13. Januar 2009

Wie Arbeitslosigkeit entsteht

Die Annahme der neoklassischen Theorie ist, dass ein höherer Preis eines Gutes (auch des Gutes Arbeit) zu sinkender Nachfrage führt. Auf der anderen Seite steigt die Angebotsmenge. Wenn also die Beobachtung gemacht wird, dass das Arbeitsangebot größer ist als die Nachfrage nach Arbeitskräften, ist der Preis – im Falle des Gutes Arbeit also die Arbeitskosten – zu hoch. Dabei ist der Lohn eine wichtige, aber keineswegs die einzige Komponente der entscheidenden Größe Arbeitskosten.

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Ein Unternehmen schafft nur dann einen Arbeitsplatz, wenn die zusätzliche Wertschöpfung, die durch den zusätzlichen Arbeitnehmer erzeugt werden kann, mindestens so hoch ist wie die Arbeitskosten. Andernfalls wird kein Arbeitsplatz entstehen, bzw. wenn er schon vorhanden ist, wird er abgebaut. Eine wichtige Rolle spielen neben der Höhe des Lohns auch die Lohnnebenkosten sowie die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen.

Aber wie kommt es zu den „zu hohen“ Löhnen? Diese Frage wird von verschiedenen theoretischen Ansätzen unterschiedlich beantwortet. Die Effizienzlohntheorie besagt, dass die Unternehmen zu hohe Löhne zahlen, weil ein hoher Lohn in Zusammenhang mit einer hohen Produktivität steht. So kann ein Unternehmen mit einem höheren als dem markträumenden Lohn – also dem Lohn, zu dem jeder einen Job bekäme, – verhindern, dass ein Arbeitnehmer nach Belieben in ein anderes Unternehmen wechselt und damit wertvolles betriebsspezifisches Humankapital verloren geht.

Die Insider-Outsider-Theorie geht wiederum davon aus, dass die Arbeitnehmer sich darüber im Klaren sind, dass ein Unternehmen die Arbeitskräfte nicht nach Belieben austauschen kann, da Einarbeitungskosten anfallen. Sie fordern daher einen Lohn, der über dem markträumenden Lohn liegt, aber noch unterhalb der Lohnforderung der Outsider (der Arbeitslosen) zuzüglich der Einarbeitungskosten. Im Ergebnis bleiben die Outsider arbeitslos, da es sich für die Unternehmen nicht rechnet, den Insider durch den eigentlich billigeren Outsider zu ersetzen.

Eine andere Erklärung bietet die Segmentationstheorie. Sie nimmt an, dass der Arbeitsmarkt in zwei Segmente – eines für Hoch- und eines für Geringqualifizierte – geteilt ist. Die Anbieter von Arbeitskraft drängen wegen der höheren Löhne in den Hochqualifiziertensektor und nehmen dabei Arbeitslosigkeit in Kauf. Diese „Arbeitslosigkeit im Wartezustand“ ergibt sich aber auch ohne Annahme eines segmentierten Marktes. Denn ein Arbeitssuchender braucht eine bestimmte Zeit, bis er ein für sich passendes Arbeitsplatzangebot gefunden hat. Die Länge dieser Arbeitssuche wird durch den Anspruchslohn bestimmt, der unter anderem auch davon abhängt, wie viel Arbeitslosengeld bezahlt wird. Denn der Anspruch an den künftigen Lohn wird in der Regel höher sein, als es das Arbeitslosengeld ist. Sonst lohnt sich der Job nicht.

Neben diesen genannten Theorien gibt es noch eine Vielzahl weiterer Erklärungsansätze, darunter auch solche, die die Rolle der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage betonen. Theorien, die auf menschlichen Verhaltensweisen aufbauen, kommen jedoch nicht umhin, dem Lohn und den institutionellen Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Arbeitslosigkeit beizumessen. Im Kern geht es um die Frage, ob sich Arbeit lohnt – und zwar sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer. Ist diese Bedingung erfüllt, wird auch Beschäftigung entstehen.