Eine deutsche Spezialität Image
Quelle: diamant24 Fotolia

Wieso wollen junge Menschen nicht mehr Schweißer werden?

Wir haben in den vergangenen Jahren eine Akademisierung erlebt. Mehr junge Menschen machen Abitur. Für eine klassische Ausbildung interessieren sich vergleichsweise wenige Gymnasiasten, auch wenn der Anteil zuletzt gestiegen ist. Der überwiegende Teil will an die Hochschulen. Zumal Lehrer am Gymnasium seit jeher eher in Richtung Studium beraten als in Richtung Ausbildung – obwohl das eigentlich auch ihre Aufgabe ist.

Folgen junge Menschen damit nicht genau den Empfehlungen der OECD, die seit Jahren die geringe Akademikerquote in Deutschland kritisiert?

Ja, und im Bereich der technischen Studienfächer hat das auch geholfen. Der Ingenieur-Engpass ist meines Erachtens durch steigende Studentenzahlen in den MINT-Fächern handelbar geworden. Aber auch in den Wirtschafts-, Geistes- und Sozialwissenschaften ist die Zahl der Studenten gestiegen. Historiker und Soziologen hatten es seit jeher nicht leicht, einen Job zu finden. Kommen nun bald die doppelten Abiturjahrgänge von den Unis, wird es für sie sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt.

Das heißt, junge Industriemechaniker oder Elektroniker sind künftig die Könige auf dem Arbeitsmarkt?

Ich glaube, Firmen werden leichter einen Betriebswirt finden als einen Elektriker.

Schlechte Aussichten für die Industrie?

Momentan ist das alles noch machbar, weil Unternehmen versuchen, lang gediente Fachkräfte länger zu halten. In den vergangenen Jahren ist das Durchschnittsalter der Facharbeiter in der Industrie stärker gestiegen als bei Akademikern. Doch dieser Effekt ist bald aufgebraucht, irgendwann gehen auch die älteren Fachkräfte in Rente. Das heißt, die Nachwuchssicherung muss längst begonnen haben. Firmen, die das nicht verinnerlicht haben, werden ernsthafte Probleme bekommen.

Kann die Industrie nicht einfach Fachkräfte aus dem Ausland anwerben?

Das mag bei Ingenieuren funktionieren, dank Bachelor und Master vielleicht sogar einfacher als zuvor. Doch die Ausbildung in Deutschland ist einzigartig. Die Industrie bildet junge Menschen zu hochspezialisierten Fachkräften aus. Experten mit ähnlichem Wissen sind in anderen Ländern rar. Aus dem Ausland lassen sich deshalb Fachkräfte nicht so leicht wie Akademiker gewinnen. Die bestehenden Potenziale sollten aber stärker als bisher genutzt werden – durch Anerkennungsverfahren und Angebote zur Nachqualifizierung. Hier ist auch die öffentliche Hand gefragt.

Was können die Unternehmen tun?

Sie müssen die Berufe stärker bewerben. Bei den Ingenieuren hat das durch MINT-Initiativen schon gut geklappt. In der Gesellschaft muss zudem ein Umdenken stattfinden. Universität ja, aber auch eine Ausbildung, vielleicht noch mit Abschluss als Techniker oder Meister, ist etwas wert. Die Medien konzentrieren sich zu sehr auf die Unis. Dabei gibt es auch über Ausbildungsberufe Spannendes zu berichten.

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 14. Februar 2017

Oliver Koppel / Axel Plünnecke Erste Erfolge der qualifizierten Zuwanderung aus IndienArrow

Bereits in den letzten Jahren haben Zuwanderer erheblich zur Fachkräftesicherung in MINT-Berufen beigetragen. Bestrebungen, MINT-Zuwanderer aus dem Herkunftsland Indien zu gewinnen, zeigen erste Erfolge – sowohl die Zahl der Beschäftigten in akademischen MINT-Berufen als auch die Zahl der Studierenden in MINT-Fächern sind zuletzt deutlich gestiegen. mehr

13. Februar 2017

M+E-Strukturbericht Markterschließung versus KostensenkungArrow

Die deutsche M+E-­Industrie ist stark globalisiert. Neben den Exporten werden dabei ausländische Produktionsstandorte immer wichtiger. Schon seit Jahren steigen die Direktinvestitionen im Ausland schneller als der inländische Kapitalstock. Arbeitskosten spielen dabei wieder eine größere Rolle. mehr auf iwd.de

Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie
Gutachten, 9. Februar 2017

Holger Schäfer Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-IndustrieArrow

Das Familiengeld soll Eltern finanziell belohnen, die sich die Erwerbsarbeit in einem Korridor von 28 bis 36 Stunden gleichmäßig aufteilen. Eine Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Verbandes Gesamtmetall gemacht hat, zeigt, dass diese Leistung den Fachkräfteengpass in der Metall- und Elektro-Industrie verstärkt. mehr