3. Mai 2010

Einkommensmobilität

Wer arm ist, muss nicht arm bleiben: Langfristig ist es immerhin 55 Prozent der Personen aus dem untersten Einkommensfünftel gelungen, in höhere Einkommensschichten aufzusteigen. Immerhin 37 Prozent gelang der Aufstieg zuletzt sogar binnen Jahresfrist. Besonders gut sind die Aufstiegschancen für Arbeitslose, denen es gelingt, einen Job zu ergattern. Ist der Verdienst niedrig , fällt der Aufstieg sogar einen Tick leichter, als wenn der Verdienst mittleres oder hohes Niveau hat. Auch eine Niedriglohnbeschäftigung kann also ein gutes Sprungbrett sein, um sich aus Einkommensarmut zu befreien.

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„Die Armen werden immer ärmer und die Reichen werden immer reicher.“ Diese Behauptung wird oft wiederholt, aber dadurch nicht richtiger. Denn die Daten für das Jahr 2008 aus dem Sozio-ökonomischen Panel zeigen: Bezogen auf das aktuelle Monatseinkommen ist das Einkommen der Einkommensarmen im Durchschnitt seit Mitte der 1990er-Jahre zwar minimal um ein knappes Prozent gesunken, aber auch bei der Bevölkerung insgesamt herrschte praktisch Stagnation (Einkommensanstieg 1,6 Prozent). Nimmt man das Vorjahreseinkommen zum Maßstab, ist das Einkommen des „Durchschnittsarmen“ dagegen um über 6 Prozent gewachsen und hinkt damit ebenfalls kaum dem allgemeinen Wohlstandswachstum hinterher.

Dabei sind die (Einkommens-)Armen von damals mit denen von heute nicht identisch. Die Bevölkerung insgesamt ändert sich durch Wanderung, Geburten, Sterbefälle. Statistisch gesehen können Einkommensungleichheit und -armut etwa durch Zuwanderer ansteigen. Den Menschen, die die ganze Zeit über in Deutschland gelebt haben, muss es indes nicht schlechter gehen.

Außerdem gelingt vielen Bürgern der Aufstieg aus unteren Einkommensschichten. Den Menschen, die vor beispielsweise zehn Jahren relativ einkommensarm waren, geht es heute im Schnitt deutlich besser als früher. So hat auf lange Sicht (1995 bis 2007) mehr als jeder Zweite den Aufstieg aus dem unteren Fünftel der Einkommensrangliste in höhere Schichten geschafft. Selbst von einem Jahr auf das andere gelang dies zuletzt immerhin 27 Prozent.

Ein Job ist dabei der beste Katapult für den Aufstieg. Immerhin zwei Drittel der Erwerbstätigen schaffen es langfristig, aus dem untersten Quintil herauszukommen. Immerhin 37 Prozent gelang der Aufstieg zuletzt sogar binnen Jahresfrist. Dabei macht es keinen großen Unterschied, ob man zu den Gering- oder zu den Normalverdienern gehört. Ist der Verdienst niedrig (Bruttostundenlohn weniger als zwei Drittel des Medianlohns), fällt der Aufstieg (Quote 66 Prozent) sogar einen Tick leichter, als wenn der Verdienst mittleres oder hohes Niveau hat (Aufstiegsquote 64 Prozent). Auch eine Niedriglohnbeschäftigung kann also ein gutes Sprungbrett sein, um sich aus Einkommensarmut zu befreien.

Wer im Ausgangsjahr arbeitslos war, hat es dagegen deutlich schwerer, seine Einkommensposition zu verbessern. Spiegelbildlich ist die Wahrscheinlichkeit, aus der Mittelschicht in das unterste Quintil abzurutschen, bei Arbeitslosen mit 30 Prozent dreimal so hoch wie bei Erwerbstätigen. Kaum möglich ist der Aufstieg und fast sicher dagegen der Abstieg aus der Mittelschicht für den, der nicht nur im Ausgangs-, sondern auch im Endjahr arbeitslos war. Genau umgekehrt ist die Situation, wenn die Jobsuche erfolgreich war und der Sprung aus der Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit gelingt. In diesem Fall schaffen es langfristig 70 Prozent und kurzfristig immerhin 42 Prozent, das unterste Einkommensquintil zu verlassen. Dagegen müssen mittel- und langfristig nur 6 Prozent der wieder in das Erwerbsleben Eintretenden befürchten, aus der Mittelschicht herauszufallen. Auch hier zeigt sich also wieder, dass eine Belebung des Arbeitsmarkts ein effektives Mittel gegen Armut ist.