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Bildungsökonom Axel Plünnecke, Quelle: INSM

Wie ist es denn um die Bildungsgerechtigkeit in den verschiedenen Bundesländern bestellt?

Ja, insgesamt sehen wir gegenüber den vergangenen Jahren Fortschritte bei dem Thema Bildungsgerechtigkeit, Zugang zu Bildung. Es bleibt natürlich weiterhin Handlungsbedarf bestehen. Gerade wenn Sie an die jungen Erwachsenen ohne abgeschlossene Berufsausbildung denken - da ist weiterhin noch Verbesserungsbedarf.

Gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern?

Ja, wir haben an der Spitze Sachsen, ein Bundesland, was schon mit einer sehr guten Infrastruktur in Kindergarten und Schulen überzeugt. Dem Land gelingt es auch, dass nur wenige Schüler die Mindeststandards in den Kompetenzen nicht erreichen und dass insgesamt in den Schulen eine sehr hohe Qualität des Unterrichts erreicht wird.

Sachsen gehört ja eigentlich immer zu den üblichen Verdächtigen, wenn es um gute Schulbildung geht.

Ja, genau. Sachsen hat über Jahre hinweg sehr gute Ergebnisse, insbesondere im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich. Das ist traditionell in den neuen Ländern sehr gut auch schon von der Lehrerausbildung der Vergangenheit aufgestellt.

Würden Sie denn immer noch dieses alte Lamento anstimmen: Wir haben viel zu wenig MINT-Interessierte, also naturwissenschaftlich ausgebildete junge Leute?

Es gibt große Fortschritte an den Hochschulen. Also was wir beobachten können in den letzten Jahren: Deutlich stark steigende Anfängerzahlen in den MINT-Studiengängen, das heißt, dort ist viel passiert. Viele Initiativen der Wirtschaft, der Politik greifen dort, und da ist der Ausblick, was Engpässe angeht an Ingenieuren, gar nicht mehr so ein großes Problem. Das verlagert sich stärker in Richtung berufliche Bildung, wo wir aus verschiedenen Studien wissen, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren dort Engpässe drohen.

Sie hatten sich auch vorgenommen, mal nachzufragen, wie man Bildungsverlierer zu Bildungsgewinnern machen kann. Was hat denn Ihre Studie da herausgebracht?

Ja, also wichtig ist natürlich, schon sehr früh anzusetzen. Was wir aus vielen Studien wissen, ist, dass der Besuch des Kindergartens, der Besuch, der auch Unterdreijährigen-Betreuung da positive Effekte bewirken kann. Was wir auch in den letzten Bildungsvergleichsstudien sehen ist, dass der Zusammenhang von Herkunft und Bildungsergebnissen schwächer wird, was sehr positiv zu bewerten ist, weil auch gerade zum Beispiel die Kinder mit Migrationshintergrund, jetzt die Jugendlichen, stärker in ihrer Kindheit vom Kindergartenbesuch profitieren konnten als noch vor zehn Jahren.

Insgesamt plädieren Sie, also als Institut der deutschen Wirtschaft beziehungsweise natürlich auch die Initiative "Neue Soziale Marktwirtschaft" für eine ökonomische Vernunft. Bedeutet das eigentlich eine weiterreichende Ökonomisierung in der Bildung?

Eine ökonomische Vernunft bedeutet, dass man die Mittel, die man einsetzt, möglichst effizient einsetzen möchte, dass man Potenziale sieht, dass man auch erkennt, dass sich Investition in die frühkindliche Förderung, in die Kindergärten, in die Ganztagsschulen lohnt. Das heißt, wenn es uns gelingt, die Bildungsarmut zu reduzieren, mehr junge Menschen für einen Ausbildungsplatz zu befähigen, dann lohnt es sich auch langfristig für den Steuerzahler, denn dann gibt es Mehreinnahmen und weniger Sozialausgaben. Und dieser Punkt ist uns wichtig beim Thema ökonomische Vernunft, die Potenziale, die wir haben, zu heben. Das lohnt sich sowohl sozial für den Einzelnen als auch gesellschaftlich in Form von mehr Wohlstand und Wachstum.

Sie haben jetzt vor allen Dingen die Betreuung sogar für Unter-Dreijährige, die Kindergärten, die Kindertagesstätten, Ganztagsschulen erwähnt. Ist das so das Handwerkszeug, was man dazu braucht?

Plünnecke: Das ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung. Dann kommt es natürlich auf den einzelnen Lehrer, auf den Unterricht an, dass man dort versucht, die Potenziale zu heben, dass man über Weiterbildung von Lehrern … auch aus den Vergleichsarbeiten zu lernen, wo man ja erkennen kann: Welche Schulen schaffen es auch bei vergleichsweise schwieriger sozialer Herkunft der Schüler, gute Ergebnisse zu erreichen? Und von diesen Schulen müssen die anderen Schulen lernen.

Haben Sie denn auch zum Abschluss der Studie Wünsche formuliert, was sich die Wirtschaft wünschen würde in der Bildungspolitik?

Ja, wichtig, denke ich, ist es, weiterzumachen, die Anzahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss weiter zu senken. Da ist schon einiges auf dem guten Weg. Dann ist es natürlich auch wichtig, wenn Sie an die Zuwanderung über die Hochschulen denken, die Kapazitäten zu erhalten. Wenn also die doppelten Abiturientenjahrgänge die Hochschulen verlassen, stellt sich dem Finanzminister die Frage: Sollen die Hochschulen auch wieder ihre Kapazitäten runterfahren? Und da sagen wir Nein, bitte Kapazität an Hochschulen halten und stärker auch dann für die Bildungsausländer werben, die in Deutschland häufig bleiben und hier auch einen wertvollen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten können.

zum Interview auf der Internetseite des Deutschlandfunks

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