Die Ehe ist der Versuch, die Probleme zu zweit zu lösen, die man alleine nicht hat.“ An dieses Zitat von Woody Allen fühlt sich erinnert, wer die Meldungen über das Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank vernimmt. Tatsächlich birgt die Einsicht des Stadtneurotikers viel an gesammelter Erfahrung über das menschliche Miteinander, die sich auf die Schwierigkeiten von Unternehmensehen übertragen lässt. Ob Allianz und Dresdner oder Daimler und Chrysler – stets haben sich die Pläne als zu ambitioniert erwiesen.

Damit wurden einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft vom Anfang des Jahrzehnts weitere Belege hinzugefügt. Denn das Ergebnis dieser Arbeit über Megafusionen war alles andere als erbaulich: „Die Chancen, dass Fusionen erfolgreich sind und Gewinnsteigerungen nach sich ziehen, stehen offenbar nicht besser als beim Münzwurf.“ Empirischen Analysen zufolge haben gerade Großfusionen die Jahresüberschüsse der Unternehmen eher geschmälert als erhöht. Die Synergieeffekte von Fusionen werden meist überschätzt.

Nun gibt es freilich ebenso wenig eine Gewissheit des Scheiterns wie eine Gewissheit des Erfolgs. Veränderungsprozesse sind nicht nur in Großunternehmen stets eine besondere Herausforderung. Erst recht wird der Wandel zum Wagnis, wenn er sich mit einem Unternehmenszusammenschluss verbindet. Für die Perspektiven eines solchen Prozesses ist es nicht unerheblich, in welchem strukturellen Umfeld man sich bewegt. Gerade die Finanzintermediation befindet sich derzeit in einem tiefen Umbruch, und das nicht erst seit dem Aufbrechen der Kreditmarktkrise.

Es ist noch nicht lange her, da wurde das Beziehungsbanking, welches traditionell das Geschäftsmodell der Banken bestimmt hatte, als überholt bewertet. Zum einen sah man im elektronischen Bankgeschäft die Zukunft für den Umgang mit den Privatkunden; Direktbanken wurden gegründet. Zum anderen führte die zunehmende Verbriefung von Forderungen dazu, dass sich im Großkundengeschäft die Transaktionen weg von den Banken und hin zu den Märkten verlagerten. Das stärker marktbasierte angelsächsische Finanzsystem erschien zukunftsorientierter.

Heute sehen wir klarer als vor einer Dekade, dass die schlichte Gegenüberstellung von bankbasierten und marktbasierten Systemen nicht weiterführt. Die These vom Untergang des einen und vom Sieg des anderen entspricht einer Vorstellungswelt, in der sich Veränderungsprozesse stets linear und mit Ausschließlichkeitsanspruch vollziehen. So aber funktioniert es nicht – eigentlich nie, auch wenn manche Protagonisten der Finanzwelt selbst entsprechend argumentierten. Ein Blick auf die Funktion der Finanzintermediation ist hilfreich.Die Globalisierung der Arbeits- und der Wissensteilung lebt von hinreichendem Vertrauenskapital für internationale Kooperationen, von individueller Vertragsfreiheit und von einem effizienten Risikomanagement. Dies wiederum erfordert weltweit funktionierende Finanzsysteme, in denen die Risiken gehandelt werden. Angesichts sich immer zügiger verändernder Wettbewerbsverhältnisse hat sich allenthalben der Strukturwandel beschleunigt.

Wissen verbreitet sich schneller, Wissensvorsprünge erodieren schneller. Die Anforderungen an die Wertschöpfung steigen ständig. Der Druck auf die Unternehmen hat sich erhöht, durch Innovationen dem Bedarf an Restrukturierung zu entsprechen. Zusammen mit den unterschiedlichen demografischen Profilen der Volkswirtschaften erfordert dies laufend eine reibungslose Umschichtung von Kapital. Der gestiegene Innovationsdruck begründet stärker und umfassender als früher Wetten auf die Zukunft. Die Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen lebt unweigerlich von der Innovationskraft und der Fähigkeit der Marktdurchdringung. Dies zu beurteilen fällt indes dem Kapitalmarkt schwer, jedenfalls solange Strategie und Kompetenz noch keine Reputationsbasis besitzen.

Anonyme Märkte reagieren unter solchen Bedingungen mit Abschlägen auf die erwarteten Erträge, die Finanzierungskosten sind hoch und die Investitionen volkswirtschaftlich unzureichend. Das Phänomen unweigerlich asymmetrischer Information zwischen Investor und Kapitalgeber verschafft den Banken als spezifischen Institutionen eine besondere Bedeutung. Sie vermögen dieses Informationsproblem zu lösen. Die These, dass der Fortschritt im Risikomanagement über Märkte Banken überflüssig mache, ist deshalb nicht gut begründet.

Vielmehr lösen sich Intermediäre und anonyme Finanzierungsformen im Lebenszyklus eines Unternehmens ab. In Phasen relativ großer Unübersichtlichkeit sind die Unternehmen auf beziehungsbasierte Finanzierungen angewiesen, und die Banken werden das Kernrisiko nicht abschlagsfrei verkaufen können; sie sollten es auch nicht, da sonst der Zertifizierungseffekt des Bankkredites verlorengeht. Wenn die Informationsprobleme schließlich geringer werden, dann werden die Risiken auch der Sache nach liquider und können verkauft werden.

Vor diesem Hintergrund ist es gut, wenn Strukturbereinigungen den Bankensektor stabilisieren. Es wird darauf ankommen, die Erträge aus der Fusion der beiden Privatbanken zumindest teilweise in den Finanzplatz Deutschland zu reinvestieren.

Denn die Erkenntnis, dass internationaler Erfolg eine stabile nationale Ertragsbasis voraussetzt, führt geradewegs zu Investitionen in das Beziehungsbanking. Zudem bleibt die Politik aufgefordert, den notwendigen – und weithin erkannten – Bereinigungsprozess unter den Landesbanken nicht mehr zu behindern, sondern zu befördern. Eine klare Fokussierung tut gerade hier not.

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