10. August 2010

Globalisierung, Entwicklungsländer und Wirtschaftswachstum

Globalisierung kann für Entwicklungsländer ein wichtiger Wachstumsmotor sein. Wenngleich nicht jeder Staat die internationale Arbeitsteilung erfolgreich zu nutzen versteht, zeigen viele Länderbeispiele, wie es geht: Von den asiatischen Tigerstaaten über Chile und Brasilien bis hin zu China und Indien. Und auch fast alle Studien belegen die grundsätzlich positive Wachstumswirkung der Globalisierung.

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Zuweilen behaupten kritische Stimmen, dass viele Entwicklungsländer Verlierer der Globalisierung sind. Diese These ist jedoch nicht richtig. Sicherlich haben eine ganze Reihe von Staaten – gerade in Afrika – seit den 1980er Jahren im Wohlstandsrennen nicht mit den Industrieländern mithalten können oder mussten teils sogar Wohlstandseinbußen und einen Anstieg der Armut hinnehmen. Doch wäre es voreilig, der Globalisierung daran die Schuld zu geben. Zwar haben die Industrieländer ihre Märkte für Agrar- und Textilgüter – also die wichtigsten Exportgüter der ärmeren Entwicklungsländer – lange abgeschottet. In den vergangenen 15 Jahren gab es hier jedoch durchaus Fortschritte, gerade für die ärmsten Länder der Welt, die inzwischen einen weitgehend freien Marktzugang in die EU haben.

Die tieferen Ursachen für die Wirtschaftsmisere in vielen Entwicklungsländern liegt in erster Linie woanders: in Bürgerkriegen, Misswirtschaft, Korruption, wirtschaftspolitischen Fehlern oder einem grundlegenden Mangel an Wettbewerbsfähigkeit, weil die Bürokratiekosten hoch sind und die Infrastruktur nur rudimentär ausgebaut ist. In der Folge kommt die Wirtschaft auf keinen grünen Zweig. Und – das ist entscheidend: Es gelingt den Ländern nicht, sich produktiv in die Globalisierung einzuklinken und über Exporte und eine allmähliche Industrialisierung die Entwicklung voranzutreiben. Ursache für die Wachstumskrisen ist daher in diesen Fällen nicht zu viel, sondern eher zu wenig Globalisierung.

Die Verliererthese lässt sich auch durch konkrete Gegenbeispiele widerlegen. Sie zeigen, dass die Globalisierung eindrucksvolle Erfolgsstorys schafft. Hongkong, Südkorea, Taiwan, Chile etwa sind Staaten, die sich schon in den 1960er Jahren von der damaligen Strategie der Abschottung lösten und mehr und mehr Produkte im eigenen Land herstellten, statt sie zu importieren. Sie setzten – teils auch mit Hilfe staatlicher Industriepolitik – aktiv auf die Integration in den Weltmarkt, den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Exportindustrie und auf ein ausfuhrgetriebenes Wachstum. Weil sich diese neuen Strategien als erfolgreich erwiesen, fanden sich schnell Nachahmer. Auch diese öffneten sich ab dem Ende der 1970er Jahre für die Globalisierung. Dazu gehören nicht zuletzt China und Indien, zwei weitere prominente Gewinner der Weltmarktöffnung.

Gerade China ist ein gutes Beispiel dafür, wie Entwicklungsländer auch von der Öffnung für ausländische Unternehmensinvestitionen profitieren. Mit den Firmen aus den Industrieländern kommen Kapital, Know-how und neue Technologien ins Land, für deren produktive Nutzung allerdings ein gewisser Bildungsstand nötig ist.

Einzelbeispiele sind freilich noch kein ausreichender Beleg dafür, dass die Globalisierung für Entwicklungsländer vorteilhaft ist. Aber auch eine systematische Untersuchung ergibt für viele Staaten das gleiche Bild. Globalisierer – also Länder, die sich in den 1980er Jahren überdurchschnittlich für den Weltmarkt geöffnet haben – konnten ihren Wohlstand in der Folgezeit mit knapp 50 Prozent deutlich stärker erhöhen als die Nicht-Globalisierer, die zwischen 1990 und 2006 nur auf eine gut 20-prozentige Steigerung der Wirtschaftsleistung pro Kopf kamen. Der Globalisierungsskeptiker Dani Rodrik relativiert zwar manche der vielen systematischen Studien über die positiven Wachstumswirkungen der Globalisierung. Er sagt aber auch deutlich, dass Abschottung langfristig nicht zum Erfolg führt. Und warnt lediglich – und das zu Recht – davor, die Globalisierung als Allheilmittel überzubewerten. Sie muss wirtschaftspolitisch und institutionell flankiert werden, um ihre positiven Kräfte entfalten zu können.

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