26. September 2013

Steuern

Der Staat nimmt vielen die Hälfte

Die Einkommensteuer ist das zentrale Instrument der Umverteilung – viel wirksamer als zum Beispiel die Mehrwertsteuer. Eine Vermögenssteuer würde hingegen wenig Einnahmen bringen, aber vielen Unternehmen die Luft zum Atmen nehmen.

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Kein Zweifel, die Einkommen und Vermögen sind ungleich verteilt. Der Aldi-Gründer Karl Albrecht besitzt mehr als 17 Milliarden Euro, so mancher Hartz-IV-Empfänger aus Berlin-Marzahn keinen einzigen Cent. Doch diese beiden Pole spiegeln sicher nicht die Wirklichkeit in Deutschland wider. Die besteht vielmehr darin, dass es den allermeisten Bundesbürgern recht gut geht.

Je besser jemand finanziell dasteht, desto mehr Steuern und Abgaben verlangt der Staat. Sozialbeiträge, direkte und indirekte Steuern tragen in etwa zu gleichen Teilen zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte bei. Einige Einnahmequellen berücksichtigen die Höhe der Einkommen mehr, andere weniger. Das wichtigste Umverteilungsinstrument ist die Einkommensteuer. Bereits mit einem Monatseinkommen von 5.000 Euro zahlt ein Alleinstehender einen Steuersatz von über 40 Prozent. Mit Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag liegt die Belastung jedes zusätzlich verdienten Euros in dieser Gehaltsklasse bei fast 50 Prozent.

Im Vergleich zu dieser direkten Steuer sind die Umverteilungswirkungen der indirekten Steuern deutlich milder. Die Mehrwertsteuer zum Beispiel belastet den Konsum aller in gleichem Maße. Obwohl die Wohlhabenden einen kleineren Teil ihres Einkommens für Konsum ausgeben, konsumieren sie natürlich immer noch mehr als Geringverdiener und tragen deshalb einen größeren Teil der Last: Die oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher zahlen 20 Prozent der indirekten Steuern – zum Vergleich: ihr Anteil an der Einkommensteuer beträgt 46 Prozent. Berücksichtigt man nur die Steuerpflichtigen, zahlen die oberen 10 Prozent sogar deutlich mehr als die Hälfte. Die Beteiligung der Wohlhabenden an der Staatsfinanzierung wäre sogar noch größer, wenn nicht einige ihr Geld auf Schwarzgeldkonten im Ausland parken würden. Ein Mittel gegen Steuerhinterzieher ist sicherlich eine effektivere Fahndung. Steuererhöhungen sind in diesem Fall allerdings wirkungslos.

Trotzdem ist die Vorstellung verbreitet, der Staat müsse „die Reichen“ mit einer zusätzlichen Vermögenssteuer belasten. Diese Einschätzung beruht auch darauf, dass viele glauben, mit der sogenannten Abgeltungssteuer von 25 Prozent seien Kapitaleinkommen im Vergleich zu Arbeitseinkommen zu niedrig besteuert. Doch gerade bei den Betriebsvermögen sieht die Welt anders aus. Auf die Dividende wird zwar auch „nur“ die Kapitalertragssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag fällig, das Unternehmen selbst hat aber vorher bereits Steuern gezahlt. Dadurch steigt die Steuer auf ausgeschüttete Gewinne auf fast 50 Prozent. Kommt die Vermögenssteuer hinzu, kann die Belastung sogar auf mehr als 90 Prozent steigen.

Ein Argument für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ist, sie werde gebraucht, um die öffentlichen Haushalte zu konsolidieren. Doch die öffentliche Hand leidet an vielem, aber nicht an mangelnden Einnahmen. Mit 602 Milliarden Euro erreichte das Steueraufkommen 2012 einen neuen Höchststand, und für die nächsten Jahre ist mit neuen Rekorden zu rechnen.

IW-Trends

Thilo Schaefer: Verteilung der Steuern und Sozialbeiträge in Deutschland

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