13. Januar 2009

Die Qualität der neuen Jobs

Die Erwerbstätigkeit legte von November 2005 bis November 2008 über 1,5 Millionen Personen zu. Trotz dieses unbestreitbaren Fortschritts werden mitunter Zweifel geäußert, ob es sich bei dem Zuwachs an Beschäftigung um gewünschte Formen der Erwerbstätigkeit handele. So wird befürchtet, dass ein Großteil der neuen Jobs atypisch, prekär und nicht existenzsichernd sei, während „reguläre“ Beschäftigung weiterhin abgebaut würde. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass die Befürchtungen unbegründet sind.

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Im vergangenen Aufschwung entstand eine große Anzahl regulärer neuer Arbeitsplätze. Zudem zeigte sich, dass „atypisch“ nicht unbedingt bedeutungsgleich mit „prekär“ ist.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. In den vergangenen Jahrzehnten hatte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stetig an Bedeutung verloren. Allein zwischen 2001 und 2005 wurden über 1,6 Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs gestrichen. Die Zahl der Erwerbstätigen sank dagegen nur um knapp 700.000, weil die geringfügige Beschäftigung gestiegen ist. Die letzte Arbeitsmarkterholung war in dieser Hinsicht anders: Nicht nur die Erwerbstätigkeit, sondern auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm stark zu. Im August 2007 war die Zahl der Erwerbstätigen um 634.000 höher als im entsprechenden Vorjahresmonat. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wuchs im gleichen Zeitraum um 590.000, die Zahl der Selbstständigen um knapp 50.000.

Die Bundesknappschaft weist für das 3. Quartal 2007 rund 200.000 geringfügig Beschäftigte mehr aus als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs schließt allerdings Personen ein, die sich neben ihrem sozialversicherungspflichtigen Haupterwerb noch den einen oder anderen Euro dazu verdienen. Die Bundesagentur für Arbeit meldet einen Zuwachs von 66.000 Personen, die ausschließlich einen Minijob haben.

Wenn also die Datenlage auch nicht ganz eindeutig ist, so lässt sich mit Sicherheit sagen, dass ein Großteil der neu entstandenen Erwerbstätigkeit aus sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen besteht. Das bedeutet erstens, dass die Sozialversicherungen von dem Aufschwung durch höhere Beitragseinnahmen profitieren. Wenn die Politik der Versuchung widersteht, die Leistungen durch neue soziale Wohltaten auszuweiten, können Beiträge gesenkt werden und somit noch mehr Jobs entstehen. Zweitens sind Befürchtungen unbegründet, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ein Auslaufmodell sei und es Arbeitnehmer in Zukunft nur noch in Form moderner Arbeitsnomaden gebe, die ihre Arbeitskraft auf Zeit für einzelne Projekte bereitstellen und im Übrigen selbst für ihre soziale Absicherung sorgen müssen. Der Aufschwung in den Jahren 2006 und 2007 spricht eher für eine gegenläufige Tendenz. Im letzten Boom 1998 bis 2000 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,8 Prozent. Im gleichen Zeitraum entstanden 613.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. In den Jahren 2005 bis 2007 kletterte das BIP nur um 4,2 Prozent – es entstanden aber schon 718.000 neue Jobs. Darüber hinaus begann der Arbeitsmarktaufschwung erst 2006 und führte im Jahr 2008 noch einmal zu einer Ausweitung des Stellenangebots. Im Ergebnis war der vergangene Aufschwung beschäftigungsintensiver als der New-Economy-Boom der Jahre 1998 bis 2000.

