Warum Deutschland Fußball-Weltmeister ist Image
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Während den Argentiniern im bisherigen Turnierverlauf nur 7 Tore gelangen, hat Deutschland bereits 17 auf dem Konto. Die anderen beiden Halbfinalteilnehmer Brasilien und Holland kommen immerhin auf 11 bzw. 12 Treffer. Auch die Fitness und Laufbereitschaft spricht für das Team von Joachim Löw: Die Deutschen sind im Schnitt 116 Kilometer pro Spiel gelaufen, die Argentinier mit nur 114 Kilometern dagegen etwas weniger.

Hinzu kommt, dass sich die Argentinier in einem zähen Spiel gegen Holland 120 Minuten plus Elfmeterschießen physisch und psychisch verausgabt haben. Die Deutschen konnten dagegen bei ihrer 7:1-Gala gegen Brasilien sogar Leistungsträger wie Mats Hummels schonen.

Hinzu kommt eine weitere Statistik, die Beachtung verdient hat: Mit Deutschland und Argentinien treffen nämlich die fairsten Mannschaften des Turniers aufeinander. Betrachtet man die vier Halbfinalisten nach je sechs absolvierten Partien, so belegt Deutschland mit vier gelben Karten Platz eins in der Fairnesstabelle vor Argentinien mit sechs Verwarnungen.

Die holländische Mannschaft hat insgesamt neun Mal gelb gesehen, die brasilianische elf Mal. Auch wenn man die Runde der letzten Acht betrachtet, so sind Deutschland und Argentinien die Teams, die die wenigsten Fouls begangen haben.

Fairness war in diesem Turnier ein großes Thema, denkt man beispielsweise an den Biss des Uruguayers Luis Suaréz und die Attacke auf Brasiliens Neymar. Die Forschung zu diesem Thema zeigt, dass Fairness nicht etwa die Gewinnchancen schmälert, sondern im Gegenteil einen Vorteil bringt. Denn Fairness deutet auf prosoziales, also uneigennütziges Verhalten hin.

Wer also fair nach außen ist, ist es auch in der Regel nach innen. Fairness gilt somit als ein Indikator für die Kooperationsbereitschaft der Spieler einer Mannschaft untereinander.

Kooperatives Verhalten ist in erster Linie typabhängig: So gibt es den eher prosozialen, als auch den individualistisch-wettbewerbsorientierten Typen. Je mehr ein Mensch anderen vertraut, und je stärker er sich an sozialen Werten orientiert, desto eher verhält er sich prosozial. Doch selbst, wenn vieles von der mitgebrachten Einstellung abhängt, kann die Kooperationsbereitschaft gezielt verstärkt werden – etwa mit Maßnahmen, die das Vertrauen innerhalb der Gruppe und eine gute Kommunikation fördern.

Auch die Identifikation des Einzelnen mit der Gruppe und die Überzeugung, selbst wichtig für den Erfolg des Teams zu sein, lassen die Mitglieder kooperativer agieren. Außerdem neigen Menschen eher zu kooperativem Verhalten, wenn eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Teammitgliedern besteht.

Ist dies der Fall, besteht kein Konflikt zwischen den eigenen Zielen und denen der Gruppe. Insbesondere bei Männern kommt zusätzlich ein Faktor hinzu: Existiert eine konkurrierende Gruppe, so erhöht dies die Kooperationsbereitschaft und reduziert den Egoismus.

Dem Trainergespann um Joachim Löw scheint es also gelungen zu sein, ein Team aus kooperativen Spielern zusammenzustellen und ein Klima der Kooperationsbereitschaft zu schaffen. Die Spieler vertrauen einander, sprechen viel miteinander, und jeder kennt seine Rolle – auch wenn es nur die des Reservisten ist.

So meldet beispielsweise selbst Miroslav Klose keinen Anspruch auf einen Stammplatz an, und unterstützt die Mannschaft auch von der Bank nach Kräften. Eben dieser Miroslav Klose gilt als Paradebeispiel eines fairen Spielers. Im Jahr 2012 erhielt er sogar den Fairplay-Preis der italienischen Liga: Er hatte in einem Spiel zugegeben, einen Treffer mit der Hand erzielt zu haben.

Auf der anderen Seite zeigt Löw mit seinen vergangenen Entscheidungen, dass er unkooperatives Verhalten hart bestraft, zum Beispiel mit dem Rauswurf von Kevin Kuranyi nach dessen vorzeitigem Verschwinden bei einem Qualifikationsspiel. Grund war sein Unmut darüber gewesen, nicht eingesetzt worden zu sein.

Löws Präferenz für kooperative Spieler könnte auch ein Grund dafür sein, den Leverkusener Stefan Kießling trotz seiner sportlichen Qualitäten nicht zu nominieren. Der Erfolg gibt Joachim Löw recht: Sein Team belegt mittlerweile Platz eins der Fifa-Weltrangliste.

Langfristig zahlt sich Fairness und Kooperationsfähigkeit also aus. Dafür spricht auch ein Maß für die Kooperationsbereitschaft im Fußball, nämlich die Zahl der Pässe. In dieser Statistik liegt Deutschland mit 3.421 Abspielen nach 6 Partien mit großem Vorsprung auf dem ersten Platz.

Argentinien steht auch hier an zweiter Stelle – mit 2.928 Pässen. Darauf folgen die Niederlande mit 2.687 Pässen vor Gastgeber Brasilien mit 2.249 Pässen. Wenn der Heimvorteil nicht schwerer wiegt, stehen die Chancen also recht gut für Holland im Spiel um Platz drei.

Die deutsche Elf wiederum könnte demnach am Sonntag nicht nur als fairste und kooperativste Mannschaft, sondern auch als Weltmeister vom Platz gehen.

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