Warum der Niedriglohnsektor gut für den Arbeitsmarkt ist Image
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Rund ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland war im Jahr 2010 dem Niedriglohnsektor zuzuordnen. Das ergibt eine neue Befragung des Statistischen Bundesamtes, die damit Befunde anderer Studien bestätigt. Der Anteil hat sich in den vorangegangenen 4 Jahren leicht erhöht – von 18,7 auf 20,6 Prozent. Der Anstieg ist aber weniger Ausdruck eines sozialpolitischen Problems, als vielmehr Signal für einen beschäftigungspolitischen Erfolg.

Denn im fraglichen Zeitraum erhöhte sich nicht nur die Niedriglohnbeschäftigung, sondern auch die Beschäftigung insgesamt. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg von 2006 bis 2010 um 1,4 Millionen Personen. Dabei handelte es sich nahezu ausschließlich um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Der Niedriglohnsektor nahm also vor allem deshalb zu, weil viele zuvor Arbeitslose oder Nichterwerbstätige eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden haben. Unter den zusätzlichen Jobs waren auch viele Tätigkeiten, die für Geringqualifizierte offen stehen und daher eher gering entlohnt werden. Die Logik der Messung des Niedriglohnsektors bedingt, dass er sich ausweitet sobald es gelingt, geringproduktive Arbeitnehmer verstärkt in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die soziale Lage der betroffenen Arbeitnehmer wird mit dem Eintritt in den Niedriglohnsektor meist verbessert. So haben 60 Prozent der Arbeitslosen ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle, aber nur 16 Prozent der Geringverdiener. Die meisten Niedriglohnbezieher sind also nicht arm, sondern verfügen in der Regel über weitere Einkommensquellen wie zum Beispiel Erwerbseinkommen des Partners. An den individuellen Erwerbsbiographien zeigt sich zudem: 43 Prozent der Personen, die eine Beschäftigung im Niedriglohnbereich aufnehmen und zuvor arm waren, sind es nach Aufnahme ihrer Arbeit nicht mehr. Niedriglohnbeschäftigung ist somit für viele ein Vehikel auf dem Weg aus der Armut.

Nicht nur unter sozialpolitischen Aspekten ist eine Beschäftigung im Niedriglohnbereich gegenüber der Beschäftigungslosigkeit die überlegene Alternative. Auch der weitere berufliche Werdegang profitiert. Es ist viel einfacher, aus einer Beschäftigung heraus beruflich aufzusteigen als den Aufstieg aus dem Stand aus der Arbeitslosigkeit heraus zu schaffen. Auch dies lässt sich mit Zahlen belegen: 24 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten schaffen innerhalb eines Jahres den Aufstieg in das Normalverdienersegment, aber nur 12 Prozent der Arbeitslosen.

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Risikogruppen haben es schwer
13. November 2014

Arbeitsmarkt Risikogruppen haben es schwerArrow

Die Beschäftigung in Deutschland legt weiterhin kräftig zu. Damit auch Risikogruppen wie Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte davon profitieren, brauchen sie Jobs mit einer entsprechenden Entlohnung und besonderen Beschäftigungsformen. Doch gerade diese Einstiege in den Arbeitsmarkt werden von der Bundesregierung zunehmend verbaut. mehr auf iwd.de

OECD-Studie
IW-Nachricht, 14. Mai 2014

OECD-Studie Auch Geringverdiener profitierenArrow

Der aktuelle OECD-Wirtschaftsbericht für Deutschland prangert an, dass trotz Wirtschaftswachstum und sinkender Arbeitslosigkeit die Armutsgefährdungsquote in Deutschland nicht sinkt. Die Schlussfolgerung, die unteren Einkommen würden hierzulande nicht vom Wachstum profitieren, ist aber schlichtweg falsch. mehr