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Herr Klös, gibt Hessen zu wenig Geld für Bildung aus?

Eigentlich nicht. Gemessen an den Pro-Kopf-Ausgaben liegt Hessen auf dem gleichen Niveau wie die OECD-Staaten und damit im Schnitt der anderen Bundesländer.

Wird das Geld an den richtigen Stellen ausgegeben?

Nein. Vor allem bei der frühkindlichen Bildung müsste mehr Geld ausgegeben werden. Und beim Ausbau von Ganztagsangeboten an den Schulen. Wir sehen, dass sich in Hessen da einiges tut – aber bis der Schnitt der Bundesländer erreicht ist, ist noch ein Stück Weg zu gehen. Da sind zusätzliche Investitionen nötig.

Warum gerade in diesen beiden Bereichen?

Die Weichen zum Bildungserfolg oder -misserfolg werden sehr früh gestellt. Investitionen dort lohnen sich besonders. Wo Gerechtigkeit bei den Startchancen geschaffen wird, ist auch später die ökonomische Wohlfahrt größer. Und gebundene Ganztagsangebote sorgen dafür, dass die Leistungsunterschiede nicht mehr ganz so groß sind. Dafür muss sich natürlich auch das ganze System der Lehrerarbeitszeit verändern, müssen schulische Angebote und Betreuung vernetzt werden.

Das kostet Geld. Wem nehmen Sie dieses Geld weg?

Insgesamt rechnen wir mit Ausgaben von 700 Millionen Euro im Jahr. Bis zum Jahr 2020 gehen die Schülerzahlen aber soweit zurück, dass diese 700 Millionen für Investitionen in mehr Qualität frei werden.

Das Bundesland Sachsen hat diesen Weg schon hinter sich. Was können die Hessen von den dort gemachten Erfahrungen jetzt lernen?

Die neuen Länder haben die demografische Entwicklung als erste zu spüren bekommen. Das Beispiel Sachsen zeigt, wie man dies zum Vorteil wenden kann. Dort ist das Geld trotz sinkender Schülerzahlen weitgehend im System geblieben. So unterrichten die Lehrer dort heute nur noch 21 Stunden pro Woche.

Weniger Unterrichtsverpflichtung für Lehrer findet sicher den Beifall der Gewerkschaften. Wird dadurch auch die Bildung besser?

Es gibt da kein lineares Verhältnis. Aber die Chancen, dass der Lernerfolg für den einzelnen Schüler größer wird, steigen. Das kommt allein schon daher, dass sich eine Lehrkraft viel intensiver um die Bedürfnisse der einzelnen kümmern kann, wenn sie weniger oder kleinere Gruppe unterrichtet.

Sie führen die Entlohnung von Lehrkräften als ein Feld an, in dem Ausgaben gespart werden können. Sind Lehrer überbezahlt?

Im internationalen Vergleich gehören deutsche Lehrer zu den Spitzenverdienern. Wir sind sehr dafür, zu prüfen, welche Möglichkeiten eine Schule hat, die Leistungen ihrer Lehrer besonders zu vergüten, Anreize zu geben.

Wie wollen Sie die Leistung einzelner Lehrer messen – wer soll mehr, wer soll weniger bekommen?

Honoriert werden könnte etwa der Einsatz in einem besonders schwierigen Umfeld, die Arbeit mit einer Schülerklientel, die den Lehrer besonders fordert.

Sie sind bei Ihrer Recherche auf große Datenlücken gestoßen. Wo sind sie am größten?

Wir wissen so gut wie gar nicht, wie viele der Investitionen beim Schüler ankommen. Insgesamt gibt es zu wenig Evaluation. Nötig wäre es, Schulen untereinander zu vergleichen und dafür verlässliche Zahlen zu haben.

Sie plädieren dafür, Schulen mehr Autonomie zu geben, die Steuerung zu dezentralisieren. Wird das dann nicht teurer?

Natürlich müssen manche Aufgaben bei zentralen Dienstleistern wie den Schulämtern bleiben. Wenn aber die Aufgabe heißt: Ich bin für meine Schule verantwortlich, und das Geld den Aufgaben folgt, dann führt das auch zu einer anderen Art der Steuerung, die viel mehr als heute auf die Ergebnisse schaut.

Woran soll sich der Bildungserfolg schließlich messen?

An den verringerten Abbrecherquoten, an weniger Bildungsarmut, gemessen an Pisa-Kompetenzen.

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