10. August 2010

Nutzen für Verbraucher

Vor allem Verbraucher profitieren von der internationalen Arbeitsteilung in Form niedrigerer Preise und eines größeren Angebotes. Ohne die stark gestiegenen Importe gerade aus Niedriglohnländern wäre die Kaufkraft heute deutlich niedriger.

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Von der Globalisierung profitieren in erster Linie die Verbraucher. Auch wenn das in der öffentlichen Debatte nur selten erwähnt wird, liegt hier das Hauptargument der Ökonomen für die weltweite Vernetzung. Damit werden die Bestrebungen begründet, Handelsbarrieren abzubauen.

Die internationale Arbeitsteilung führt dazu, dass die Menschen hierzulande Güter aus Niedriglohnländern wesentlich günstiger einkaufen können als hiesige Produkte. Niedrige Preise bewirkt der internationale Handel darüber hinaus, weil die Unternehmen mehr Waren absetzen können. Größenvorteile führen so zu niedrigeren Stückkosten. Der schärfere internationale Wettbewerb macht es wahrscheinlicher, dass die Unternehmen diese Kostensenkungen auch an die Konsumenten weitergeben. Darüber hinaus sorgt der höhere Konkurrenzdruck selbst für niedrigere Produktionskosten, weil er die Firmen dazu anhält, über Produktivitätssteigerungen und Prozessinnovationen günstiger als die Wettbewerber anzubieten.

Zudem verbreitert die Globalisierung die Angebotspalette. Seien es Autos, Fernseher oder Schuhe, jeder kann sich heute in jeder Produktkategorie aus einer großen Vielfalt das Produkt heraussuchen, das seinen Vorstellungen am ehesten entspricht. Studien für die USA haben ergeben, dass Konsumenten die Auswahlmöglichkeiten tatsächlich schätzen. Demnach hat sich die Zahl der Produktvarianten zwischen 1972 und 2001 vervierfacht.

Die auf die Globalisierung zurückzuführenden Preisvorteile lassen sich auch in Zahlen fassen. So sind die Verbraucherpreise in Deutschland zwischen 1991 und 2008 um rund 40 Prozent gestiegen und auch die Importpreise haben sich in diesem Zeitraum um 19 Prozent erhöht. Darin steckt freilich der erhebliche Anstieg der Preise von Rohstoffen und Halbwaren (darunter Energie- und Öl-Einfuhren), die sich allein seit 1995 verdreifacht haben. Rechnet man diese Waren heraus, verbleibt ein Preiszuwachs von lediglich 7 Prozent. Schaut man nur auf Fertigwaren, so sind diese allein seit 2001 – also seitdem die EU wegen des WTO-Beitritts Chinas die Handelshemmnisse gegenüber China reduziert hat – um rund 9 Prozent gesunken. Ohne Importe hätten die Konsumenten in Deutschland folglich heute deutlich weniger von ihrem Geld.

Und auch wenn die Einfuhrpreise bei manchen Industriegütern leicht gestiegen sind, so können sich die Verbraucher häufig trotzdem mehr leisten, weil ihre Löhne noch stärker zugelegt haben. Damit haben sie an Kaufkraft gewonnen und müssen weniger lang für dieses Gut arbeiten. Tatsächlich sind viele Güter, die heute aus den Niedriglohnländern vor allem Asiens importiert werden, in dieser Hinsicht billiger geworden. Für einen Herrenanzug etwa muss der Durchschnittsverdiener heute 18 Prozent kürzer arbeiten als 1991. Bei einem Damenkleid sind es minus 30 Prozent, bei einem Fernseher – auch aufgrund des technischen Fortschrittes – gar minus 77 Prozent.

Diese Zahlen werden tendenziell von einer Vielzahl von Studien zu den Preiswirkungen der Globalisierung bestätigt. Sie belegen den dämpfenden Effekt auf die Verbraucherpreise vor allem durch die zunehmenden und kostengünstigeren Importe aus den Niedriglohnländern. Der Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise, zu dem China und andere aufstrebende Schwellenländer einen erheblichen Teil beigetragen haben, muss freilich gegengerechnet werden. Laut einer OECD-Studie bleibt trotzdem noch ein leichter preisdämpfender Effekt übrig.

Damit wird jedoch nur die direkte Preiswirkung der Importe gemessen. Die Globalisierung kann aber auch noch über andere – eher indirekte Kanäle – zu einem geringeren Preiszuwachs im Inland führen. Dazu zählt vor allem der schärfere Wettbewerb aus dem Ausland. Daneben hat die stärkere Konkurrenz aus den Niedriglohnländern hierzulande zur Lohndisziplin beigetragen. In die gleiche Richtung wirkt, dass Unternehmen, die höhere Löhne zahlen sollen, als es die Produktivitätszuwächse erlauben, ihre Produktion leichter ins billigere Ausland verlagern können.

Darüber hinaus stimuliert die Globalisierung nachweislich das Produktivitätswachstum, etwa durch mehr Wettbewerbsdruck oder die Auslandsverlagerung arbeitsintensiver Tätigkeiten.

US-Ökonomen haben versucht, für die USA die Vorteile des internationalen Handels seit dem Zweiten Weltkrieg zu berechnen. In diesem Zeitraum sind die Zölle und andere Handelsbarrieren stark abgebaut worden, und es kam zu erheblichen Preissenkungen für Transport- und Telekommunikationsleistungen. Die US-Wirtschaftsforscher schätzen den Integrations-Bonus grob auf rund eine Billion US-Dollar, das sind rund 10 Prozent der US-Wirtschaftsleistung des Jahres 2003. Für Deutschland liegen derartige Berechnungen nicht vor, dürften aber (prozentual) nicht geringer ausfallen, weil die Bundesrepublik in der Nachkriegszeit recht bald Handelsbarrieren abbaute und sehr handelsoffen ist.

Auch im Finanzbereich profitieren Verbraucher von der Globalisierung. Denn in stärker wachsenden Ländern und Weltregionen bieten sich in der Regel bessere Ertragschancen als am heimischen Finanzmarkt. Wichtiger noch ist die Möglichkeit, durch eine breite Anlage in vielen Ländern das Risiko besser zu streuen. Damit lässt sich eine deutlich bessere Balance zwischen Rendite und Risiko erzielen.

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