26. September 2013

Einkommen

Deutschland koppelt sich ab

In Deutschland sind die Einkommen recht gleichmäßig verteilt. Daran hat auch die Wirtschaftskrise nichts geändert – anders als in vielen anderen Ländern.

Gini-Koeffizient Image

Ökonomen messen die Verteilung der Einkommen mit dem sogenannten Gini-Koeffizienten: dieser beträgt null, wenn alle Menschen das gleiche verdienen, und eins, wenn einer alles bekommt. Die skandinavischen Länder haben demnach mit die gleichmäßigste Verteilung unter den Industrieländern. Deutschland führt ein breites Mittelfeld an, und in den Staaten des amerikanischen Doppelkontinents USA, Mexiko und Chile sind die Einkommen am stärksten konzentriert.

Die Spreizung der Einkommen hat sich in den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 bis 2010 in den meisten Industrieländer weiter verschärft. Die Bruttoeinkommen der unteren Schichten haben entweder stärker abgenommen als die der Oberschicht - oder sie haben zumindest weniger zugenommen. Etwas freundlicher entwickelten sich die verfügbaren Einkommen – also nachdem der Staat Steuern erhoben und Sozialleistungen verteilt hat. So bekommen zum Beispiel Arbeitslose meist staatliche Unterstützung und die Einkommenssteuer belastet in der Regel die hohen Einkommen stärker als die niedrigen. Doch selbst diese Umverteilung konnte nicht verhindern, dass sich die Einkommensschere vielerorts öffnete.

Die europäischen Krisenländer traf es besonders hart. In Griechenland, Irland und Italien sank das Einkommen des unteren Zehntels um 6 bis 8 Prozent und damit deutlich stärker als das des oberen Zehntels. Am meisten litt die Unterschicht in Spanien mit minus 14 Prozent, und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit gerade unter Jugendlichen macht wenig Hoffnung, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte.

Während in vielen Ländern das Verhältnis von oben und unten also weiter aus dem Gleichgewicht geriet, koppelte sich Deutschland ein Stück weit von dieser Entwicklung ab. Trotz des Einbruchs der Wirtschaftsleistung legte das untere Einkommenszehntel in den Jahren 2007 bis 2010 um 2 Prozent zu - das obere nur um 1 Prozent. Der Anteil des oberen Zehntels am gesamten Einkommen ist somit knapp 7 mal so groß wie das unteren. Im Durchschnitt der Industrieländer beträgt das Verhältnis mehr als 9 zu 1.

Auch in der Mitte Deutschlands sind die Einkommen beieinander geblieben. Der Anteil der Menschen in der Mittelschicht ist wieder leicht gestiegen. Etwa die Hälfte der Deutschen zählt zur Mitte im engen Sinne, erzielt also ein Einkommen zwischen 80 und 150 Prozent des mittleren Einkommens. Damit liegt Deutschland zwar nur im Durchschnitt der Industrieländer; die Skandinavier und einige osteuropäische Länder verfügen über eine breitere Mittelschicht. In den osteuropäischen Ländern weicht die Statistik allerdings von der subjektiven Einschätzung ab: Während etwa 56 Prozent der Ungarn offiziell zur Mitte zählen, fühlt sich nur knapp ein Drittel tatsächlich zugehörig. Der überwiegende Rest würde sich aus Geldnot eher in der Unterschicht verorten.

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