Teilzeit. Sie spielt in Deutschland eine wichtige Rolle. Jeder vierte abhängig Erwerbstätige stuft sich als Teilzeitarbeitnehmer ein. Bei Frauen beträgt der Anteil sogar 44 Prozent. Teilzeit ist überwiegend freiwilliger Natur – zumindest was die ökonomischen Faktoren betrifft. Nur 21 Prozent der Teilzeitbeschäftigten geben an, keine Vollzeitbeschäftigung gefunden zu haben. Rund die Hälfte arbeitet Teilzeit wegen persönlicher oder familiärer Verpflichtungen – die ihrerseits durchaus unfreiwilliger Natur sein können. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Ursächlich dafür ist in erster Linie die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen. Schon vor diesem Hintergrund ist es kaum vertretbar, Teilzeitbeschäftigung als unerwünschte oder geringwertige Erwerbsform zu charakterisieren. In vielen Fällen entspricht sie den Arbeitzeitwünschen der Arbeitnehmer. Dort, wo Beschäftigte ihre Stundenzahl gerne ausweiten würden, stehen eher andere Hindernisse im Weg als ein Mangel an Vollzeitstellen. Dass Arbeitszeitwünsche nicht erfüllt werden können, liegt vielmehr an mangelnden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder.

Der letzte Aufschwung am Arbeitsmarkt war zwar in starkem Maße vom Wachstum der Teilzeitbeschäftigung geprägt. Dies ist für eine konjunkturelle Belebung jedoch normal. Da Entlassungen in Deutschland mit hohen Kosten verbunden sind, versuchen Unternehmen zunächst, den zusätzlichen Arbeitsanfall über flexible Arbeitszeitmodelle aufzufangen. So können Entlassungen vermieden werden, falls die Auftragslage wieder schlechter wird. Reicht dies nicht aus, werden Überstunden und gegebenenfalls flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigung oder Zeitarbeit herangezogen. Erst wenn absehbar ist, dass der Aufschwung auch langfristig Bestand hat, wird neues Personal fest eingestellt. Dieses Muster war im Hinblick auf die Teilzeitarbeit auch im vergangenen Aufschwung zu beobachten. Im Juni 2006 war die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um knapp 180.000 höher als im Vorjahr. Von den zusätzlichen Arbeitsplätzen entfielen 93 Prozent auf Teilzeitstellen. Dieser Anteil hat sich bis zum September 2007 auf 48 Prozent reduziert. Das heißt, rund die Hälfte der neu entstandenen Arbeitsplätze sind Vollzeitjobs.

Existenzsichernde Arbeitsplätze. Ein häufig geäußerter Vorbehalt gegenüber den Arbeitsmarktwirkungen des Aufschwungs war, dass zwar durchaus Arbeitsplätze entstehen, diese aber nicht die Existenz der Arbeitnehmer sichern können, da der Lohn zu gering sei. Hingewiesen wird in diesem Zusammenhang gerne auf die wachsende Zahl derjenigen, die erwerbstätig sind und ergänzend Arbeitslosengeld II erhalten, um den Bedarf des Haushalts decken zu können. Das Arbeitslosengeld II fungiert als eine Art Kombi-Einkommen: Wer so wenig verdient, dass er davon nicht leben kann, erhält ergänzende Leistungen, die das sozio-kulturelle Existenzminimum garantieren. Erwerbstätige erhalten zudem eine Prämie, so dass sie sich grundsätzlich besser stellen als Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die nicht arbeiten. Tatsächlich steigt die Zahl dieser sogenannten „Aufstocker“ an – von rund 950.000 Empfänger im September 2005 auf rund 1,4 Millionen im Juli 2008.

Von den Erwerbstätigen mit ergänzendem ALG-II-Bezug sind rund zwei Drittel geringfügig beschäftigt, sozialversicherungspflichtig teilzeitbeschäftigt oder in Ausbildung. Bei diesen Personen muss davon ausgegangen werden, dass sie ALG II bekommen, weil sie nicht lange genug arbeiten oder sich in Ausbildung befinden. Nun wäre es durchaus möglich, dass sie auch bei längerer Arbeitszeit weiter ALG II benötigen, um über die Runden zu kommen. Vollzeitarbeit ist so vielleicht keine hinreichende, auf jeden Fall aber eine notwendige Bedingung dafür, mit dem Erwerbseinkommen allein klar zu kommen oder die Armutsgrenze zu überschreiten.

