In der Bildungspolitik herrscht viel Bewegung, aber keineswegs immer Gerechtigkeit. Weil Zahler und Nutzer von Bildungsdienstleistungen bisher noch viel zu selten identisch sind, kommt es im Bildungssystem immer noch zur Verschwendung von öffentlichenMitteln und einer geringen Treffsicherheit. Damit rentieren sich Bildungsinvestitionen für beide Seiten weniger, als es möglich wäre.

Beispiel frühkindliche Bildung: Die Investitionen in den Ausbau und Betrieb von Kindertageseinrichtungen müssen von Kommunen und Ländern sowie den Eltern getätigt werden, während die Erträge auch dem Bund und den Sozialversicherungsträgern zufallen.

Beispiel Schulbildung: Die Bundesländer haben es bisher versäumt, ein adäquates schulisches Unterstützungssystem und eine Evaluationskultur aufzubauen. Jährlich verlassen über 200.000 Schüler die Schule, ohne über eine ausreichende Ausbildungsreife zu verfügen.

Die mangelnde Effizienz des Schulsystems und die anschließende Reparatur schulischer Defizite verursachen Kosten von über 7 Mrd. € pro Jahr. Anstatt die große Zahl leistungsschwacher Schüler so zu fördern, dass sie einen Schulabschluss erreichen und fitfür eine Lehre sind, werden mit den Folgekosten vor allem die Bundesagentur für Arbeit und der Bundeshaushalt belastet.

Beispiel Hochschulbildung: Weil Hochschulabsolventen nach dem Studium höchst mobil sind, führen Hochschulausgaben häufig zu Einkommen und Wertschöpfung in anderen Bundesländern als in jenen, in denen die akademische Ausbildung finanziert wurde. EinBundesland verliert zudem bei Wegzug des Hochschulabsolventen wegen der sinkenden Einwohnerzahl weitere rund 2.000 € pro Jahr.

Unterfinanzierung sowie unnötige Ausgaben sind die Folge dieser Anreizverzerrungen. Mehr Verursachergerechtigkeit im Bildungswesen setzt also vor allem richtige Verantwortungs- und Finanzierungsstrukturen voraus.

Hans-Peter Klös ist Geschäftsführer sowie Leiter Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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