3. Mai 2010

Generationenbetrachtung

Die Vermögensposition der Generation 65-Plus hat sich in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend verbessert. Während früher vor allem die 45- bis 54-Jährigen viel Geld auf der hohen Kante hatten, sind es heute auch die Senioren. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass nun Generationen in das Senioren- und Erblasseralter hineinwachsen, deren Vermögensbildung nicht mehr durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen beeinflusst wurde. Dies führt zu einem steigenden Erbschaftsvolumen, das nach Prognosen im Zeitraum 2015 bis 2020 fast doppelt so hoch sein wird wie in den ersten fünf Jahren dieses Jahrhunderts. Damit wird das Erbe auch einen wichtigen Teil zur Alterssicherung künftiger Generationen beitragen.

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Die älteren Menschen haben erhebliche Vermögenswerte angehäuft: Lag das Nettovermögen (Geldvermögen und Haus- und Grundbesitz abzüglich Verbindlichkeiten) der Rentnergeneration (ab 65 Jahre) je Haushalt vor 20 Jahren noch um 14 Prozent unter dem Durchschnitt, wird heute der Mittelwert um 28 Prozent übertroffen. Damit haben die Senioren auch die Gruppe der um die Fünfzigjährigen weit hinter sich gelassen, die 1988 noch ein fast 1,5-mal so hohes Vermögen wie der Durchschnitt besaßen.

Beigetragen zu der guten Vermögensposition der Älteren haben sowohl das Immobilien- als auch das Geldvermögen. So hat die Generation 65-Plus inzwischen zu über 52 Prozent Haus- und Grundbesitz. Zwar sind auch die Häuser der Senioren oft in die Jahre gekommen und daher im Durchschnitt nicht mehr wert als die der Jüngeren. Im Alter sind die Hypotheken aber zumeist fast vollständig abbezahlt. Daher fällt der Nettowert überdurchschnittlich hoch aus. Insgesamt ist somit der Immobilienbesitz der Haushalte im Rentenalter um 24 Prozent höher als im Durchschnitt. Noch größer ist der Vorsprung der Älteren beim Geldvermögen: Sie haben auf Sparbüchern, bei Versicherungen oder in Form von Aktien und anderen Wertpapieren fast 34 Prozent mehr auf der hohen Kante als der Durchschnittshaushalt.

Dass die Senioren heute für die Erben eine gute Partie sind, ist auch damit zu erklären, dass ihr Besitz nicht durch den Zweiten Weltkrieg angetastet wurde, wie es bei der Generation davor der Fall war.

Hinzu kommt, dass die Senioren von heute im Schnitt über eine bessere Bildung verfügen als die Generation ihrer Eltern. Sie haben im Beruf gut verdient und konnten einen Teil des Verdienstes zurücklegen. Davon zehren jetzt die Erben.

Dementsprechend fallen auch die Prognosen für die Entwicklung des Erbschaftsvolumens positiv aus: So schätzt beispielsweise das Institut empirica, dass im Zeitraum von 2006 bis 2015 jährlich 236 Milliarden Euro vererbt werden. Nach neueren Prognosen der Beratungsgesellschaft BBE soll das Erbschaftsvolumen im Zeitraum 2009 bis 2014 durchschnittlich knapp 240 Milliarden Euro pro Jahr und im Zeitraum 2015 bis 2020 sogar jährlich 317 Milliarden Euro betragen. Das wäre fast doppelt soviel wie in den ersten fünf Jahren des neuen Jahrtausends.

Damit werden die Alten von heute durch ihr Erbe auch wesentlich zur Alterssicherung zukünftiger Generationen beitragen. Ob dies auch in noch fernerer Zukunft so sein wird, ist indes ungewiss. Denn die aktiven Alten wollen ihr Leben genießen. Kultur und Reisen aber kosten Geld, das nicht mehr vererbt werden kann. Durch die steigende Lebenserwartung verlängert sich überdies die Ruhestandsphase – die Renten werden mithin letztlich sinken müssen. Und die Senioren werden das eine oder andere Sparschwein schlachten, um den Lebensstandard zu halten. Die längere Lebenserwartung führt auch dazu, dass die Kinder selbst relativ alt sind, bis sie etwas erben. Bereits jetzt ist mehr als die Hälfte aller Erben mindestens 50 Jahre alt. Sind die Erben in spe bereits relativ gut abgesichert, könnten die potenziellen Erblasser aber weniger daran interessiert sein, etwas für die Kinder und Enkel zurückzulegen.