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Das Staunen ist allenthalben groß: Die gerade ins Amt gekommene Bundesregierung hat größte Schwierigkeiten, ihr Wachstumsbeschleunigungsgesetz durchzusetzen. Das ist beachtlich, weil einer neuen Regierung gewöhnlich besonderer Kredit eingeräumt wird und die abweichenden Stimmen im eigenen Lager noch ruhig bleiben. Aber ebenso ist es verständlich, denn der Widerstand speist sich nicht aus spezieller Renitenz traditionell Abtrünniger, sondern aus tiefen, sachlich begründeten Zweifeln an der Angemessenheit eines Großteils der geplanten Maßnahmen.

Wenn so offenkundig wichtige Elemente eines Gesetzesvorhabens, das den öffentlichen Haushalten spürbare Belastungen auferlegt, einer ökonomischen Sachlogik eran class='highlightSearch'>mangelan>n, dann kann das Argument niemanden überzeugen, hier gehe es um eine wichtige Investition in die Wachstumsbasis unserer Volkswirtschaft. Kein Ökonom kann den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen in diesem von der Regierung intendierten Sinne begründen. Klientelpolitik bleibt Klientelpolitik, und sie kostet immerhin fast eine Milliarde Euro.

Nicht weniger dünn ist die wachstumspolitische Rechtfertigung für die Erhöhung von Kinderfreibetrag und Kindergeld. Die Stärkung der privaten Nachfrage wird für sich genommen die fiskalischen Kosten von 4,6 Milliarden Euro nicht kompensieren können. Das alles ist vielfach gesagt und geschrieben worden. Und tatsächlich soll sich auch in den Regierungsfraktionen kaum einer finden lassen, der dieses bestreitet. Regierungshandeln mutiert unter solchen Bedingungen zum Selbstzweck, Zustimmung wird aus Disziplin eingefordert, statt durch Überzeugung begründet.

Wie konnte es dazu kommen? War es Nachlässigkeit? War es Unkenntnis, gepaart mit dem Unwillen, auf ökonomischen Rat zu hören? War es einfach der Glaube, dass die Mehrheit zwangsläufig Einsicht in das Zweifelhafte begründet? Politischer Druck oder ein Zwang Die wirtschaftliche Bildung an den Schulen sollte das Verständnis der Jugend für unsere Wirtschaftsordnung stärken.

der Umstände waren es nicht. Koalitionsverhandlungen lassen eigentlich die Zeit, um Entscheidungen fachlich zu fundieren. Wie es auch gewesen sein mag, ein Mehr an ökonomischer Bildung kann jedenfalls nicht schaden. Es zeigt sich hier, dies zeigt ebenso eine an der Uni Frankfurt durchgeführte Umfrage unter Wirtschaftsstudenten: Der Mangel an elementaren Kenntnissen über aktuelle wirtschaftliche Vorgänge ist eklatant.

Damit stoßen wir in ein weites Feld vor. Denn es drängt sich die Frage auf, ob und wie für mehr ökonomische Bildung bereits in den allgemeinbildenden Schulen gesorgt werden kann. Die Bundesländer schwanken derzeit zwischen einem klaren Bekenntnis zu einem Schulfach Wirtschaft - wie in Mecklenburg-Vorpommern - und der Position - wie in Nordrhein-Westfalen -, Wirtschaft in den Fächern Geschichte, Geografie und Politik mitzubehandeln. Wichtige Beiträge leisten Schülerprojekte wie "Junior", die umfassende Praxiserfahrung ermöglichen, ihre volle Wirkung jedoch erst im Austausch mit einem etablierten Schulfach Ökonomie entfalten können.

Der diffuse Zustand der ökonomischen Bildung an Schulen reflektiert die vielfaltigen Schwierigkeiten der Umsetzung. Ein etabliertes Unterrichtsfach setzt Schulbücher und Lehrpersonal voraus. Das klingt banal, ist es aber keinesfalls. Wirtschaftliche Themen werden in der ganz überwiegenden Anzahl der Bücher eher randständig behandelt, theoretisch fragwürdig erörtert und empirisch unzureichend fundiert. Nicht einmal zehn Prozent der zugelassenen Werke sind - ganz unabhängig von den landesspezifischen Curricula - sachlich angemessen. Ein übler Missstand!

Noch gravierender sind aber die Probleme, angemessenes Lehrpersonal für dieses Schulfach zu bekommen. Die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten waren sich von jeher zu fein für die Ausbildung von Lehrern. Dort, wo es geschieht, wird es mehr geduldet als gefördert. In jedem Fall wird die strategische Bedeutung dieser Qualifikation völlig verkannt. So wurde die ökonomische Lehrerbildung in die Sozialwissenschaften verdrängt, was die Einhegung der Ökonomik durch die Politikwissenschaft in diesen Studiengängen beförderte.

Ein fest etabliertes Schulfach Wirtschaft könnte wichtige Impulse für die Gestaltung der Schulbücher und die Definition entsprechender Lehramtsstudiengänge setzen. Die Erwartung, dass auf Landesebene Schul- und Wissenschaftsministerium dabei konstruktiv zusammenarbeiten, kann man als ungedeckten Wechsel verstehen, sie ist aber alternativlos. Die ökonomische Bildung sollte das Verständnis unserer Wirtschaftsordnung stärken und die Einsicht vermitteln, dass man sich nie folgenlos der ökonomischen Sachlogik entziehen kann. Es begründete die Hoffnung, dass die Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2025, auf solcher Basis geführt, auch gute Aussicht auf politischen Erfolg bieten.

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