21. Januar 2013

Emissionen

Sauber wachsen

Erst wenn eine Gesellschaft ein bestimmtes Wohlstandsniveau erreicht hat, wächst der Wunsch nach einer intakten Umwelt. Deutschland hat diesen Punkt schon erreicht, vielen Schwellenländern steht der Sinneswandel noch bevor.

Emissionen
Emissionen

Für viele ist die Kausalität zwingend: Wirtschaftswachstum führt zu mehr Emissionen und damit zu immer mehr Umweltverschmutzung. In Zeiten der Industrialisierung war das tatsächlich so und auch für die aktuelle Entwicklung in den Schwellenländern gilt dieser Zusammenhang noch.

Doch in modernen Volkswirtschaften kann Wachstum sogar helfen, die Umwelt zu schützen. Denn:

  • Arme Länder wie viele afrikanische Staaten haben kein Geld für Umweltschutz - Wohlstandsgesellschaften wie die europäischen dagegen schon.
  • Wachstum heißt auch technischer Fortschritt – und der wiederum kann die Umwelt besser schützen als veraltete Produktionsweisen.

Die sogenannte Umwelt-Kuznets-Kurve illustriert diese Zusammenhänge grafisch. Ihre Form ähnelt der eines umgekehrten U. Dahinter steckt folgende Überlegung: Mit zunehmendem Wohlstand wird die Umwelt zunächst stärker verschmutzt – wie aktuell in China. Im weiteren Zeitverlauf dominieren dann jedoch umweltschonende Effekte: Mit wachsendem Wohlstand finden es die Bewohner eines Landes immer wichtiger, in einer saubereren Umwelt zu leben.

Der technische Fortschritt unterstützt diese Entwicklung. Die Tatsache, dass immer häufiger Dienstleistungen statt Industrieprodukte nachgefragt werden, trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass die Nutzung der Umwelt hierzulande nicht weiter zunimmt, sondern teilweise sogar zurückgeht. In diesem Fall spricht man von einer absoluten Entkopplung des Wirtschaftswachstums von der Umweltnutzung.

Doch irgendwann sind viele technischen Möglichkeiten zur Emissions- und Ressourcenreduktion ausgeschöpft und Dienstleistungen können Industrieprodukte nicht vollständig ersetzen. Also geht weiteres Wirtschaftswachstum wieder mit Umweltverschmutzung einher. Dank technischer Innovationen beeinflusst das Wirtschaftswachstum die Umwelt allerdings nicht mehr so stark wie früher. In diesem Fall spricht man von einer relativen Entkopplung des Wachstums von der Umweltnutzung.

Der Verlauf der Umwelt-Kuznets-Kurve für Deutschland spricht eine klare Sprache: Zwischen 1991 und 2009 stieg die deutsche Wirtschaftsleistung real um 22 Prozent - der Ausstoß von Stickoxiden konnte um fast die Hälfte und der von Kohlenmonoxid um fast 70 Prozent reduziert werden. Bei Staub und Schwefeldioxid lagen die Rückgänge mit über 75 Prozent beziehungsweise fast 90 Prozent noch höher. Die Treibhausgasemissionen konnten immerhin um fast 20 Prozent reduziert werden.

Bei der Herstellung der gleichen Menge an Wirtschaftsgütern wurde im Jahr 2009 gut ein Drittel weniger Treibhausgase emittiert als 1991. Deutschland hatte also nicht nur eine relative, sondern auch eine absolute Entkoppelung von Wirtschaftsleistung und Emissionen. Möglich wurde das auch durch den Zusammenbruch der DDR, die höchst umweltschädliche Industrieanlagen genutzt hatte, die dann durch moderne ersetzt wurden. Doch auch ohne diesen Sondereffekt ist es für entwickelte Volkswirtschaften wie Deutschland möglich, die Umwelt zu schützen und Emissionen zu reduzieren – und das, obwohl die Wirtschaft weiter wächst.

Auch die Menschen in den Schwellenländern entwickeln allmählich den Wunsch nach einer sauberen Umwelt. In China zum Beispiel finden Schätzungen zufolge jährlich 180.000 unangemeldete Proteste gegen die Umweltverschmutzung in Folge des rasanten, aber oft nicht regulierten Wirtschaftswachstums statt.