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Ein Paradebeispiel dafür bekamen wir vergangene Woche geliefert. Am Dienstag veröffentlichte das Statistische Bundesamt eine detaillierte Studie zu der Frage, in welchem Umfang ältere Arbeitnehmer erwerbstätig sind. Das Thema ist vor dem Hintergrund der Debatte um die "Rente mit 67" natürlich politisch brisant. Kein Wunder, dass praktisch jede Zeitung die Meldung aufgriff. Mit dem Ergebnis, dass man völlig unterschiedlich informiert wurde. Die "Bild"-Zeitung titelte: "23 Prozent krank in Ruhestand" und berichtet in ihrer kurzen Meldung lediglich, dass mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer krankheitsbedingt vor dem 65. Lebensjahr aus dem Erwerbsleben ausscheidet – ohne zu erwähnen, dass dieser Anteil zehn Jahre zuvor mit über 28 Prozent noch erheblich höher lag.

Der Überschrift des "Handelsblatts" zufolge hält "nur jeder neunte Erwerbstätige bis 65 durch". Neben den krankheitsbedingt Ausgeschiedenen gibt es jene, die direkt aus der Arbeitslosigkeit oder im Anschluss an Vorruhestandsregelungen in die Rente gehen. Zudem machen viele freiwillig von der flexiblen Altersgrenze ab 63 Gebrauch. Mit ihrer Überschrift vermittelte die Zeitung den Eindruck, dass Arbeiten im Alter heute die große Ausnahme ist.

In der "FAZ" liest sich das ganz anders. Unter dem Titel "Ältere arbeiten deutlich länger als noch vor einem Jahrzehnt" wird in dem Bericht die gestiegene Erwerbsbeteiligung der Älteren herausgestellt. Danach lag der Anteil der in der Altersgruppe 60 bis 64 Jahre noch Erwerbstätigen 2009 bei knapp 40 Prozent. Das war fast doppelt so hoch wie zehn Jahre zuvor. Ähnlich der Tenor in der "Frankfurter Rundschau". Unter dem Titel "Länger leben, länger arbeiten" wird der Leser gleich zu Beginn des Artikels darüber informiert, dass sich der Eintritt in den Ruhestand in den vergangenen zwei Jahrzehnten um zwei Jahre nach hinten verschoben hat. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" schreibt ebenfalls "Die Menschen arbeiten länger". Auch die "Süddeutsche Zeitung" teilt diesen Tenor– wenn auch mit Einschränkung. Sie titelt "Qualifizierte arbeiten länger" und bezieht sich damit auf die Zahlen zur unterschiedlichen Entwicklung in einzelnen Berufsgruppen.

Fälschung? Lüge? Damit haben die Zahlen des Statistischen Bundesamts nicht das Geringste zu tun. Es hat den Sachverhalt sogar sehr umfassend aufbereitet. Der unterschiedliche Tenor in der Presse kommt erst durch die unterschiedlichen Zahlen zustande, die sich der jeweilige Redakteur aus dem bunten Datenstrauß für seine Schlagzeile herauspickt. Was lehrt uns das? Erstens: Die Statistiker sind keine bösen Buben. Zweitens: Die Wahrheit ist oft vielschichtig. Und drittens: Mit Schlagzeilen sollte man keine Politik machen.

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