Holger Schäfer im ÖkonomenBlog Image
Quelle: IW Köln

Die Zeitarbeitsbranche steht unter Druck: Seit Jahren pausiert das Beschäftigungswachstum hier entgegen dem Trend am Arbeitsmarkt. Das mag am schwachen Wirtschaftswachstum liegen. Es gibt jedoch ein weiteres Problem: Immer neue Regulierungen lähmen die Branche – und erschweren besonders Menschen mit schlechten Jobaussichten zusätzlich den Zugang zum Arbeitsmarkt.

Schon die Vorgängerregierung der Großen Koalition hatte die Zeitarbeit mit neuen Regulierungen überzogen: Seit 2011 muss sie „vorübergehend“ sein. Was das bedeutet, wurde allerdings nicht eindeutig geklärt. Zudem hat sie Mindestlohntarifverträge für die Zeitarbeit ermöglicht. Es folgten Ergänzungstarifverträge, nach denen Zeitarbeiter nach Einsatzzeiten gestaffelte Zuschläge von bis zu 50 Prozent ihres Lohns bekommen.

Nun will die Bundesregierung gesetzlich festlegen, dass Zeitarbeiter nach einer Frist von neun Monaten denselben Lohn wie vergleichbare Beschäftigte erhalten müssen. Sie missachtet damit nicht nur die Tarifautonomie. Besonders Hilfsarbeiter verlieren dadurch Jobchancen: Fast die Hälfte der Unternehmen, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln 2014 befragt hat, würde ihre zeitarbeitenden Helfer vor Ablauf der 9-Monats-Frist durch andere Zeitarbeitnehmer ersetzen. 30 Prozent würden die betroffenen Aufgabenbereiche sogar auslagern oder aufgeben.

Die Große Koalition will die Schrumpfkur außerdem mit einer maximalen Einsatzdauer von 18 Monaten komplettieren. Das wird immerhin bis zu 20 Prozent der Zeitarbeitnehmer betreffen, die länger als 18 Monate im Einsatz sind. Den Arbeitnehmern hilft das nicht: Sie verlieren die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum von Zuschlagtarifen zu profitieren.

Statt die Branche weiter einzuschränken, wäre das Gegenteil nötig. Zeitarbeit ist für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wichtig, denn sie hilft, konjunkturell bedingte Spitzen optimal zu nutzen. Zeitarbeit verbessert überdies den Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Für Menschen, die schon Jahre arbeitslos oder auf eine andere Art im Nachteil sind, ist sie oft der einzige Weg in einen Job.

Zum Gastbeitrag auf insm-oekonomenblog.de

IW-Trends

Holger Schäfer: Die Zukunft der Zeitarbeit zwischen Re-Regulierung und qualitativer Weiterentwicklung

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Ruf nach Regulierung
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Crowdworking Ruf nach RegulierungArrow

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Dialogs „Arbeit 4.0“ werden gegen Ende dieses Jahres Vorschläge präsentiert, wie die sozialen Bedingungen und Spielregeln der zukünftigen Arbeitsgesellschaft gestaltet werden sollen. Dabei wird auch über eine Regulierung des Crowdworkings diskutiert. mehr

17. Oktober 2016

Arbeitnehmerüberlassung Zeitarbeitsbranche unter DruckArrow

Mit 949.000 überlassenen Arbeitnehmern im Jahresdurchschnitt 2015 wurde in der Zeitarbeit ein neuer Höchststand erreicht. Allerdings fallen die Wachstumsraten nicht mehr so hoch aus wie in früheren Jahren. Zudem drohen der Branche neue Belastungen durch die Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. mehr auf iwd.de

30. September 2016

Geringfügig Beschäftigte Minijobs sind kein JobmotorArrow

Minijobs haben, anders als gelegentlich behauptet, nichts zum Beschäftigungsaufbau der vergangenen zehn Jahre beigetragen. Im Gegenteil: Ihre Zahl ist zuletzt sogar leicht zurückgegangen. mehr auf iwd.de