21. Januar 2013

Ressourcen

Sparsam wachsen

Die meisten Rohstoffe sind endlich. Dem Wirtschaftswachstum sind dadurch aber nicht zwangsläufig Grenzen gesetzt.

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Wachstumskritiker sind sich sicher: Die Wirtschaft kann nicht dauerhaft wachsen. Denn, so ihr Argument, Wachstum basiert auf natürlichen Ressourcen - und die sind endlich. Bereits im Jahr 1972 beschrieb der Club of Rome die „Grenzen des Wachstums“. In der Rückschau erwiesen sich die Voraussagen und Berechnungen jedoch als falsch.

Ähnlich verhielt es sich mit der These des britischen Ökonomen Thomas Malthus, die besagt, dass das Bevölkerungswachstum exponentiell verläuft, das Wachstum der Nahrungsmittelproduktion aber nur linear ansteigt. Malthus‘ Pech: Der Kunstdünger wurde erst ein paar Jahre nach seinem Tod vom deutschen Chemiker Justus von Liebig erfunden.

In Deutschland war es in den vergangenen Jahren vor allem der technische Fortschritt, der die Wirtschaft wachsen ließ. Aufgrund von Innovationen spielen beispielsweise regenerative Energiequellen eine immer wichtigere Rolle und tragen dazu bei, dass weniger fossile Energieträger genutzt werden. Moderne Großturbinen zur Nutzung der Windkraft zum Beispiel wurden erst in den 1990er Jahren entwickelt – danach hat sich in Deutschland die Nutzung von Sonne, Wasser, Wind und Co. deutlich erhöht – seit dem Jahr 2000 hat sie sich etwa verdreifacht, sicherlich auch wegen entsprechender Subventionen.

Die Nutzung von Erdgas ist ebenfalls gestiegen – allerdings lediglich um 3 Prozent in zehn Jahren. Von allen anderen Energiequellen wie Braun- und Steinkohle oder Erdöl wird hingegen weniger verbraucht – und dies trotz Wirtschaftswachstum.

Neben der Verschiebung hin zu den regenerativen Energiequellen haben es Innovationen zudem ermöglicht, dass deutlich sparsamer gewirtschaftet wird. Die Zahlen für Deutschland:

  • Die Materialintensität – also der Materialverbrauch pro produzierter Einheit – ist von 1991 bis 2009 um fast 31 Prozent gefallen.
  • Im Jahr 2009 wurden knapp 2 Prozent weniger Fläche je Einheit Wirtschaftsleistung eingesetzt als 1992.
  • Der Wasserverbrauch je Einheit reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwischen 1991 und 2007 um gut 42 Prozent zurückgegangen.
  • Beim Energieeinsatz wurden pro Einheit BIP fast 25 Prozent gespart.

Diese Kennzahlen belegen eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcennutzung – zumindest relativ, der Verbrauch steigt also nicht so schnell wie das BIP. Der Material- und der Wasserverbrauch gingen sogar absolut zurück, der Flächenverbrauch ist hingegen gestiegen, und der Energieverbrauch hat sich zumindest kaum verändert.

Der technische Fortschritt entlastet zwar häufig die Umwelt, bewirkt manchmal aber auch das Gegenteil. Dann spricht man vom sogenannten Rebound-Effekt. Er hat zur Folge, dass das Einsparpotenzial durch Effizienzsteigerungen manchmal nicht verwirklicht wird. Ein gern genutztes Beispiel ist die Einführung von Wolfram- statt Kohlefaser-Glühlampen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die neuen Lampen verbrauchten nur ein Viertel der Energie. So konnte das Licht aus Glühbirnen einen Massenmarkt erobern – der Stromverbrauch stieg stark an, statt zurückzugehen.

Trotz begrenzter natürlicher Ressourcen ist Wirtschaftswachstum möglich. Eine Voraussetzung ist allerdings, dass genug Fachkräfte zur Verfügung stehen, die für technische Innovationen und effizientere Produktionsverfahren sorgen. Zwar ist der Mensch grundsätzlich eine nachwachsende Ressource – in Deutschland hapert es aber am Nachwuchs.