7. Januar 2010

Familien international

Weltweit wird die Großfamilie mit fünf Kindern zu einer Minderheit. In den meisten Industrieländern sinken zudem die Geburtenraten. In 40 Prozent aller Länder werden weniger Kinder geboren als zur Erhaltung der Bevölkerung nötig sind. Der Wertewandel, der durch eine zunehmende Individualisierung und die Emanzipation der Frauen gekennzeichnet ist, spiegelt sich in veränderten Familienstrukturen wider: In den Industrienationen bekommen die Frauen ihre Kinder immer später und immer öfter ohne Trauschein. Ehen werden häufiger geschieden und die Arbeitsteilung wandelt sich: Wo aber eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegeben ist, bekommen die Frauen auch wieder mehr Kinder.

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Quelle: Fotolia

Weltweit ist die Zwei-Kinder-Familie zum beliebtesten Familientyp geworden. Viele Frauen bekommen allerdings gar keine Kinder mehr. In Westdeutschland ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Während Kinderlosigkeit nach den Weltkriegen ebenfalls verbreitet war, weil die Männer im Krieg geblieben waren, ist der Verzicht auf Kinder heute eher eine bewusste Entscheidung aufgrund einer mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Familie und betrifft vor allem qualifizierte Frauen. Dabei gibt es in den Industriestaaten eine interessante Entwicklung: Während noch vor zwei Jahrzehnten Länder mit einer hohen Frauenerwerbstätigkeit niedrige Geburtenraten verzeichneten, gehen heute Frauenerwerbstätigkeit und steigende Geburtenraten Hand in Hand: In einigen Industrieländern wurde inzwischen eine gute Infrastruktur geschaffen, um beides miteinander zu vereinbaren. So liegen in Frankreich, Finnland und Schweden die Geburtenraten heute wieder nahe dem bestandserhaltenden Niveau von 2,1 Kindern pro Frau.

Immer mehr Kinder wachsen bei Alleinerziehenden auf. Die Großfamilie mit zwei oder mehr Erwachsenen wird hingegen seltener. Der Status alleinerziehend muss dabei aber nicht permanent sein. In Deutschland leben etwa ein Drittel aller Alleinerziehenden innerhalb von drei Jahren nach der Trennung vom Ehepartner wieder mit einem festen Partner zusammen.

Betrachtet man über einen längeren Zeitraum hinweg die Familienstrukturen, so zeigt sich international ein klarer Trend zur Zwei-Kind-Familie, Großfamilien werden seltener. In den Südeuropäischen Staaten ist die Ein-Kind-Familie stark auf dem Vormarsch, in den skandinavischen Ländern sind hingegen auch drei und vier Kinder weiterhin keine Seltenheit. In Deutschland hat inzwischen jede vierte Frau keine Kinder mehr.

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