13. Januar 2009

Arbeitslosigkeit – kein unabänderliches Schicksal

Auch wenn die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten wieder steigen dürfte, so darf nicht vergessen werden, dass in den vergangenen Jahren Erfolge erzielt wurden, die auch über die Krise gerettet werden können. Noch im Jahr 2005 wurde die Grenze von 5 Millionen Arbeitslosen überschritten. Kommentatoren und Politiker fragten sich, wann die 6 Millionen erreicht sein würden und verglichen die Lage mit der Endphase der Weimarer Republik. Seitdem hat sich Vieles verbessert; im Jahresdurchschnitt 2007 waren knapp 3,8 Millionen Menschen ohne Arbeit, im Jahr 2008 rund 3,3 Millionen.

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Jeder Arbeitslose kostet Geld. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verursachte die Arbeitslosigkeit 2003 gesamtfiskalische Kosten von knapp 83 Milliarden Euro, darunter 16 Milliarden Euro Steuermindereinnahmen und 23 Milliarden Euro Mindereinnahmen der Sozialversicherung. Dazu kommen noch Kosten für nicht-arbeitslose Leistungsempfänger, die allein bei den Vorruheständlern, die von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden, 10 Milliarden Euro betragen. Schwerer zu beziffern ist der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die Inaktivität der Betroffenen entsteht. Würden alle Arbeitslosen mit durchschnittlicher Wertschöpfung arbeiten, könnte das Bruttoinlandsprodukt um rund 250 Milliarden Euro höher sein. Dazu kommt ein nicht zu quantifizierender Schaden durch Humankapitalverluste: Insbesondere Langzeitarbeitslose verlieren ihre berufsspezifischen Fertigkeiten. Werden Kenntnisse nicht durch „training on the job“ ständig auf dem Laufenden gehalten, zieht die technische und organisatorische Entwicklung am Kenntnisstand der Arbeitslosen vorbei und entwertet das Know-how der Betroffenen.

Die Beschäftigungsgewinne der vergangenen Jahre werden von vielen nur als Strohfeuer gesehen. Langfristig beharren die Pessimisten auf ihrem Standpunkt, dass uns aufgrund des technischen Fortschritts die Arbeit ausgehe. Immer mehr Tätigkeiten würden automatisiert und wesentlich billiger und präziser von Maschinen ausgeführt. Um die gleiche Menge Güter und Dienstleistungen herzustellen, würden immer weniger Arbeitskräfte benötigt. Diese Befürchtung ist keineswegs neu. Sie wurde schon von den schlesischen Webern gehegt, die im Zuge der Einführung mechanischer Webstühle im 19. Jahrhundert ihre Arbeitsplätze verloren und zu Maschinenstürmern wurden. Aber genau wie die Weber zu Beginn der industriellen Revolution haben die Apologeten einer dauerhaften und steigenden Massenarbeitslosigkeit Unrecht. Technischer Fortschritt führt zwar zu steigender Produktivität, er führt aber auch zu neuen Arbeitsplätzen. Erstens entstehen zusätzliche Arbeitsplätze in den Branchen, die technische Neuerungen konstruieren, bauen und warten. Zweitens entsteht durch Produktinnovationen eine Nachfrage nach Gütern oder Diensten, die es zuvor gar nicht gab. Drittens können die Preise für Güter, die produktiver hergestellt werden, sinken. Dadurch erhöht sich die Nachfrage, es werden Arbeitskräfte benötigt, die diese zusätzlichen Güter herstellen. Per Saldo hat die Wirtschaftsgeschichte sehr deutlich gezeigt, dass der enorme technische Fortschritt keineswegs zwingend zu hoher Arbeitslosigkeit führen muss.

Widerlegt wird die These von der ausgehenden Arbeit schon allein durch die Entwicklung der Erwerbstätigkeit, die 2007 einen vorläufigen historischen Höchststand erreichte. Es ist durchaus eine große Anzahl neuer Arbeitsplätze entstanden; allerdings reichen sie nicht aus, um den noch größeren Anstieg der Zahl derer zu kompensieren, die arbeiten wollen. Dass sich das Arbeitsangebot so stark vergrößert hat, liegt nicht an einer wachsenden Bevölkerung. Entscheidend war vielmehr die gestiegene Erwerbsneigung, insbesondere von Frauen. Im Jahr 1975 wollten 31 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter arbeiten, 2007 waren es bereits 69 Prozent.

Auch wenn demnächst die Zahl der Arbeitslosen steigen dürfte, langfristig wird der Gesellschaft Arbeit gewiss nicht ausgehen.