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Mit welcher Stimmung starten die Unternehmen ins neue Jahr starten?

Es sind gemischte Gefühle, aber im Kern bei den harten Fakten eigentlich robuste Informationen, die wir da erhalten. Das heißt auf der einen Seite: Die Stimmung ist nicht gut, die ist getrübt und die ist schlechter als vor zwölf Monaten. Wenn man dann aber fragt nach den Erwartungen des Geschäftsergebnisses, nach den Investitionsabsichten oder nach den Beschäftigungsplänen, dann sieht das alles stabil aus, leicht aufwärts geneigt, in der Industrie, im Kern der deutschen Wirtschaft, eigentlich gut aufgestellt, sodass wir feststellen: Wir haben so eine Diskrepanz zwischen der allgemeinen Stimmungslage, der Einschätzung des Umfeldes, und dem, was konkret die Unternehmen in ihren Handlungsbereichen sehen.

Erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise gibt es nicht eine einzige Branche, die von einer besseren Stimmung berichtet. Müssen wir uns denn nicht Sorgen um einen Absturz machen im kommenden Jahr?

Dieses stimmungsmäßige Ergebnis, das in der Tat für sich genommen betrachtet, auffällt, muss man, glaube ich, aber einordnen. Es ist geprägt von zwei Belastungsfaktoren. Das eine war, was im Spätsommer, Frühherbst ja durchaus eine Denkmöglichkeit war, nämlich eine Eskalation der Eurokrise bis hin zur Auflösung der Währungsunion. Das hätte ja gewaltige Belastungen für die Wirtschaft bedeutet und letztlich für uns alle. Und zweitens: Der tiefe Einbruch 2009 ist noch nicht so lange weg, das heißt, die Unternehmen sind sehr sensibel und reagieren auf Perspektiven einer Verschlechterung immer auch mit dem Gedanken: Könnte es möglicherweise wieder so werden wie 2009? Und das führt zu einem sehr viel vorsichtigeren Verhalten, hat beispielsweise auch erklärt, dass die deutschen Unternehmen im Laufe des Jahres 2012 ab dem Sommer in erheblichem Maße schon Lagerbestände korrigiert haben, also eigentlich schon das vorweggenommen haben, was sie möglicherweise erst noch sehen werden. Und das ist etwas, was auf der anderen Seite aber dazu führt, dass wir 2013 gesamtwirtschaftlich durchaus als robust bewerten. Aber die Stimmung, in der Tat, irritiert im ersten Blick.

Sie bleiben dennoch gelassen. Was sind die Gründe dafür?

Die Gründe für die Gelassenheit sind angelegt in den genannten Faktoren, beispielsweise der erwarteten Geschäftsentwicklung. Da haben wir eine Vielzahl, 20 Branchen von 46, die sagen: Das wird besser als in diesem Jahr. 15 sagen, es bleibt stabil, und nur elf sehen ein etwas niedrigeres Ergebnis. Und da sehen wir, dass sozusagen von den harten Zahlen her die Unternehmen eigentlich den Anlass haben, zu sagen: Wir sind zwar in einer Konjunkturdelle, vielleicht in einem Konjunkturtal, aber wir schauen mittlerweile aus diesem Tal, aus dieser Delle wieder nach oben. Das zeigt sich in Investitionsplänen, dort sind wir ähnlich aufgestellt wie im vergangenen Jahr oder auch wie 2010, und das waren ja keine schlechten Jahre, und bei den Beschäftigungsabsichten ebenso robust, das heißt, es mischt sich also dann etwas zusammen aus den Einzelinformationen, die das Bild eines Zuwachses beim Bruttoinlandsprodukt, wie wir es erwarten, um 0,7 Prozent im nächsten Jahr, tragen. Wir werden noch im ersten Halbjahr die Delle erleben, und dann aus der Delle herausgehen - insofern ein umgekehrtes Profil zu 2012, das hat stark begonnen, schwach geendet.

Jetzt gibt es dennoch Unsicherheitsfaktoren, auch für das kommende Jahr. Welches sind da die Größten?

