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16 Bundesländer haben wir in Deutschland und das heißt 16 Bildungssysteme mit unterschiedlichen Gesetzen und finanziellen Rahmenbedingungen. So mancher nennt das nur noch Föderalismuswahnsinn, es gibt aber auch Leute, die den Bildungsföderalismus verteidigen, weil er für Wettbewerb sorge: Wettbewerb um die besten Ideen und Modelle. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat jetzt verglichen, wie die einzelnen Bundesländer in diesem Wettbewerb dastehen. In ihrem Bildungsmonitor haben die Wirtschaftsforscher die Bildungssysteme aus ökonomischer Sicht bewertet, das Ganze im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.Herr Stettes, das Ergebnis ist ja nicht ganz überraschend: Wie so oft bei Ländervergleichen schneiden Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg am besten ab.

Was machen diese Länder denn besser?

Mit Blick auf Sachsen und Thüringen haben wir festgestellt, dass in den vergangenen Jahrendie Schülerzahlen deutlich zurückgegangen sind. Das hat die Möglichkeiten erhöht, die finanzielle Förderung für den einzelnen Schüler, die einzelne Schülerin auszuweiten. Das hat zu besseren Betreuungs- und Förderbedingungen geführt. Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir seit dem PISA-Schock 2000 eine ganze Reihe von vielen bildungspolitischen Reformen durchgeführt haben, die die Qualität der Schulen erhöhen sollten. Und beides im Verbund hat dazu geführt, dass wir heute positive Ergebnisse gerade in den ostdeutschen Bundesländern auch zum Beispiel in Sachsen und Thüringen beobachten können: weniger Schulabbrecher, eine höhere Schulqualität und mehr Abiturienten.

Und was machen diese Länder anders als die Schlusslichter NRW und Berlin?

Also, man kann vereinfacht formuliert sagen, dass die ostdeutschen Bundesländer und darunter natürlich auch Sachsen und Thüringen die demografische Entwicklung ausgenutzt haben, indem sie die sinkenden Schülerzahlen nicht dazu verwendet haben, die Bildungsbudgets im gleichen Umfang zu kürzen. Das heißt, man hat das Geld, was man im Bildungssystem investiert hat, auch bei sinkenden Schülerzahlen reinvestiert, um die Förderbedingungen entsprechend zu verbessern. Und das ist eine Entwicklung, die wir uns in den westdeutschen Ländern in den nächsten zehn Jahren ebenfalls zu Nutze machen können.

Das heißt, man kann auf den demografischen Wandel hoffen?

Man kann insofern auf den demografischen Wandel hoffen, dass, wenn wir das Geld, was wir heute schon für Ausgaben im System belassen, reinvestieren, dann können wir entsprechend diefinanzielle Förderung des einzelnen Schülers in Westdeutschland deutlich erhöhen. Uns stehen bundesweit dann knapp 8,8 Milliarden Euro im Jahr 2020 zur Verfügung, um dann entsprechend die Ausgaben pro Schüler deutlich zu erhöhen.

Sie bewerten in Ihrer Studie die Bildungssysteme aus ökonomischer Sicht. Welche Kriterien spielen da eine Rolle?

Wir schauen uns die bildungspolitischen Handlungsnotwendigkeiten in den Bundesländern an, damit Bildung positive Wachstumsimpulse erzeugen kann. Und dazu zählt zum Beispiel, welchen Beitrag leisten die einzelnen Bundesländer zur Deckung des heutigen, aber auch des künftigen Fachkräftebedarfes? Wir dürfen ja nicht vergessen, dass der demografische Wandel dafür sorgen wird, dass in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge das Ruhestandsalter erreichen und dass zahlenmäßig kleinere Jahrgänge an Absolventen aus den Schulen, aus der beruflichen Ausbildung und aus den Universitäten kommen werden. Und dann können wir es uns nicht mehr leisten, einzelne Talente nicht mehr zu fördern und dass einzelne Talente auf der Strecke bleiben. Das heißt, Bildung wird immer wichtiger, damit wir den Wohlstand in unserem Land auch erhalten können.

Sie haben gerade gesagt, wir können es uns nicht mehr leisten, dass einzelne Talente auf der Strecke bleiben. Ihr Bildungsmonitor wird aber kritisiert dafür, dass Chancengerechtigkeit bei den Kriterien eine geringe Rolle spielt. Was sagen Sie dazu?

In der Tat ist es so, dass wir nur eins dieser Kriterien unter dem Begriff Chancengerechtigkeit erfassen. Wir schauen uns schon an, in welchem Ausmaß es den Bundesländern gelingt, die Bildungschancen und den Bildungserfolg vonden Jugendlichen und Kindern herbeizuführen, die wir als bildungsfern bezeichnen, zum Beispiel die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Das ist eines von 13 Handlungsfeldern im Bildungsmonitor. Aber natürlich gehen die Bildungschancen auch in anderen Handlungsfeldern ein, wenn Sie bedenken, dass wir uns in anderen Handlungsfeldernmit der Schulqualität auseinandersetzen, mit der Zahl derer, die die Schule ohne Abschluss verlassen oder die Zahl derer, die eine Studienberechtigung erwerben. Das heißt, das geht alles als Kriterium ein und wird entsprechend auch bewertet, weil es, wie ich das eingangs schon mal gesagt hatte, wichtig ist, dass jedes Talent auch gefördert wird.

Das Ranking fällt regelmäßig so oder so ähnlich aus und das gilt ja auch für andere Studien. Eigentlich müsste man den anderen Bundesländern doch sagen, schaut euch das bei Sachsen ab?

In der Tat ist es so, dass wir empfehlen würden– gerade mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre –, dass die westdeutschen Bundesländer das Beispiel Sachsens, Thüringens, aber auch der anderen ostdeutschen Bundesländer sich vor Augen führen. Wie es möglich ist, sich den demografischen Wandel, der ja eigentlich mit zurückgehenden Schülerzahlen verbunden ist, der eigentlich aus wachstumspolitischer Sicht nicht so günstig ist, wie man sich den aber zu Nutze machen kann. Indem man die Bildungsprozesse optimiert und gleichzeitig auch die finanzielle Förderung der einzelnen Bildungsteilnehmer erhöht und ausweitet und damit die Voraussetzung schafft, dass auch bildungsferne Schichten den gleichen Bildungserfolg erzielen können wie zum Beispiel einheimische Jugendliche.

Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, vielen Dank für diese Einschätzung zum Bildungsmonitor 2010.

Das Interview zum Anhören

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