7. Januar 2010

Familien in Deutschland

Das bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts weit verbreitete Familienmodell – die Eltern sind verheiratet, der Vater geht arbeiten, die Mutter kümmert sich um Haushalt und Kinder – ist ein Modell unter vielen geworden; immer öfter sind beide Eltern erwerbstätig, immer häufiger leben sogenannte Patchwork-Familien zusammen, bei denen geschiedene Partner wieder heiraten und Kinder aus einer anderen Beziehung mit in die neue Partnerschaft einbringen. Der Wert der Familie an sich wird aber immer noch geschätzt. So sagen die meisten Deutschen, dass ihnen Familie sehr wichtig ist.

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Quelle: Fotolia

Die Zahl der Eheschließungen geht seit Jahrzehnten zurück. Wurden in den 1960er Jahren noch pro 1.000 Einwohner acht bis neun Ehen pro Jahr geschlossen, sind es heute gerade noch die Hälfte. Paare heiraten zudem später. Das durchschnittliche Heiratsalter der Frauen hat sich seit 1960 von 23 auf 30 Jahre erhöht, Männer sind heute beim Ja-Wort im Schnitt 33 Jahre alt. Im Gegenzug ist die Scheidungsrate gestiegen. Ehen gehen heute mehr als doppelt so häufig in die Brüche wie 1965.

Verglichen mit den 1970er Jahren leben auch in immer weniger Haushalten Paare mit Kindern. Zum einen sind Ehen seltener und instabiler geworden – was sich an der gestiegenen Zahl Alleinerziehender zeigt. Zum anderen sinken seit 30 Jahren die Geburtenraten, so dass relativ gesehen heute mehr Menschen im Rentenalter stehen als in der aktiven Familienphase. Die heutige Elterngeneration ist bereits ein Drittel kleiner als die vorige.

Das erste Kind wird im Durchschnitt geboren, wenn die Mutter 30 Jahre alt ist – 1960 bekamen Frauen bereits mit 25 Jahren ihr erstes Kind. Immer öfter verzichten Eheleute ganz auf Kinder, so dass der Anteil der Ehen ohne Kinder an den Haushalten in Deutschland inzwischen höher ist als der von Ehen mit Kindern. Da die Statistik allerdings Kinder nur erfasst, wenn sie im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben, heißt „ohne Kinder“ nicht zwangsläufig, dass die betreffenden Personen nie Kinder hatten.

Die Schere öffnet sich noch von einer zweiten Seite: Jüngere Frauen bekommen weniger Kinder als ihre Mütter und Großmütter. So haben die westdeutschen Mitt- und Enddreißigerinnen im Durchschnitt 1,5 Kinder großgezogen, die heute siebzigjährigen Frauen aber 2,2 Kinder. Die heute 15- bis 45-jährigen Frauen haben jedoch nur 1,37 Kinder pro Frau. Damit liegt die Geburtenrate seit 1972 unter dem zur Bestandserhaltung notwendigen Maß von 2,1 Kindern pro Paar. Jede Generation ist mithin heute um ein Drittel kleiner als die vorige – obwohl die Geburtenraten seit nun fast vier Jahrzehnten stabil sind.

Dabei verfahren die Frauen in Westdeutschland immer mehr nach dem Motto: Ganz oder gar nicht. Am häufigsten sind inzwischen keine oder zwei Kinder. Aber auch drei und mehr Kinder sind keine Seltenheit. In Ostdeutschland entscheiden sich Frauen immer öfter für nur ein Kind, Kinderlosigkeit ist seltener. Familien mit drei und mehr Kindern sind dort ein Auslaufmodell.

Weniger Kinder und die gestiegene Lebenserwartung lassen die deutsche Bevölkerung zunehmend altern. So ist die Lebenserwartung für männliche Neugeborene seit 1960 um 10 Jahre auf 77 Jahre gestiegen. Im Ergebnis waren im Jahr 2008 rund 14 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre und 20 Prozent 65 Jahre und älter. Nach der neuesten Prognose des Statistischen Bundesamts werden diese Anteile im Jahr 2050 bei 11 bzw. 35 Prozent liegen.

Die Entwicklung in Deutschland darf jedoch nicht über einen Kamm geschoren werden. Je nach Bundesland und Kreisen sowie Bevölkerungsgruppe gibt es enorme Unterschiede bei der Geburtenentwicklung. Einige Trends:

  • Während im Kreis Cloppenburg im Jahr 2007 über 1,7 Kinder pro Frau geboren wurden, war es im Kreis in Heidelberg rechnerisch weniger als ein Kind pro Frau.
  • Von den über 40-jährigen Frauen mit Hochschulabschluss oder Meistertitel haben in Westdeutschland 26 Prozent keine Kinder – in Ostdeutschland hingegen nur 9 Prozent. Frauen mit niedriger Bildung sind in Westdeutschland zu 11 Prozent kinderlos geblieben, in den neuen Bundesländern zu 12 Prozent.

Die Wertschätzung für Familie ist indes immer noch hoch. So sagten 2009 knapp 90 Prozent der befragten Deutschen, dass es ihnen wichtig ist, Zeit mit der Familie zu verbringen. Unter den Befragten mit Kindern unter 18 Jahren sind es sogar 98 Prozent. In einer anderen Umfrage stimmten 55 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass man sich in der heutigen Welt nur in der Familie, zu Hause mit Kindern wohlfühlen kann. Ein knappes Viertel hielt dieses Statement für falsch. Jeweils rund 70 Prozent sagten, dass sie sich immer wohlfühlen, wenn sie Kinder um sich haben, und sie stimmten der Aussage zu: „Wenn man sich als Vater oder Mutter bewährt hat, kann man mit seinem Leben rundum zufrieden sein.“

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