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Um die Bildungsarmut weiter zu reduzieren, gilt es zielgruppengenau zu fördern. Dies zahlt sich letztendlich auch für die öffentliche Hand aus. Erreichen junge Erwachsene keine abgeschlossene Berufsausbildung, so ist dies aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen für die Betroffenen selbst. Fehlende Bildung ist ein großes Einstellungshemmnis und Arbeitslosigkeit der Hauptgrund für eine Armutsgefährdung. Verstärkt werden die Folgen der Bildungsarmut durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitsprozesse, die den Bedarf an einfachen Helfertätigkeiten verringern. Daneben weist ein Teil der jungen Erwachsenen ohne abgeschlossene Berufsausbildung Gesundheitseinschränkungen auf, die ihren Zugang zum Arbeitsmarkt erschweren. Zum anderen ist die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands eng damit verbunden, ob es Unternehmen auch in Zukunft noch gelingen wird, genügend Fachkräfte zu finden. Der demografische Wandel reduziert das Fachkräftepotenzial in Deutschland deutlich. Es droht ein gespaltener Arbeitsmarkt mit Fachkräfteengpässen bei gleichzeitigen Problemen für die Geringqualifizierten. Daher ist es zunächst einmal ein gutes Ergebnis, dass die Bildungsarmut unter jungen Erwachsenen seit dem Jahr 2005 reduziert werden konnte. Im Jahr 2005 hatten noch 1,6 Millionen Personen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung und waren nicht mehr im Bildungssystem aktiv, im Jahr 2012 hingegen nur noch 1,3 Millionen. Der Anteil an allen Personen in dieser Altersgruppe sank entsprechend von 16,5 Prozent auf 13,2 Prozent. Zu den Verbesserungen trugen auch Maßnahmen wie Einstiegsqualifizierungen und Nachqualifizierungsangebote bei. Teilqualifizierungen können helfen, schrittweise eine qualifizierte Ausbildung zu erwerben.

Unter den jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung sind Alleinerziehende, Zuwanderer mit Bildungsabschlüssen aus dem Ausland und Personen ohne Schulabschluss überrepräsentiert. Um zielgruppengenau zu fördern, sollten Ganztagsbetreuungsplätze ausgebaut werden, damit für Alleinerziehende die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie verbessert wird. Für Zuwanderer sind neben den besseren Anerkennungsmöglichkeiten Nachqualifizierungs- und Sprachförderangebote auszubauen.

Um die Ausbildungsreife der Schulabsolventen zu stärken, sind Maßnahmen zur Förderung der Kompetenzen der Schüler umzusetzen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass der Bildungshintergrund der Eltern und das Bildungskapital sowie die Bildungsaspiration im Elternhaus wichtige Rollen für den Schulerfolg der Kinder spielen. Arbeitslosigkeit im Elternhaus und die Familienform (Patchwork, alleinerziehend) haben isoliert betrachtet hingegen keinen Effekt auf die Bildungsergebnisse. Der Bildungshintergrund der Eltern dominiert. Daher sind im Bildungssystem selbst Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auch Kinder aus bildungsfernen Haushalten sich optimal entwickeln können. Positiv auf die Erlangung der Ausbildungsreife wirkt es sich aus, wenn die Kinder schon früh einen Kindergarten besucht haben. Wichtig ist es auch, den Schulen Handlungsfreiräume zu schaffen. Autonomie und Vergleichsarbeiten ermöglichen zwischen den Schulen einen Wettbewerb um Ideen, wie Schüler am besten individuell gefördert werden können. Ganztagsschulen bieten einen Rahmen, gerade Schülern aus Elternhäusern mit weniger Bildungskapital auch am Nachmittag gute Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Sport und Ernährungskurse können helfen, die Gesundheit der Kinder zu fördern. Investitionen in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen sind zwar mit zusätzlichen finanziellen Anstrengungen verbunden, bieten aber nach Berechnungen des IW langfristig für die öffentliche Hand durch eine größere Zahl an Steuer- und Beitragszahlern und weniger Sozialaufwendungen eine attraktive Rendite.

Kurzgutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Ina Esselmann / Wido Geis: Bildungsverlierer – Kurzstudie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels und PISA-Daten

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Ansprechpartner

26. August 2016

Regionale Armut Arme Eltern, schlechte SchülerArrow

Finanzielle Armut und Bildungsarmut gehen oftmals Hand in Hand. So zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), dass in den meisten Regionen, in denen vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche in finanziell schwierigen Verhältnissen leben, auch mehr Schüler die Schule abbrechen als anderswo. mehr auf iwd.de

Armutsgefährdete Kinder
IW-Pressemitteilung, 25. August 2016

Armutsgefährdete Kinder Bildungsarmut wird vererbtArrow

In Regionen mit hoher Armutsquote brechen viele Jugendliche die Schule ab, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das liegt nicht an fehlenden finanziellen Mitteln der Familien, sondern an der mangelnden Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien in Kitas und Schulen. mehr

IW-Kurzbericht, 25. August 2016

Wido Geis / Christoph Schröder Armutsgefährdete Kinder und Schulabbrüche im regionalen VergleichArrow

Berechnungen des IW Köln zeigen, dass es in Regionen mit vielen armutsgefährdeten Kindern auch häufiger zu Schulabbrüchen kommt. Die Armutsgefährdung geht dabei häufig mit geringerer Bildung der Eltern einher. Damit sich durch Vererbung von Bildungsarmut die Armutsgefährdung in betroffenen Regionen nicht verfestigt, sollten flächendeckend qualitativ hochwertige Betreuungs- und Ganztagschulangebote gemacht werden. mehr