Von 100 Aufstockern sind 32 sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigt. Von diesen leben 25 in Bedarfsgemeinschaften mit mehreren Personen. Diese Bedarfsgemeinschaften hätten aber auch dann noch Anspruch auf ergänzende Transferleistungen bzw. wären auch dann noch arm, wenn ein vergleichsweise hoher Bruttostundenlohn gezahlt werden würde. Ein Alleinstehender benötigt bei Vollzeitarbeit einen Bruttostundenlohn von 6,50 Euro, um ein Einkommen zu erzielen, bei dem kein Anspruch mehr auf ergänzendes ALG II besteht. Eine allein erziehende Person mit einem Kind unter 14 Jahren benötigt dafür schon 10 Euro Bruttostundenlohn. Arbeitet die Person nur Teilzeit mit 25 Stunden die Woche, wären knapp 16 Euro erforderlich. Je größer der Haushalt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, auch bei hohen Stundenlöhnen auf die Zuwendungen vom Amt angewiesen zu sein. Bei einer Familie mit zwei Kindern braucht ein Alleinverdiener schon 11,70 Euro, um seinen Anspruch auf ALG II zu verlieren. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Bei den größeren Haushalten hilft ein höherer Stundenlohn nicht aus der Armut heraus – schon gar nicht, wenn nur Teilzeit gearbeitet wird.

Nur bei 7 von 100 Aufstockern, die einerseits vollzeitbeschäftigt und auf der anderen Seite Singles sind, kann zweifelsfrei davon ausgegangen werden, dass der Transferbezug bzw. das Unterschreiten der Armutsgrenze Resultat niedriger Stundenlöhne ist. In diesen 60.000 bis 70.000 Fällen würde eine Erhöhung des Stundenlohnes, z.B. durch einen Mindestlohn, auch zu einem Überschreiten der Armutsgrenze führen – immer vorausgesetzt, dass der Arbeitsplatz der Lohnerhöhung nicht zum Opfer fällt.

Zeitarbeit. Die arbeitsmarktpolitischen Erfolge der vergangenen Jahre wurden auch anderweitig kleingeredet. Die neuen Arbeitsplätze seien prekär, da es sich größtenteils um Zeitarbeit handele. Tatsächlich ist die Zeitarbeit in den Jahren seit 2003 sehr stark angestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2005 kamen gegenüber dem Vorjahr knapp 60.000 und 2006 noch einmal 140.000 Zeitarbeitnehmer hinzu. Das Jahr 2007 brachte einen weiteren Zuwachs von 135.000. Insofern ist der Hinweis berechtigt, dass bis zu einem Viertel der neuen Arbeitsplätze Zeitarbeitarbeitsstellen sind. Aber inwiefern ist es berechtigt, bei der Zeitarbeit sogleich von einer prekären Beschäftigung auszugehen?

Zeitarbeit ist durch eine mehrfache Vertragsbeziehung zwischen Zeitarbeitsunternehmen, Arbeitnehmer und Kundenunternehmen gekennzeichnet. Das Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt den Arbeitnehmer. Es übernimmt dabei alle Arbeitgeberpflichten, die ein Unternehmen aus einer anderen Branche auch übernimmt. Aus Sicht des Arbeitnehmers unterscheidet sich Zeitarbeit also in keiner Weise von einer Beschäftigung in einem anderen Wirtschaftszweig. Dass der Zeitarbeitnehmer seine Tätigkeit im Kundenunternehmen verrichtet, spielt für die Vertragsbeziehung zwischen dem Zeitarbeitsunternehmen als Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer keine Rolle. Der Zeitarbeitnehmer ist beim Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt, nicht beim Kundenunternehmen. Das Verhältnis zwischen Kundenunternehmen und Zeitarbeitnehmer beschränkt sich auf die Überlassung der Arbeitskraft auf der einen Seite und eine hauptsächlich auf den Arbeitsschutz bezogene Fürsorgepflicht auf der anderen Seite. Die vertragliche Beziehung zwischen Zeitarbeits- und Kundenunternehmen ist für den Arbeitnehmer nur indirekt von Bedeutung. Das Zeitarbeitsunternehmen erhält seine Vergütung auch nicht ausschließlich für die Arbeit der überlassenen Arbeitnehmer. Viele Zeitarbeitsunternehmen erbringen zusätzlich personalwirtschaftliche Dienstleistungen, z.B. durch die passgenaue und bedarfsgerechte Bereitstellung von qualifiziertem Personal.