Ich glaube, es verschiebt sich etwas, aber es ist natürlich immer noch das Thema Euro, wobei auch die Unternehmen sehen: Das fundamentale Existenzrisiko der gemeinsamen Währung ist geschwunden. Aber hier kann noch mal eine Verunsicherung drin liegen, wobei ich aber nicht davon ausgehe, dass das wirklich zum Tragen kommt. Dann haben wir eine Reihe von politischen Risiken zu sehen. Wir laufen in ein Wahljahr hinein, und dann ist schon die erste Feststellung: Es wird nicht mehr viel passieren. Das ist schon ein politisches Risiko für sich genommen, denn wir sind ja nicht in einer Welt unterwegs, wo der Rest der Welt dann auch nichts tut, nur weil wir ein Bundestagswahljahr haben. Beispielsweise bei der Energiewende, auch testiert jetzt jüngst durch das von der Regierung selbst beauftragte Gutachten, funktioniert im Grunde nicht viel, eigentlich fast nichts, und Energie, jederzeit verfügbar, mit hoher Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen ist eine zentrale Standortvoraussetzung, um Industrie hier in Deutschland zu halten und Industrie ist nun mal die Basis unseres Wohlstandes. Insofern liegt hier ein Risiko, wenn die Regierung nicht das jetzt wirklich ernst nimmt.

Schauen wir mal in die einzelnen Branchen, die großen in Deutschland, Auto, Chemie, Maschinenbau - für welche Wirtschaftszweige sind die Aussichten denn besser für 2013?

Wenn man die Geschäftserwartungen nimmt, dann sind das eigentlich durchgängig Industriebranchen, die eine ordentliche Geschäftsentwicklung erwarten, auch der Groß- und Außenhandel, der ja im Grunde die Exportseite begleitet. Im Maschinen- und Anlagenbau, in der Elektrotechnik, in der Feinmechanik, in der Chemie, in den forschenden Arzneimittelunternehmen - da haben wir eine Robustheit, das ist der Kern der industriellen Wertschöpfung, darum ranken sich Dienstleistungen und da sieht es auch gut aus. Ein bisschen zurück fallen insgesamt die Bereiche Kreditwirtschaft und dranhängende, die Banken sind in einer noch problematischen Lage insofern, dass Aufräumarbeiten unverändert angesagt sind in den Bankbilanzen, sie haben Reregulierungen zu erwarten, und das stimmungsmäßige Umfeld ist nicht gerade wirklich gut, das heißt, die Banken sehen auch vom öffentlichen Klima her, vom politischen Klima eher Belastungen, und das äußert sich dann auch in solchen Stimmungen.

Jetzt haben Sie Branchen angesprochen, die sehr exportstark sind, Deutschland wird immer vorgeworfen, dass die deutsche Wirtschaft eben vor allem vom Export lebt und der Konsum zu kurz kommt. Mit Blick auch auf die Beschäftigungslage im kommenden Jahr - wird sich daran etwas ändern?

Also wir haben ja in den letzten Jahren, das darf man nicht vergessen, schon ein deutliches Umschichten gesehen vom Auslandsantrieb zur Inlandsnachfrage. Das hat mit der robusten Beschäftigung zu tun, die wir auch für das nächste Jahr erwarten, aber auch mit einer dazu passenden Lohnentwicklung. Deswegen ist der Einzelhandel in einer eigentlich stabilen Stimmung. Er erwartet auch für das nächste Jahr eigentlich in allen Dimensionen Stabilität. Und das Jahr 2012 war ja kein schlechtes Jahr für den Einzelhandel. Man darf das nicht verkennen: Wir sind bei der Inlandsnachfrage kräftiger, als das gelegentlich diskutiert wird.

Das Stichwort Arbeitsplätze: Was ist für den Arbeitsmarkt im kommenden Jahr zu erwarten?

Die Beschäftigung ist ja auf dem historischen Höchststand mit über 41,5 Millionen. Da wird es noch ein bisschen was dazugeben, das wird aber nicht so stark sein, vielleicht 40.000 neue Arbeitsplätze. Und die Arbeitslosigkeit für sich genommen wird mehr oder weniger stabil bleiben, um die 2,9 Millionen. Auch das ist ja, glaube ich, eine wichtige Einschätzung, die sich auch ableiten lässt aus der Verbandsumfrage, dass wir trotz dieser konjunkturellen Bewegung, die wir schon 2012 erlebt haben, die bis ins neue Jahr hineingeht, die Beschäftigung sich weiterhin robust zeigt.

Zum Interview auf der Website des Deutschlandfunks

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22. November 2016

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