26. September 2013

Überblick

Die Starken stützen die Schwachen

Unterteilt man die deutsche Bevölkerung in zehn Einkommensgruppen, dann zeigt sich, dass mit steigendem Einkommen die staatlichen Leistungen abnehmen, während die Abgabenlast kontinuierlich wächst. Umgekehrt bekommen die Bürger umso mehr, je weniger sie verdienen.

Interaktive Grafik zur Umverteilung
Interaktive Grafik zur Umverteilung

Einkommen und Vermögen sind praktisch in allen Ländern dieser Erde ungleichmäßig verteilt. Manche Menschen beurteilen das per se als ungerecht, andere stört es nicht, solange die Verteilung die Anstrengungen der Menschen widerspiegelt. Wenn Wohlstand mit einer entsprechenden Leistung einhergeht, motiviert Ungleichheit sogar: Sie verspricht, dass man es mit Fleiß und Können nach oben schaffen kann.

Dennoch bleiben starke Motive, Einkommen und Vermögen umzuverteilen und die Ungleichheit zumindest zum Teil abzubauen. Eines dieser Motive ist das Mitgefühl der Wohlhabenden: Aus Altruismus geben sie den Ärmeren freiwillig einen Teil ab. Ein anderer Ansatz verfolgt eher das eigene Interesse. Die Starken stützen die Schwachen, damit die Gesellschaft harmonisch zusammenleben kann. Außerdem sorgen sie so für den Fall vor, dass sie selbst in Not geraten. Nicht zuletzt versuchen die potenziellen Empfänger von staatlichen Leistungen – von der Mutter bis zum Arbeitslosen – mit ihren Wählerstimmen, die Regierung zu mehr Umverteilung in ihrem Sinne zu bewegen.

Genügend Instrumente, um Einkommen und Vermögen umzuschichten, hält der Staat bereit. Er verlangt von manchen Bürgern mehr Steuern als von anderen und gibt das eingetriebene Geld mal nach diesem, mal nach jenem Kriterium an sie zurück. Viele tausend Staatsdiener in Behörden und Sozialversicherungen sind damit beschäftigt, die Finanzströme nach den Vorgaben der Gesetze zu lenken. Meistens verteilen sie zwischen Bevölkerungsgruppen um: zum Beispiel von Kinderlosen zu Eltern und von Gesunden zu Kranken. Manchmal nehmen Sie den Bürgern auch einfach Geld ab, nur um es ihnen, wie bei der Rente, Jahrzehnte später zurückzugeben. Ganz nebenbei verteilt der Staat so auch gewaltige Summen zwischen den Generationen um.

So verschlungen die Pfade des Wohlfahrtsstaates auch verlaufen, so eindeutig sind die Ergebnisse. Unterteilt man die deutsche Bevölkerung in zehn Einkommensgruppen, dann zeigt sich, dass mit steigendem Markteinkommen die Bezüge schmelzen, während die Abgabenlast kontinuierlich wächst. Umgekehrt bekommen die Bürger umso mehr staatliche Zahlungen, je weniger sie verdienen. Zwar sind die Einkommen in Deutschland zunächst recht ungleich verteilt. Aber der Staat sortiert die Einkommen so grundlegend neu, dass die Extreme sich wieder ein gutes Stück näher kommen. Kaum ein anderes Industrieland greift so stark in die Verteilung ein. Das deutsche Umverteilungssystem reagiert sogar von selbst auf eine veränderte Ausgangslage: Ohne dass dafür ein Gesetz geändert werden müsste, steigt das Niveau der Umverteilung, wenn die Ungleichheit zunimmt.

Übertreiben sollte man es aber damit nicht, denn zu viel Umverteilung birgt die Gefahr, dass Leistungsanreize verloren gehen. Eine Gehaltserhöhung zum Beispiel wirkt weniger verlockend, wenn sie automatisch einen höheren Steuersatz nach sich zieht. Letztendlich kann Umverteilung somit sogar den Empfängern schaden, wenn die Gesellschaft als Ganzes den Antrieb verliert und schlicht nicht genug erwirtschaftet, das umverteilt werden könnte.

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