Schadet die EZB-Geldpolitik mehr, als sie nützt? Image
Die Europäische Zentralbank steckt in einem Dilemma. Foto: Bernd Wittelsbach/iStock

Die Europäische Zentralbank steckt in einem Dilemma zwischen Deflation und Marktverzerrung. Als sie im Frühjahr 2015 mit dem sogenannten Quantitative Easing (QE) – also dem massenhaften Ankauf von (Staats-)Schuldscheinen – begann, da war dies angesichts der bereits nahe null liegenden Zinsen gut begründet. Schließlich musste den erkennbaren Deflationsgefahren wirksam entgegengetreten werden.

Tatsächlich haben sich im Jahresverlauf 2015 die Inflationserwartungen für die darauffolgenden zwölf und 24 Monate immerhin leicht erhöht. Damals wäre ein Nichtstun für die EZB keine bessere Strategie gewesen, weil sie angesichts der lang anhaltenden Verfehlung ihres Inflationsziels von zwei Prozent sonst Gefahr gelaufen wäre, Glaubwürdigkeit und Reputation gänzlich zu verlieren.

Je länger nun aber das QE läuft, desto schwerer wird eine Rückkehr zur Normalität, desto nachhaltiger wirken die Verzerrungen zwischen Vermögensklassen und in den Vermögensstrukturen. Die EZB-Entscheidungen vom März 2016 überzeugen insoweit nicht: Ohne definierte Frist wurde das Programm zum Aufkauf von Vermögenswerten auf 80 Milliarden Euro pro Monat erhöht. Überdies werden nun auch Unternehmensanleihen erworben. Die damit verbundenen Kollateralschäden in den betroffenen Märkten sind beachtlich und nur zu rechtfertigen, wenn dadurch die EZB ihr Mandat wirklich erfüllt.

Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Notenbank nur zu heilen versucht, was die Politik versäumt hat: die rasche, unbedingt notwendige Rekapitalisierung der Banken und eine Forcierung der Strukturreformen in den Euro-Staaten.

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