An Tarifgemeinschaften führt kein Weg vorbei Image
Die Flexibilität der Arbeitszeit in der Metall- und Elektroindustrie ist hoch. Foto: Minerva Studio/Fotolia

Die IG Metall fordert mehr Zeitsouveränität für Beschäftigte. Die Arbeitszeit soll für Qualifikation, Pflege oder Kinderbetreuung verändert werden können. Wie steht das IW Köln dazu?

Wenn die Beschäftigten solche Zeit für Qualifikation oder Kinderbetreuung bekommen, sollte darauf geachtet werden, dass die Balance zwischen betrieblichen Notwendigkeiten und individuellen Anliegen gewahrt wird.

Im Übrigen ist die Flexibilität der Arbeitszeit in der Metall- und Elektroindustrie schon jetzt sehr hoch. Der Tarifvertrag lässt längere Arbeitszeiten zu oder auch individuelle Arbeitszeitgestaltungen. Dafür gibt es Konten, bei denen Arbeitszeit angespart oder entnommen werden kann. Wie gut das funktioniert, hat sich in der Wirtschaftskrise gezeigt.

Heißt das, Unternehmen brauchen nicht mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit?

Im Einzelfall mögen Unternehmen Flexibilisierungsbedarf haben, insgesamt sind gegenwärtigen Flexibilitätspotenziale aber ausreichend. Ich denke nicht, dass dieses Thema in der Tarifrunde Anfang des nächsten Jahres auf die Tagesordnung kommen wird.

Die IG Metall will die Tarifbindung ausweiten. Ist es ein Problem, wenn die Tarifbindung
sinkt?

Die Tarifbindung zu erhöhen, ist der Wunsch von Gewerkschaft und Arbeitgebern. Gegenwärtig sind in der Metallindustrie rund 50 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden, die Tarifbindung ist also noch relativ hoch. Probleme treten dort auf, wo es keine Tarifbindung gibt und der Gesetzgeber eingreift, in dem er z. B. Tarifverträge für allgemein verbindlich erklärt.

Wie kann die Tarifbindung erhöht werden?

Aus Sicht der Arbeitgeber muss ein Flächentarifvertrag für möglichst viele Betriebe attraktiv sein. Ein Tarifvertrag darf auch nicht zu viel regeln, andernfalls betrachten ihn Unternehmen als Hemmschuh. Viele Unternehmen stören sich an starren Regelungen wie der 35-Stunden-Woche. Allerdings sind Tarifverträge flexibler geworden, z. B. durch das Pforzheimer Abkommen. Die IG Metall will, dass für die gesamte Wertschöpfungskette in der Branche der Metalltarifvertrag gilt. Das ist eine Herkulesaufgabe.

Auf einem Betriebsgelände arbeiten oft Beschäftigte aus mehreren Firmen zusammen: Zeitarbeiter, Logistiker, IT-Beschäftigte. Wie lässt sich da die Zersplitterung der Tariflandschaft verhindern?

Wenn man den gemeinsamen Anspruch erhebt, alle Arbeitnehmer zu organisieren, müssen Gewerkschaften kooperieren und sich absprechen. Sie müssen Tarifgemeinschaften bilden, damit es nicht solche Konflikte gibt wie zuletzt bei der Bahn. Für alle Gewerkschaften stellt sich die Aufgabe, bei den unternehmensnahen Dienstleistungen Fuß zu fassen, um dort Tarifverträge durchzusetzen. Das führt auch zu Abgrenzungskonflikten zwischen den Arbeitnehmervertretungen.

Wie sehen Sie die Rolle der IG Metall: als Gestalter von Arbeitsbedingungen oder auch als gesellschaftspolitischer Akteur?

Die IG Metall trägt, wie auch die anderen großen Gewerkschaften im DGB, seit Jahren ein stärkeres wirtschaftspolitisches Profil nach außen. Das kann damit zusammenhängen, dass sie sich stärker im Wettbewerb mit anderen Gewerkschaften sieht. Diese Konkurrenz tritt ja auch bei der Organisation von Wertschöpfungsketten in der Metallindustrie zutage.

Für die Politik ist eigentlich der DGB zuständig. Ist er überflüssig geworden?

Er hat eine wichtige Funktion, weil er bei Konflikten unter Gewerkschaften vermitteln kann. Beim Mindestlohn hat er eine wichtige integrative Leistung vollbracht. Ich kann mir vorstellen, dass er auch bei den Konflikten um die Organisation von Mitgliedern integrierend wirken kann.

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