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Wie kommen die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge bei der deutschen Wirtschaft an?

Aus unserer Sicht ist die Reform im Großen und Ganzen gelungen. Die wichtigste Änderung besteht darin, dass wir jetzt ein zweistufiges Studium haben. Darin liegt die Chance, den Berufsweg flexibler zu gestalten. Nach dem Bachelor-Abschluss besteht die Möglichkeit, direkt in die Praxis zu gehen, ins Ausland, oder den Master anzuschließen. Der Bachelor wird von den Unternehmen akzeptiert.

Es gibt Kritik, das Bachelor-Studium sei zu kurz und zu verschult.

Ja, die Fähigkeit, Theorie in die Praxis umzusetzen, ist bei Bachelor-Absolventen nicht so ausgeprägt. Diese Kritik gab es aber auch schon an den Diplom-Studiengängen. Der Bachelor hat aus unserer Sicht tatsächlich zu wenig Zeit für Praktika. Ein siebtes Semester als Zeit dafür oder für ein Auslandssemester ist sinnvoll. Das sollten die Hochschulen so wie in Süddeutschland bundesweit noch stärker umsetzen.

Und wie sieht es mit den Inhalten aus?

Wir sehen an einigen Hochschulen teilweise sehr gute Lehrpläne. Die Idee von Bologna war ja nicht, dass jetzt die bisherigen Studieninhalte in sechs Semester gepackt werden, sondern dass die Hochschulen Gelegenheit bekommen, die Studieninhalte vom gewünschten Ergebnis her noch einmal neu zu definieren und auszugestalten. Das bedeutet für jede Hochschule natürlich einen erheblichen Entwicklungsaufwand. Hinzu kommt, dass viele Professoren vor allem an der Forschung interessiert sind, weniger an der Lehre. Bologna fordert aber gerade hier mehr Engagement.

Ziel von Bologna war es auch, mehr berufsbegleitende Studien zu ermöglichen...

Hier sehen wir noch Defizite bei vielen Hochschulen. Angebote für Berufstätige spielen kaum eine Rolle. Dabei ist eigentlich vorgesehen, dass Berufstätige sich in einem Bachelor-Studiengang maximal die Hälfte der erforderlichen Leistungspunkte durch ihren Beruf anrechnen lassen können. Dieser Vorteil des zweistufigen Systems kommt leider noch zu kurz.

Das Institut der deutschen Wirtschaft plädiert für Studiengebühren. Warum?

Wir sind für einen Beitrag der Studenten, weil die Umsetzung der Studiengangkonzepte viel Zeit und Personal erfordert. Schätzungen gehen von einem Bedarf von 1,1 Milliarden Euro für alle deutschen Hochschulen aus. Maßvolle Studiengebühren - wie sie unserer Meinung die bisherigen 500 Euro pro Semester dargestellt haben - würden die Lehrsituation verbessern. Es ist schade, dass das jetzt in vielen Bundesländern wieder rückgängig gemacht wurde.

Christiane Konegen-Grenier
Die Bologna-Reform
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