Streikrepublik Deutschland? Image
Quelle: Fotolia

Der soziale Friede ist immer noch einer der größten Standortvorteile Deutschlands. Dies zeigt ein Vergleich des internationalen Streikgeschehens ebenso wie ein Blick auf die Lohnabschlüsse der vergangenen 15 Jahre.

Gemessen am Arbeitskampfvolumen, das die Zahl der ausgefallenen Arbeitstage je 1.000 abhängig Beschäftigte angibt, zeigt sich: Im zurückliegenden Jahrzehnt fielen hierzulande im Jahresdurchschnitt lediglich fünf Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer aus. Ähnlich harmonisch ging es nur in der Slowakei und Japan (jeweils gar keinen Ausfalltag), in der Schweiz (4 Tage), in Polen, Ungarn und den Niederlanden (zwischen 6 und 9 Tage) zu. Spanien kommt hingegen auf 164 Ausfalltage, Frankreich auf 102, Italien auf 88 und Großbritannien oder die USA auf jeweils 30 Tage.

Erfreulich ist dabei: Die Stabilität der Arbeitsbeziehungen wurde nicht etwa dadurch erkauft, dass die Arbeitgeber Konflikten hierzulande aus dem Wege gehen und Gewerkschaftsforderungen leichter nachgeben. Gegen diese Befürchtung spricht, dass Deutschland über die letzte Dekade hinweg eine nahezu bemerkenswerte Konstanz der nominalen Lohnstückkosten hatte, was die anhaltende Exportstärke der deutschen Volkswirtschaft maßgeblich begünstigt hat. Die Arbeitnehmer haben davon profitiert, weil dadurch viele gut bezahlte Industriejobs erhalten blieben.

Während in Frankreich, Italien oder Griechenland politische Streiks, die sich gegen sozialpolitische Reformen der nationalen Regierungen wenden, zur allgemeinen Protestkultur gehören, sind in Deutschland nur tarifpolitische Streiks erlaubt. Das trägt ganz erheblich dazu bei, dass vor allem Störungen im Transportsektor hierzulande selten sind. In Frankreich sind Bahnstreiks als fester Bestandteil der politischen Proteste viel häufiger. Zwar haben auch unsere Gewerkschaften im letzten Jahr mit einem "heißen Herbst" gedroht, um sich gegen die "Rente mit 67" zu wehren. Massenproteste blieben aber aus. Stattdessen beschränkten sich IG Metall & Co. auf Aktionen in den Betrieben - ohne dabei den Arbeitsablauf nennenswert zu stören.

Ganz heil ist die Welt aber auch hierzulande nicht mehr. Denn mächtige Spartengewerksbhaften wie die Lokführergewerkschaft, die Piotenvereinigung Cockpit oder die Gewerkschah der Flugsicherung haben einen schädlichen Gewerkschaftswettbewerb angefaclt, bei dem sich die Arbeitnehmerbünde gegenseitig überbieten wollen. Wenn Konflikte künftig häufiger auftreten, wird der Gesetzgeber dem Agieren der Spartengewerkschaften Schranken setzen müssen.

Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn
IW-Nachricht, 7. Dezember 2016

Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn Steiniger WegArrow

Die Deutsche Bahn verhandelt derzeit wieder mit der Eisenbahnergewerkschaft EVG und der Lokführergewerkschaft GDL. In den vergangenen Jahren zeigte sich vor allem die GDL als besonders streikfreudig. Doch diesmal drohen gleich beide Gewerkschaften mit Warnstreiks. mehr

Ruf nach Regulierung
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Crowdworking Ruf nach RegulierungArrow

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Dialogs „Arbeit 4.0“ werden gegen Ende dieses Jahres Vorschläge präsentiert, wie die sozialen Bedingungen und Spielregeln der zukünftigen Arbeitsgesellschaft gestaltet werden sollen. Dabei wird auch über eine Regulierung des Crowdworkings diskutiert. mehr

IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Gewerkschaften Hundert Jahre AnerkennungArrow

Im Dezember 1916 wurden die Gewerkschaften in Deutschland als Interessenvertreter der Arbeitnehmer anerkannt. Hundert Jahre später kämpfen nicht nur die deutschen Gewerkschaften gegen ihren Bedeutungsverlust. mehr