26. September 2013

Einkommensmobilität

Ein Job ebnet den Weg nach oben

Die jungen Generationen haben meistens bessere Schulabschlüsse als ihre Eltern – und bringen es deshalb auch weiter. Eine Arbeitsstelle, und sei sie noch so schlecht bezahlt, ist das entscheidende Mittel für den Aufstieg.

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Menschen steigen gesellschaftlich auf und ab, im Laufe des eigenen Lebens oder auch von einer Generation zur nächsten. Manche sind schlicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort, andere schaffen es mit Fleiß und Können nach oben. Je enger der Zusammenhang zwischen Leistung und sozialer Stellung, desto leichter fällt es auch denen, die es bisher nicht geschafft haben, Ungleichheiten zu akzeptieren.

Im Vergleich der Generationen ist Deutschland eine Aufsteigernation. Von den heute 35- bis 44-Jährigen haben 30 Prozent einen höheren Bildungsabschluss als ihr Vater, 50 Prozent erreichen immerhin einen vergleichbaren Abschluss und nur 20 Prozent einen niedrigeren. Im Vergleich mit der Mutter sind die Aufsteiger sogar noch deutlicher in der Mehrheit. Kinder von Ungelernten schaffen es zum Facharbeiter, Kinder von Facharbeitern zum leitenden Angestellten. In einigen Fällen trägt es die Nachkommen sogar noch weiter über den Status der Eltern hinaus. Besonders attraktiv finden Aufsteiger die technisch-naturwissenschaftlichen Berufe wie Ingenieur, Chemiker und Informatiker – angehende Mediziner und Juristen hingegen haben meistens schon Akademiker als Eltern, nicht selten eben Ärzte und Rechtsanwälte.

Der Vergleich der Generationen sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie sich die Hierarchie innerhalb einer Generation verschiebt. Bildlich gesprochen stehen die Mitglieder einer Generation auf den Sprossen einer Leiter, und die Leiter insgesamt schiebt sich nach oben. Die Reihenfolge der Menschen auf den Sprossen ändert sich dadurch aber nicht. Die Realität verläuft dynamischer: Innerhalb einer Generation verbessern und verschlechtern viele Tausende ihre relative Position. Einem Aufstieg steht zwangsläufig immer auch der Abstieg eines anderen gegenüber, denn auch wenn alle gerne zum oberen Einkommenszehntel gehören würden: Per Definition bietet es nur Platz für 10 Prozent.

Der Austausch zwischen den Gesellschaftsteilen vollzieht sich heute seltener als noch vor einigen Jahrzehnten. Für die Mittelschicht ist das fast schon ein beruhigender Befund, denn sie beschäftigt sich gedanklich öfter mit dem Ab- als mit dem Aufstieg. Ihrer sogenannten „Statusangst“ geben die Zahlen aber keine Nahrung: Nur 2 Prozent der 20 Millionen Haushalte aus der Mittelschicht rutschen jedes Jahr in die Unterschicht ab; die Hälfte davon schafft innerhalb eines Jahres den Wiederaufstieg.

Größere Sorgen bereitet dagegen jener Teil der Unterschicht, der in Arbeitslosigkeit am Ende der Gesellschaft verharrt. Für sie ist eine Arbeitsstelle, und sei sie noch so schlecht bezahlt, das entscheidende Mittel, um sich aus dieser Lage zu befreien. Geringverdiener schaffen es in der Regel früher oder später, eine ordentlich entlohnte Stelle zu finden – und mit Anstrengung und Weiterbildung geht es manchmal sogar noch ein Stück weiter hinauf. Dank dieser Aufsteiger hat das unterste Zehntel des Jahres 2005 sein Einkommen bis 2010 im Durchschnitt immerhin um ein gutes Drittel steigern können.

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Holger Schäfer / Jörg Schmidt / Christoph Schröder: Lohn- und Einkommensmobilität in Deutschland

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Mira Fischer / Wido Geis: Bestimmungsgrößen der Bildungsmobilität in Deutschland

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