänger insgesamt. Zum anderen haben Arbeitslose keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie nicht die erforderliche Vorbeschäftigungsdauer von 12 Monaten innerhalb einer Rahmenfrist von 24 Monaten erreichen. Insbesondere prekär Beschäftigte seien hiervon betroffen, heißt es.

Die Opposition will deswegen die Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosengeld herabsetzen. Dies könnte aber ein gefährliches Missverhältnis von Beiträgen und Leistungen zur Folge haben: Wer einige Monate arbeitet und anschließend die Hälfte der Beitragsmonate Arbeitslosengeld erhält, der kassiert siebenmal so viel Leistungen, wie er Beiträge gezahlt hat. Mit der Anwartschaftszeit von 12 Monaten versucht die Versichertengemeinschaft, sich vor solchen überzogenen Leistungsniveaus zu schützen. Den Betroffenen wäre ohnehin eher dadurch geholfen, wenn nach Eintritt der Arbeitslosigkeit schnell ein neuer Job gefunden werden kann.

Ansprechpartner

Jochen Pimpertz in der Bilanz
Gastbeitrag, 18. August 2016

Jochen Pimpertz in der Bilanz Das falsche InstrumentArrow

Die SPD schlägt Freibeträge in der Sozialversicherung vor, um Haushalte niedrigen und mittleren Einkommens zu entlasten. Die Idee setze nicht an der richtigen Stelle an, schreibt Jochen Pimpertz, IW-Experte für Sozialpolitik, in der Bilanz. mehr

Asylbewerber
7. Januar 2016

Asylbewerber Was kostet die Flüchtlingshilfe?Arrow

Die Ausgaben für Hartz IV und Integrationsmaßnahmen werden den deutschen Fiskus in diesem Jahr viele Milliarden Euro kosten. Je schneller die Zuwanderer integriert und fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden, desto eher erhält der Staat für sein Geld eine Rendite. mehr auf iwd.de

Agenda 2010 und ihre Folgen
IW-Nachricht, 14. Oktober 2015

Agenda 2010 und ihre Folgen Die Ärmsten profitieren am meistenArrow

Mit der Agenda 2010 krempelte 2005 die damalige Bundesregierung die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland um. Nahezu unbestritten sind die positiven Effekte auf die Beschäftigung. Allerdings stehen insbesondere die Hartz-IV-Reformen in dem Verdacht, die soziale Ungleichheit verschärft zu haben – zu Unrecht. mehr