Vera Demary in der Fuldaer Zeitung Image
Auf Pokémon-Jagd. Foto: Onfokus/iStock

Seit kurzem sind die Straßen voll von ihnen: Menschen, die ihr Smartphone hoch halten und damit suchend umher laufen. Sie sind auf der Jagd – nach Pokémons. Das Handyspiel „Pokémon Go“ hat binnen kürzester Zeit auch Deutschland erobert. Weltweit haben allein die Nutzer von Android-Smartphones die App seit ihrer Veröffentlichung Anfang Juli zwischen 50 und 100 Millionen Mal heruntergeladen. Das Prinzip des Spiels ist einfach: In der „Augmented Reality“, einer Mischung aus Umgebungsbildern und virtuellen Objekten, fangen Spieler in ihrem direkten Umfeld Pokémon-Figuren. Mit dem Spiel wird Augmented Reality erstmals zum Massenphänomen, denn oft sind hunderte oder gar tausende Spieler am gleichen Ort unterwegs, um ein Pokémon zu fangen.

Das hat Konsequenzen für die Mobilfunknetze. Weil das Spiel vor allem draußen stattfindet, ist es kaum möglich, WLAN-Verbindungen zu nutzen. Stattdessen werden mobile Datenverbindungen gebraucht. Findet sich eine große Anzahl an Spielern an einem Ort zusammen, kann dies die Kapazität des Mobilfunknetzes unter Umständen überschreiten. Viele Spieler klagen deshalb über Netzausfälle, die den Spaß am Spiel einschränken. Im ländlichen Raum in Deutschland ist die Verfügbarkeit von (mobilem) Internet oft ohnehin weniger gut als in Ballungsgebieten. Hier lässt sich das Spiel möglicherweise, wenn überhaupt, nur wackelig spielen.

„Pokémon Go“ ist nur ein Beispiel für die unzähligen Apps für Smartphones und Tablets, die auf ein großes Datenvolumen angewiesen sind, um adäquat zu funktionieren. Dazu zählen auch Streaming-Dienste für Musik oder Filme. Das Datenvolumen im Mobilfunk in Deutschland hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast versechsfacht. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones sowie von Apps, die Augmented Reality nutzen, deren exponentiell steigende Nutzerzahlen und die durchgehende Nutzung dieser Apps werden dazu führen, dass der Bedarf an mobilem Datenvolumen weiter stark wächst.

Das Datenvolumen im stationären Breitbandnetz hat sich seit 2011 verdreifacht. Und es ist kein Ende dieser Entwicklung in Sicht, im Gegenteil: Durch die immer stärker werdende Vernetzung von Unternehmen, Maschinen und sogar Werkstücken, unter anderem im Rahmen von Industrie 4.0, wird sich das Datenvolumen weiter sprunghaft erhöhen.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind vielfältig und sie ist, gerade im Industriesektor, unabdingbar, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und seiner Unternehmen zu erhalten. Notwendige Bedingung dafür ist eine leistungsfähige Infrastruktur, mobil wie stationär. Es gilt, gerade auch im ländlichen Raum die Netze so auszubauen, dass das Ziel der Bundesregierung, bis 2018 flächendeckend eine Geschwindigkeit von 50 Mbit pro Sekunde zu erreichen, erfüllt werden kann. Mitte 2015 stand beispielsweise lediglich 69 Prozent der Haushalte im Kreis Fulda Breitbandinternet mit dieser Geschwindigkeit zur Verfügung.

Um die Telekommunikationsnetze leistungsfähiger zu machen und die Verfügbarkeit schnellen Internets zu verbessern, ist es wichtig, schnell alle verfügbaren Möglichkeiten zu nutzen. Dazu zählen auch Kabeltechnologien und Vectoring-Lösungen. Langfristig jedoch gilt es, die deutschen Netze mit Glasfaser und hochleistungsfähigen Mobilfunknetzen fit für die Anforderungen der Digitalisierung zu machen. Investitionen in digitale Infrastruktur lohnen sich: So bringt laut einer Studie der IW Consult eine Erhöhung dieser Investitionen um ein Prozent eine Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,04 Prozent mit sich. Seit 2014 wäre das deutsche BIP damit um insgesamt 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro höher.

Deutschland liegt im internationalen Vergleich zurück, was seine Telekommunikationsnetze betrifft. Das muss nicht so bleiben. Es ist wichtig, jetzt zu handeln, um die Chancen zu nutzen, welche die Digitalisierung mit sich bringt. Das ist nicht nur vorteilhaft für Pokémon-Go-Spieler, sondern für den ganzen Wirtschaftsstandort Deutschland.

Ansprechpartner

Industrielle Arbeitskosten im internationalen Vergleich
IW-Trends, 20. September 2016

Christoph Schröder Industrielle Arbeitskosten im internationalen VergleichArrow

Die Arbeitskosten des westdeutschen Verarbeitenden Gewerbes beliefen sich im Jahr 2015 auf 40,90 Euro je Arbeitnehmerstunde. Damit liegt Westdeutschland an sechster Stelle des 44 Länder umfassenden Arbeitskostenvergleichs des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und hat gegenüber dem Durchschnitt der fortgeschrittenen Industrieländer um fast ein Viertel höhere Arbeitskosten zu tragen. mehr

Tag des deutschen Handwerks
IW-Nachricht, 16. September 2016

Tag des Handwerks Baustelle DigitalisierungArrow

„Die Zukunft ist unsere Baustelle“ hat sich das deutsche Handwerk zum Tag des Handwerks 2016 auf die Fahnen geschrieben. Das ist wörtlich zu nehmen, denn viele Betriebe nutzen die Potenziale digitaler Technologien noch nicht. mehr