3. Mai 2010

Einkommensentwicklung

Das verfügbare Einkommen hat sich in Westdeutschland allein zwischen 1950 und 1991 preisbereinigt mehr als verfünffacht. Auch nach der deutschen Einheit ging es bergauf – mit einem Zuwachs von 8 Prozent aber entschieden langsamer als in den ersten Nachkriegs-Dekaden. Heute hat jeder Bundesbürger im Schnitt ein jährliches Einkommen von fast 19.000 Euro. Rechnet man noch die Leistungen der Krankenversicherungen, die staatlichen Ausgaben für Kultur und Bildung sowie den Geldwert anderer sozialer Sachleistungen hinzu, kommt man sogar auf einen Betrag von über 22.000 Euro.

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Blickt man auf die absoluten Zahlen, ist der langfristige Einkommensanstieg geradezu schwindelerregend: Im Jahr 1950 lag das verfügbare Einkommen aller westdeutschen Haushalte zusammengenommen bei lediglich umgerechnet 37 Milliarden Euro. Heute sind es im vereinten Deutschland fast 1,6 Billionen Euro. Nun sind in den vergangenen fast 60 Jahren auch die Preise beträchtlich gestiegen, und Deutschland zählt heute über 82 Millionen Einwohner verglichen mit knapp 51 Millionen in der damals jungen Bonner Republik. Aber auch bei einer preisbereinigten Pro-Kopf-Betrachtung zeigt sich, dass wir heute in gänzlich anderen Einkommensdimensionen leben als anno dazumal: Zwischen 1950 und 1991 hat sich der am Einkommen gemessene Lebensstandard in Westdeutschland mehr als verfünffacht, im vereinten Deutschland hat sich seit 1991 immerhin noch ein kleines Plus von 8 Prozent ergeben. Erst seit dem Jahr 2001 herrscht Stagnation auf hohem Niveau. Kräftig aufholen konnten die neuen Bundesländer: Dort stiegen die Realeinkommen nach der Wende um insgesamt 33 Prozent.

Entsprechend der allgemeinen Wirtschaftsdynamik fiel auch der Einkommenszuwachs in früheren Dekaden stärker aus. Allein in den 1950er-Jahren haben sich die Einkommen mehr als verdoppelt und in den 1960er-Jahren legten die realen Pro-Kopf-Einkommen noch immerhin um 61 Prozent zu. Aber auch in den nachfolgenden Jahrzehnten stiegen trotz Ölpreiskrisen und aufkommender Massenarbeitslosigkeit die Konsummöglichkeiten und das Sparpotenzial deutlich an – die Einkommenszuwächse lagen bei 35 Prozent in den 1970er- und bei 21 Prozent in den 1980er-Jahren. Heute verfügt in Deutschland jede Person – vom Baby bis zum Greis – im Durchschnitt über ein Jahreseinkommen von 18.974 Euro. Ein deutlich höherer Betrag (22.218 Euro) ergibt sich, wenn man den Geldwert der sozialen Sachleistungen, unter anderem die Leistungen der Krankenversicherungen und die Ausgaben des Staates für Kultur und Bildung hinzurechnet. Sie erhöhen das verfügbare Einkommen inzwischen um gut 17 Prozent.

Der starke Einkommensanstieg in der Vergangenheit bewirkt, dass selbst dann, wenn die Realeinkommen in Zukunft stagnieren sollten, die Lebenseinkommen der heute Geborenen um fast 70 Prozent höher liegen als bei der ersten Nachkriegsgeneration. Bei einem unterstellten Einkommensanstieg von jährlich 1 Prozent können sich die Babys von heute sogar auf ein Lebenseinkommen von durchschnittlich 2,4 Millionen Euro freuen, gegenüber lediglich einer Million Euro beim Geburtsjahrgang 1950. Steigen die Einkommen in Zukunft um jährlich 2 Prozent, kommen die im Jahr 2008 Geborenen sogar auf ein Lebenseinkommen von annähernd 4 Millionen Euro.

Dabei steht sich die Generation des Geburtsjahrgangs 2008 schon allein durch die gestiegene Lebenserwartung gegenüber ihren 1950 geborenen (Groß-)Vätern/Müttern um 20 Prozent besser. Aber auch wenn man das Lebenseinkommen pro Lebensjahr betrachtet, kommen die heutigen Babys selbst dann auf ein um 40 Prozent höheres Einkommen als der Geburtsjahrgang 1950, wenn die verfügbaren Einkommen in Zukunft nicht mehr steigen sollten. Unterstellt man in Zukunft einen Einkommensanstieg von jährlich 1 Prozent, wäre der am Jahreseinkommen gemessene Lebensstandard der Generation 2008 sogar 2,1-mal so hoch wie bei der Kohorte aus dem Jahr 1950.