"Anstieg bei den Karrierepositionen" Image
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In Ihrer Studie heißt es, der Bachelor sei ein Erfolgsmodell, und da könnte man nun einen Widerspruch des DIHK-Präsidenten vermuten. Aber die Zufriedenheit der Unternehmen mit den Bachelorabsolventen, die haben Sie gar nicht untersucht. Worauf bezieht sich die Einstufung als Erfolgsmodell?

Ja, wir haben uns die harten Fakten angeguckt, und da als Erstes mal die Einstiegsgehälter. Und wir haben festgestellt, es gibt nur knapp die Hälfte der von uns befragten Unternehmen, die überhaupt einen Unterschied machen zwischen dem Einstiegsgehalt für einen Bachelor und dem Einstiegsgehalt für einen Master. Und die restlichen 50 Prozent, die das machen, die zahlen Unterschiede in Höhe von weniger als zehn Prozent.

Das heißt, auch mit dem Bachelorabschluss komme ich in Gehaltsregionen, die etwa dem des Masters entsprechen und habe auch die gleichen Karrierechancen? Die haben Sie auch untersucht.

Die haben wir auch untersucht. Wir haben da den Vergleich zu dem Master noch nicht gezogen, das wird sicherlich in der nächsten Untersuchung der Fall sein, denn die Master kommen ja mit einer gewissen Zeitverzögerung auf den Arbeitsmarkt. Wir haben geschaut, wie hoch ist eigentlich der Anteil der Unternehmen, die den Bachelorabsolventen tatsächlich schon eine Karriereposition eingeräumt haben. Und da haben wir festgestellt, es gibt eben in 60 Prozent der Unternehmen, die wir befragt haben, auch Abteilungsleiter mit einem Bachelorabschluss. Und wir haben ja vor vier Jahren auch schon mal eine Umfrage gemacht, und wir können sehen: Der Anteil dieser Unternehmen, die eben Bachelor in Karrierepositionen haben, ist in diesen vier Jahren auch gestiegen.

Gibt es da Branchen, in denen das eher passiert, und Branchen, in denen das weniger passiert?

Ja, wir haben da nachgehakt in unserer Untersuchung vor vier Jahren schon und dieses Mal auch wieder. Wir haben gefragt: Gibt es in Ihrem Unternehmen denn nun Positionen, für die ein Masterabschluss unbedingt erforderlich ist? Es haben uns in beiden Befragungen nur eine Minderheit der Unternehmen von circa 15 Prozent gesagt, ja, hier gibt es Positionen. Wir haben dann natürlich weiter gefragt, was sind denn das für Positionen, und es stellte sich raus, es geht um Aufgaben in der Forschung und Entwicklung, die grundlagenforschungsnahe ist, wie beispielsweise in der Pharmaindustrie oder in der Chemischen Industrie. Oder es gibt aber auch bestimmte Unternehmenskulturen, die sagen, wenn man bei uns Vorstand werden will, dann muss man den Master mitbringen. Aber wie gesagt, das ist eine Minderheit.

Kommen wir noch mal zurück zu der Auffassung des DIHK, der ja den Bachelor kritisiert hatte oder die Absolventen als oft nicht ausreichend qualifiziert kritisiert hatte. Sie haben die Unternehmen ja nicht gefragt nach der Zufriedenheit mit den Bachelorabsolventen, sondern aus der Beschäftigung der Bachelorabsolventen sozusagen geschlossen, dass das funktioniert in den Unternehmen. Haben Sie denn rechts oder links irgendeine Resonanz von den Unternehmen bekommen, die entweder das bestätigt, was der DIHK sagt, oder dem widerspricht, der ja recht extreme Zahlen auffährt, also, nur die Hälfte sei zufrieden und die Erwartungen seien erfüllt, wenn die Bachelorabsolventen in die Unternehmen kommen. Und ein Fünftel aller Bachelorabsolventen bekommt die Kündigung vor Ende der Probezeit. Bei den Masterstudenten soll es nur ein Zehntel sein. Das sind ja starke Zahlen.

Das sind sehr eindeutige Zahlen, die man aber hinterfragen muss, weil sie sozusagen als drei, vier Ziffern im Raum stehen, aus denen dann weitgehende Schlüsse gezogen werden. Wir haben diese massive Unzufriedenheit nicht feststellen können in dem, was wir an Gesprächen mit Unternehmen führen. Wir haben aber vor vier Jahren selber auch mal nach der Zufriedenheit der Unternehmen gefragt, und haben dann aber nicht global die Frage gestellt, wie sind denn Ihre Erwartungen erfüllt haben, sondern haben gegenübergestellt, was sind die Anforderungen und in welchem Maße stellen die Unternehmen fest, ob diese Anforderungen erfüllt sind.

Und da zeigte sich doch ein sehr differenziertes Bild, was jetzt so ein bisschen untergeht bei den Zahlen des DIHK. Es zeigte sich, dass gerade, was die akademischen Kompetenzen angeht, wie Kenntnis wissenschaftlicher Methoden, die Unternehmen in der Mehrheit sehr zufrieden sind. Aber bei Kompetenzen, die jetzt die Anwendung der theoretischen Kenntnisse in der Praxis erfordern, da gab es eben doch Unzufriedenheit.

Und dann muss man bei der anderen Zahl, die Sie erwähnt haben - es trennen sich 20 Prozent der Unternehmen -, auch noch mal sagen: Es haben sich immer schon Unternehmen auch von Hochschulabsolventen getrennt, auch zu Diplomzeiten. Da gibt es auch eine alte Untersuchung vom DIHK, aus der hervorgeht, dass sich jedes zweite Unternehmen schon mal in der Probezeit von einem Hochschulabsolventen getrennt hat. Also, da muss man wirklich differenzieren. Mein großes Anliegen ist es, zu sagen, man darf aus zwei, drei Zahlen nicht die Botschaft an junge Leute richten, euer Abschluss ist nichts wert. Da muss man wirklich die harten Fakten sich anschauen, und die können wir mit unserer Untersuchung bieten.

Die DIHK-Studie, auf die sich der Präsident Eric Schweitzer da beruft, die ist ja auch noch nicht veröffentlicht, da müssen wir noch drauf warten. Wie genau das zustande gekommen ist. Aber ausschließen können Sie es auch nicht, dass die Unternehmen nicht so zufrieden sind. Allein aus der Tatsache, dass Bachelorabsolventen beschäftigt werden in den Unternehmen, kann man ja die Zufriedenheit noch nicht schließen. Es gibt ja kaum mehr andere Bewerber, sie müssen ja einstellen, und dann bleibt im Wesentlichen der Bachelor.

Na ja, also erst mal zeigen natürlich die Gehälter, dass man im Großen und Ganzen zufrieden ist, sonst würde man die nicht zahlen. Und dann haben wir natürlich auch gesehen, der Anteil der Unternehmen, die Bachelorabsolventen in Karrierepositionen beschäftigen, ist im gleichen Maße gestiegen wie der Anteil der Unternehmen, die Bachelorabsolventen eingestellt haben. Also wenn da jetzt große Unzufriedenheitspotenziale wären, dann hätte es diesen Anstieg bei den Karrierepositionen nicht gegeben.

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