Viele Handwerksmeister verdienen mehr als Akademiker Image
Quelle: Fotolia

Frau Erdmann, im vergangenen Jahr wurden rund 570.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen – 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Warum entscheiden sich so viele Jugendliche für diesen Weg?

Eine Ausbildung ist ideal für junge Menschen, die einen Praxisbezug beim Lernen haben wollen. Das duale System bietet einerseits Theorievermittlung, zugleich aber auch die Anwendung des Gelernten im Unternehmen. Hinzu kommt der Aspekt der finanziellen Unabhängigkeit von den Eltern. Außerdem gewährleistet eine betriebliche Ausbildung einen direkten Einstieg ins Unternehmen und damit in den Arbeitsmarkt. Das ist für Abiturienten ebenso attraktiv wie für Haupt- und Realschulabsolventen oder junge Menschen ohne Abschluss.

Welche Chancen und Möglichkeiten bieten sich nach der Gesellenprüfung? Legt sich ein Auszubildender hier nicht allzu früh fest?

Ganz im Gegenteil. Mit einer betrieblichen Ausbildung öffnen sich alle Türen. Zum einen sind die Aufstiegschancen hervorragend: Gerade im Handwerk gibt es in praktisch allen Berufsgruppen die Möglichkeit, eine Meisterfortbildung zu machen – eine Chance, die überproportional häufig wahrgenommen wird. Aber auch der Weg an die Hochschule ist frei: Wer eine Ausbildung und Berufserfahrung hat, kann auch ohne Abitur studieren. Manchmal werden sogar Leistungen auf das Studium angerechnet.

Kann sich eine Ausbildung im Vergleich zum Studium auch finanziell auszahlen?

Im Schnitt verdienen Akademiker mehr, doch eine Ausbildung lohnt sich. Die Bildungsrendite – ein Wert, der angibt, wie sich die Investition einer Bildungsmaßnahme auszahlt – liegt bei einer Ausbildung mit anschließender Meisterprüfung höher als bei Akademikern. Zudem geht man als qualifizierter Handwerker beim Einkommen auf Nummer sicher. Während unter Akademikern die Kluft zwischen Gering- und Gutverdienern sehr groß ist, kann ein Meister mit einem Jahreseinkommen von etwa 33.800 bis 47.500 Euro rechnen. Damit steht er im Schnitt finanziell besser dar als rund ein Viertel der Hochschulabsolventen. Sicher ist auch der Job: Die Arbeitslosenquote unter Meistern ist – mit 2,9 Prozent bei den Männern und 3,7 Prozent bei den Frauen – niedriger als die von Akademikern.

Warum sind Handwerker auf dem Arbeitsmarkt so gefragt?

Durch ihre Ausbildung haben sie spezielles Fachwissen im jeweiligen Beruf. Hinzu kommt die persönliche Entwicklung: Wer eine Ausbildung macht, übernimmt früh Verantwortung. Handwerksmeister sind darauf vorbereitet, später einzelne Bereiche oder sogar ganze Unternehmen zu leiten. Sie sind vielseitig einsetzbar und bringen alles mit, was von einer Führungskraft erwartet wird. Studien zeigen, dass die Kompetenzen, die beruflich Qualifizierte in Deutschland haben, durchaus vergleichbar sind mit den Kompetenzen von Hochqualifizierten in den USA. Kein Wunder, dass der gute Ruf der Handwerksausbildung über die Grenzen Deutschland hinaus reicht und ausländische Unternehmen deutsche Handwerker besonders schätzen.

Zum Interview auf der Internetseite der Deutschen Handwerks Zeitung

Ansprechpartner

23. Dezember 2016

Demografie Generation WunschkonzertArrow

Deutschland hat eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit. Der chronische Kindermangel hat sich längst auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen: Junge Jobstarter haben so viele Chancen wie noch nie. In den Unternehmen sind Berufseinsteiger als „knappe Ressource“ so stark nachgefragt, dass sie ihre Wünsche und Vorstellungen oft durchsetzen können. mehr auf iwd.de

16. Dezember 2016

Digitalisierung Die meisten Hochschulen arbeiten noch analogArrow

Ausgerechnet dort, wo neues Wissen entsteht, steckt die Digitalisierung noch in den Kinderschuhen. Bislang verknüpft in Deutschland erst jede dritte Hochschule die klassische Präsenzlehre mit digitalen Lehr- und Lernformen. Auch die Studenten nutzen internetbasierte Medien nur selten zum gemeinsamen Lernen oder Üben. mehr auf iwd.de

15. Dezember 2016

Digitale Medien „Das Entscheidende lernen Studenten nicht am Computer“Arrow

Was können digitale Medien in der Hochschullehre leisten? Welche Innovationen gibt es in Lern- und Prüfungsszenarien? Mit diesen Fragen hat sich Jörn Loviscach, Professor für Ingenieurmathematik und technische Informatik an der Fachhochschule Bielefeld, im Hochschulforum Digitalisierung beschäftigt. mehr auf iwd.de