Niedriglohnsektor fängt Unqualifizierte auf Image
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Arbeitslosigkeit bekämpfen und gleichzeitig den Niedriglohnsektor einschränken – das passt nicht zusammen. Denn Jobs für Geringqualifizierte bieten Chancen für all die Erwerbsfähigen, die trotz Qualifizierungsmaßnahmen keinen beruflichen Abschluss schaffen. Ohne das Angebot an einfachen Tätigkeiten finden diese Personen kaum ihren Platz am Arbeitsmarkt. Gerade auch solche Jobs waren es, die großen Anteil an dem Erfolg am Arbeitsmarkt hatten: mit 2,9 Millionen wurde 2012 der niedrigste Arbeitslosenstand seit 1991 verzeichnet.

Dass diese Arbeit meist unterdurchschnittlich bezahlt wird, führt quer durch die Politik zur Forderung nach Mindestlöhnen. Die Befürworter übersehen dabei aber, dass die Niedriglohnjobs nicht, wie oft behauptet, reguläre Beschäftigung verdrängt haben. Vielmehr wurden sie neu geschaffen und haben so Geringqualifizierte aus der Arbeitslosigkeit geholt. Zwischen 1999 und 2009 etwa ist der Anteil der Geringverdiener an der Erwerbsbevölkerung von 10 auf 14 Prozent angestiegen. Der Anteil der Normalverdiener nahm im selben Zeitraum dennoch nicht ab – er stieg von 46 auf 48 Prozent. Die einzige Zahl, die in dieser Dekade sank, war die der Arbeitslosen, Frührentner und Nichterwerbstätigen: Nach 32 Prozent im Jahr 1999 waren es 2009 nur noch 26 Prozent.

Wer den Niedriglohnsektor zurückdrängt, riskiert also Arbeitsplatzverluste. Und torpediert damit die Erfolge der Vergangenheit: 2011 arbeiteten 57 Prozent der 25- bis 64-Jährigen ohne Berufsausbildung. Zehn Jahre zuvor waren es erst 53 Prozent. Auch die staatlichen Kosten für Arbeitslosengeld-Empfänger gingen durch die verbesserten Berufsaussichten für Unqualifizierte zurück. Allein 2012 hat sich die Zahl der Empfänger um 170.000 verringert.

Trotz aller Erfolge ist es bis zur Vollbeschäftigung noch ein weiter Weg. Hier gilt es, die Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Fehlende oder nach langer Arbeitslosigkeit verloren gegangene Qualifikationen sind das größte Hindernis für den Weg zurück in den Beruf. Maßnahmen zur Verbesserung der Qualifikationen durch Aus- und Weiterbildung gibt es bereits. Für alle, bei denen auch das nichts nutzt, wird ein gesunder Arbeitsmarkt aber auch in Zukunft einfache Tätigkeiten anbieten müssen.

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Risikogruppen haben es schwer
13. November 2014

Arbeitsmarkt Risikogruppen haben es schwerArrow

Die Beschäftigung in Deutschland legt weiterhin kräftig zu. Damit auch Risikogruppen wie Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte davon profitieren, brauchen sie Jobs mit einer entsprechenden Entlohnung und besonderen Beschäftigungsformen. Doch gerade diese Einstiege in den Arbeitsmarkt werden von der Bundesregierung zunehmend verbaut. mehr auf iwd.de

OECD-Studie
IW-Nachricht, 14. Mai 2014

OECD-Studie Auch Geringverdiener profitierenArrow

Der aktuelle OECD-Wirtschaftsbericht für Deutschland prangert an, dass trotz Wirtschaftswachstum und sinkender Arbeitslosigkeit die Armutsgefährdungsquote in Deutschland nicht sinkt. Die Schlussfolgerung, die unteren Einkommen würden hierzulande nicht vom Wachstum profitieren, ist aber schlichtweg falsch. mehr