26. September 2013

Vermögen

Mieten macht arm

Die Deutschen haben im Vergleich mit den europäischen Nachbarn recht wenig Vermögen. Grund ist vor allem der geringe Immobilienbesitz.

Vermögen Image

Jeder Bundesbürger verfügt abzüglich der Schulden über ein Vermögen von 95.700 Euro - im Durchschnitt jedenfalls. Zu einem etwas anderen Ergebnis kommt man allerdings, wenn man alle Bürger nach dem Wert ihres Besitzes aufreiht und den sogenannten Median feststellt – das ist Wert, der die Bürger in zwei Hälften teil, die eine hat mehr, die andere weniger Vermögen. In Deutschland verfügt dieser mittlere Bürger über 25.200 Euro – das ist nur gut ein Viertel dessen, was bei der Durchschnittsrechnung herauskommt.

Verglichen mit den anderen Euro-Staaten ist der Unterschied zwischen Median und Durchschnitt in Deutschland auffällig groß – ein Hinweis darauf, dass die Vermögen hierzulande ziemlich ungleich verteilt sind. Nur in Österreich sind die Vermögen ähnlich stark konzentriert.

Frankreich, Italien und Spanien haben eine ausgeglichenere Verteilung – das zeigt sich auch daran, dass etwa das Vermögen des mittleren Franzosen gut doppelt so hoch ist wie das des mittleren Deutschen. Selbst in den Krisenländern Zypern und Spanien ist deutlich mehr Vermögen vorhanden – wobei die Immobilienblase dort erst nach Erhebung der Vermögenszahlen geplatzt ist, so dass die Spanier mittlerweile um einiges ärmer sein dürften. Dennoch: Gemessen am Medianvermögen pro Kopf haben alle Euroländer außer der Slowakei mehr auf der hohen Kante als Deutschland. Auch gemessen am Durchschnittsvermögen kommt Deutschland nur auf Platz 9 unter den Euro-Ländern.

Der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden ist der geringe Immobilienbesitz. Mehr als die Hälfte des Vermögens in der Eurozone besteht aus Immobilien – und gerade hier haben die Deutschen wenig zu bieten. Während in Ländern wie Spanien mehr als 80 Prozent der Haushalte ein Haus oder eine Wohnung besitzen, sind es in Deutschland weniger als 50 Prozent. Und die Mieter haben in Deutschland offensichtlich nicht so viel Bargeld, Sparguthaben, Aktien und sonstigen Besitz, um den Wert einer Immobilie auszugleichen.

In Ländern wie Spanien bleibt den Menschen allerdings oft auch nichts anderes übrig, als eine Immobilie zu kaufen - denn es gibt schlichtweg keinen funktionierenden Mietmarkt. Der zwangsweise Kauf eines Hauses hat aber auch eine gute Seite, denn er diszipliniert beim Sparen – und macht die Spanier reicher. Die Verhaltensökonomik hat gezeigt, dass die Verpflichtung, einen Kredit abzuzahlen, die Budgetdisziplin erhöht. Die Menschen verzichten lieber auf einen Urlaub, wenn sie dafür die Schulden schneller loswerden.

Doch das in Deutschland verbreitete Mieten ist nicht der einzige Grund für das vergleichsweise kleine Vermögen. In Deutschland wurden über die Generationen hinweg auch weniger Vermögen weitergegeben. Die Hyperinflation Anfang des 20. Jahrhunderts, die Zerstörungen im 2. Weltkrieg, die Vertreibungen und später die ärmlichen Verhältnisse in der DDR ließen wenig Raum für Vermögensbildung. Hinzu kommt ein Phänomen der neueren Zeit: Die Menschen vertrauen in der Regel dem Sozialstaat und legen deswegen relativ wenig für Arbeitslosigkeit, Krankheit und das Alter beiseite. Die Ansprüche an die Staatskassen gelten in der Statistik jedoch nicht als Vermögen.

Ansprechpartner