Es ist in der Tat kaum erträglich, wenn die Allgemeinheit dafür einstehen muss, dass sich Banker überhoben haben und die Akteure dafür noch ein Bonbon bekommen.

Die wenigsten Boni, die gegenwärtig gezahlt werden, sind noch Sonderleistungen, über die frei befunden wird. Die wenigen, für die dies noch gilt, fließen Mitarbeitern aus Geschäftszweigen zu, die noch Geld erwirtschaftet haben. Sie haben Schlimmeres verhütet und damit eine Belohnung reell verdient. Die Mehrzahl der gezahlten Boni aber sind garantierte Bestandteile von Verträgen ohne Widerrufsklausel. Solche Verträge sind in einem Rechtsstaat zu respektieren; im Nachhinein sind sie nicht zu ändern. Daran ist nichts zu rütteln. Rechtssicherheit und Vertragsfreiheit anzugreifen würde die Grundfesten unserer modernen Gesellschaften erschüttern.

Aber nun heißt es, nach vorne zu denken. Auch wenn es jetzt durch die Zwangshaftung des Steuerzahlers erst richtig augenscheinlich wird, ist die Gewährung garantierter Boni ohnehin eine Fehlentwicklung. Derlei lässt sich durch geeignete Regeln verhindern. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Es kann nicht darum gehen, Boni insgesamt zu verbieten – nur deren Garantie. An und für sich sind Boni nämlich eine feine Sache: Sie setzen Leistungsanreize. Dabei dürfen sie nicht zu kurzfristigem Kalkül verleiten. Sie müssen erfolgsabhängig sein und nicht nur nach oben, sondern auch nach unten um eine Norm schwanken. Ein Bonus, der seiner Bestimmung als erfolgsabhängigem und damit "variablem Gehaltsbestandteil" untreu wird, ist eine Perversion. Wenn Banken satte Zusatzzahlungen leisten wollen, um hoch qualifizierte Mitarbeiter anzuwerben oder zu halten, dann sollen sie das offen und für die Kontrollinstanzen erkennbar tun.

Es ist schon wieder Lehrgeld, was wir Steuerzahler hier zahlen, für uns, für die Wirtschaft, für die Banken und für die Politik – sehr teures Lehrgeld. In dem umfassenden Lern- und Läuterungsprozess, in dem die Welt derzeit auf dem Weg zu einer besseren Ordnung begriffen ist, muss auch dieses Opfer wohl sein.

Die Autorin leitet das Hauptstadtbüro des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Berlin. Sie ist Dozentin für Medienwirtschaft an verschiedenen Hochschulen und Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Beratungsgremien.

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