Ralph Henger in der Süddeutschen Zeitung Image
Es reicht aus, den Bodenwert eines Grundstücks als Maßstab für die Grundsteuer heranzuziehen, sagt Ökonom Henger. Foto: IW Köln

Warum finden Sie die derzeitige Grundsteuer so ungerecht?

Die Bemessungsgrundlage ist völlig veraltet. Die Finanzbeamten arbeiten zum Teil mit 50 Jahre alten Daten, sodass die ermittelten Einheitswerte nicht mehr der Realität entsprechen. Abhängig von Art und Alter eines Gebäudes oder der Lage des Grundstücks fällt die Grundsteuer dadurch in einigen Fällen unverhältnismäßig hoch oder niedrig aus.

Wie beurteilen Sie die vielen Reformvorschläge?

Bei den meisten der aktuell diskutierten Reformmodellen orientiert sich die Steuer vor allem am Wert des Gebäudes. Das ist ein großer Nachteil, denn der Wert des Gebäudes hängt von den Investitionen des Eigentümers ab. Darum sollte der Staat es nicht besteuern. Wer Geld in sein Haus steckt und es saniert, wird am Ende dafür bestraft.

Sie plädieren also für eine reine Bodensteuer?

Ja, denn meiner Meinung nach reicht es vollkommen aus, den Bodenwert eines Grundstücks als Maßstab für die Höhe der Grundsteuer heranzuziehen. Zumal sich mit dieser Variante auch die Verwaltungskosten für die Behörden enorm senken lassen. Schließlich müssen die Beamten die Gebäude weder erfassen noch bewerten. Gleichzeitig könnte man mit einer solchen Steuer bei einigen wohnungspolitischen Problemen gegensteuern - wie zum Beispiel dem Wohnungsmangel in Ballungsregionen.

Wie soll das funktionieren?

Die bisherige Grundsteuer liefert kaum Anreize, Brachflächen zu bebauen oder Baulücken zu schließen. Gerade in den Ballungszentren ist Bauland aber sehr knapp. Vielerorts beobachtet man eine regelrechte Hortung von unbebauten Grundstücken, da das nahezu steuerfrei möglich ist. Gebe es eine reine Bodensteuer, würde mancher Eigner sein Land sicher effizienter nutzen. So käme also mehr Bauland auf den Markt. Gleichzeitig würden Mehrfamilienhäuser entlastet, da sie weniger Fläche als Einfamilienhäuser verbrauchen. Und auch in ländlichen Regionen würde eine reine Bodensteuer helfen - da dann Eigner unbebauter Grundstücke eher verkaufen und Eigner von großen Grundstücken eher bereit sind, ihr Grundstück zusätzlich zu bebauen.

Warum fällt es den Bundesländern so schwer, sich auf ein Konzept zu einigen?

Keiner möchte freiwillig Geld hergeben und einem Modell zustimmen, bei dem er verliert. Vermutlich wird man daher nicht die Grundsteuer allein reformieren können, sondern auch bei anderen Steuern oder dem Länderfinanzausgleich ansetzen müssen. Der politische Druck steigt aber zusehends, denn der Bundesfinanzhof hat die aktuelle Grundsteuer dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorgelegt.

Zum Interview auf sueddeutsche.de

Ansprechpartner

IW policy paper
IW policy paper, 2. Dezember 2016

Martin Beznoska Die Belastungs- und Aufkommenswirkungen der kalten ProgressionArrow

Von 2010 bis einschließlich 2015 hat sich die gesamte, nicht mittels Tarifanpassungen ausgeglichene Zusatzbelastung der Steuerzahler durch die kalte Progression auf 36,5 Milliarden Euro summiert. Diese versteckten impliziten Steuererhöhungen durch die kalte Progression sind nicht durch die Gesetzgebung legitimiert und sollten daher von der Politik beseitigt werden. mehr

IW-Kurzbericht, 4. November 2016

Michael Voigtländer A high financial burden for German home buyersArrow

Home buyers in Germany not only have to pay high down payments for financing their property, but they also have to pay high transaction costs. Besides the transaction tax, also notary fees and the entry in the land register sum up to a considerable amount. The cases of the Netherlands and the United Kingdom illustrate that high transaction costs are not a necessity. mehr

Nebenkosten beim Immobilienkauf
IW-Pressemitteilung, 4. November 2016

Nebenkosten beim Immobilienkauf Ärmere Haushalte unterstützenArrow

In Deutschland sind die Nebenkosten beim Immobilienkauf mehr als doppelt so hoch wie in den Niederlanden und fast viermal so hoch wie in Großbritannien. Das zeigt eine neue Kurzstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Sie kritisiert, dass diese Kosten vor allem ärmeren Haushalten den Zugang zum Immobilienmarkt erheblich erschweren. mehr