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Menschen fliehen vor Krieg, Zerstörung, Hunger und Tod. Die Verpflichtung ihnen zu helfen steht über allen anderen praktischen Fragen. Foto: MilosMalinic/iStock

Manchmal wächst zusammen, was nicht so recht zusammengehört. So auch in der Diskussion über Flüchtlinge und qualifizierte Zuwanderer, bei der die Grenzen zwischen beiden Gruppen verschwimmen. Das verhindert bislang, dass die Politik die jeweils besten Rahmenbedingungen schafft. Die undifferenzierte Debatte spielt außerdem jenen in die Hände, die mit Ängsten und Vorurteilen auf Stimmenfang gehen.

Es ist deshalb höchste Zeit, das Zuwanderungsgesetz zu überarbeiten, nicht zuletzt, um die unübersichtliche Lage zu ordnen. Perspektivisch ist sogar ein neues Einwanderungsgesetz denkbar, das klar aufzeigt, wer unter welchen Voraussetzungen zum deutschen Staatsbürger werden kann.

Mit Blick auf die Flüchtlinge sollte wieder stärker in den Fokus rücken, dass diese aus blanker Not zu uns kommen. Sie fliehen vor Krieg, Zerstörung, Hunger und Tod. Es ist unsere humanitäre Pflicht, ihnen zu helfen. Und diese Verpflichtung steht über allen anderen praktischen Fragen, mag ihre Lösung auch noch so kompliziert und langwierig sein.

Am besten gelingt die Integration von Zuwanderern dann, wenn wir ihnen echte Teilhabe ermöglichen, vor allem am Arbeitsmarkt. Doch ausgerechnet diese – richtige – Feststellung führt oft auf die falsche Fährte. Denn manchmal werden die Flüchtlinge als jene ausländische Fachkräfte präsentiert, die unsere Volkswirtschaft braucht, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.

Qualifikationen nutzen

Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Über 23 Prozent der 2014 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge befragten Flüchtlinge hatten keine Schule besucht oder maximal fünf Jahre die Schulbank gedrückt. 62 Prozent der Erwachsenen verfügen über keine Berufsausbildung und hatten kein Studium abgeschlossen.

Allerdings sind viele Asylbewerber jung, weshalb aus ihnen – mittelfristig – durchaus Fachkräfte werden können. Doch dafür und für den Integrationserfolg insgesamt müssen einige bestehende Regeln gekippt und dafür neue geschaffen werden: Die Behörden müssen einheitlich erfassen, über welche Qualifikationen die Flüchtlinge verfügen.

Außerdem muss es Recht und Pflicht der Flüchtlinge sein, Integrationskurse zu besuchen. Sie sollten zudem nicht erst nach 15 Monaten in der Zeitarbeit tätig werden dürfen und die sogenannte Vorrangprüfung, ob es nicht auch einen innereuropäischen Bewerber für eine Stelle gibt, muss entfallen.

Es wäre außerdem sinnvoll, jene Flüchtlinge gleich als Erwerbsmigrant zu registrieren, die entsprechende Qualifikationen mitbringen. Dann stünden sie dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung und verursachten nicht zuerst – und völlig unnötig – Kosten.

Genau an dieser Stelle gerät das Zuwanderungsgesetz erneut in den Blick. Dessen Neufassung sollte unbedingt die Erwerbsmigration fördern. Bislang gelingt es nämlich nur begrenzt, den Fachkräftebedarf auf diesem Weg zu sichern: 2014 kamen lediglich 29.000 Erwerbsmigranten aus sogenannten Drittstaaten – also Ländern außerhalb Europas – nach Deutschland. Das ist kein Wunder, denn selbst Experten sind verunsichert, welcher Aufenthaltstitel wann gilt; für ausländische Doktoranden kommen aktuell zum Beispiel drei verschiedene in Frage.

Ergänzendes Punktesystem

Bei der Bewertung, wer als Erwerbsmigrant in Deutschland eine Chance bekommt, wäre ein ergänzendes Punktesystem zielführend. Das würde verschiedene Faktoren wie den Berufsabschluss oder die Deutschkenntnisse gewichten. Erfüllt ein ausländischer Interessent ein bestimmtes Punktesoll, steht seiner Einreise nichts mehr im Weg. Allerdings sollte das Aufenthaltsrecht später nur dann verlängert werden, wenn der Zuwanderer einen Job gefunden hat und genug verdient – Dänemark zeigt mit seiner Greencard, wie es funktioniert.

Für dieses neue Zuwanderungsrecht braucht es eine effiziente Administration. Nur mit ihr wäre gewährleistet, dass Entscheidungen einheitlich und nachvollziehbar ausfallen und etwaige Obergrenzen für den Migranten-Zuzug eingehalten werden.

Durch diesen Vorschlag haben qualifizierte Zuwanderer und Flüchtlinge dann übrigens doch wieder etwas gemeinsam: Auch in der Flüchtlingspolitik sollten die großen regionalen Unterschiede in der Administration schnellstmöglich ein Ende finden.

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Ansprechpartner

MINT-Herbstreport 2016
Gutachten, 30. November 2016

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2016 – Bedeutung und Chancen der ZuwanderungArrow

MINT-Kräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen ist. In vielen Regionen Deutschlands leisten Zuwanderer einen Beitrag gegen Fachkräfteengpässe. mehr

How migration impacts the housing market
IW-Nachricht, 25. Oktober 2016

Germany How migration impacts the housing market Arrow

In recent years, the German housing market has come under considerable pressure: The demand has drastically increased particularly due to the high number of international migrants, while at the same time construction activity has hit a new low. Therefore the Cologne Institute for Economic Research has made a first attempt to estimate the exact construction demand in Germany. mehr

IW-Trends, 20. September 2016

Andrea Hammermann / Matthias Niendorf / Jörg Schmidt Kulturelle Diversität als Erfolgsfaktor? Empirische Ergebnisse auf Basis des Linked-Employer-Employee-Datensatzes des IAB Arrow

Der Einfluss der kulturellen Diversität innerhalb der Belegschaft auf den betrieblichen Erfolg ist kontextabhängig. Kulturelle Vielfalt innerhalb der Belegschaft wirkt per se weder förderlich noch hinderlich. Dies ist das Ergebnis einer empirischen Auswertung von Linked-Employer-Employee-Daten für Deutschland über das Zusammenspiel kulturell unterschiedlicher Gruppen in Unternehmen und ihren (möglichen) Einfluss auf die Bruttowertschöpfung. mehr