Eine prekäre, d.h. unsichere Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsverhältnis von vornherein nicht auf Dauer angelegt ist. Das ist z.B. bei einer Schwangerschaftsvertretung der Fall. Nach Ablauf des Vertrages muss sich der Arbeitnehmer eine neue Beschäftigung suchen; er steuert also in eine unsichere Zukunft. Durch Zeitarbeit lässt sich eine solche Konstellation vermeiden. Denn nicht der als Schwangerschaftsvertretung eingesetzte Zeitarbeiter trägt das Risiko der Arbeitslosigkeit, sondern das Zeitarbeitsunternehmen, das seine Arbeitnehmer auch in Zeiten ohne Überlassungsauftrag weiter beschäftigen muss. Zwar existieren auch in der Zeitarbeitsbranche befristete Verträge, diese unterliegen jedoch genau den gleichen Regelungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes wie die Kontrakte in anderen Branchen. Das heißt: Auch ein Zeitarbeitsunternehmen darf nicht beliebig befristete Verträge abschließen. Zeitarbeit per se ist kein sachlicher Grund, der eine mehrmalige Befristung gestatten würde.

Ein anderes Merkmal für Prekarität wäre ein unausgewogenes Verhältnis zwischen der Lohnverhandlungsmacht von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Wenn die Arbeitgeber Löhne diktieren können, werden diese im Verhältnis zu dem, was die Arbeitnehmer erwirtschaften, gering sein. In der Zeitarbeit ist aber eher das Gegenteil der Fall, was an einer Regelung des Gesetzgebers liegt. Mit der Verabschiedung des Hartz-I-Gesetzes wurde die Zeitarbeit zwar dereguliert. Dafür wurde das Equal-treatment-Prinzip eingeführt, nach dem Zeitarbeiter genauso bezahlt werden müssen wie Beschäftigte in dem Kundenunternehmen, in dem sie arbeiten. Eine Abweichung von dem Prinzip der Gleichbehandlung ist nur zulässig, wenn Tarifverträge vorliegen. Die Zeitarbeitsunternehmen wurden somit einem faktischen Tarifzwang ausgesetzt. Dieser hat die Verhandlungsposition der Arbeitgeber in den Tarifgesprächen mit den Gewerkschaften geschwächt, denn diese konnten es sich jetzt erst recht nicht leisten, die Verhandlungen scheitern zu lassen. Darüber hinaus dürfte der Grad der Tarifbindung in der Zeitarbeitsbranche weit überdurchschnittlich sein, so dass Arbeitnehmer mindestens eine ausgewogene Verhandlungsmacht vorfinden.

Im Übrigen gelten für Zeitarbeitnehmer die gleichen Bedingungen wie für Arbeitnehmer anderer Branchen: Sie sind sozialversichert, unterliegen den gleichen arbeitsrechtlichen Vorschriften z.B. beim Kündigungsschutz oder beim Arbeitsschutz. Im bevorstehenden Abschwung werden zwar viele Zeitarbeitnehmer ihre Jobs verlieren. Fraglich ist aber, ob sie ohne die Zeitarbeit überhaupt eine Beschäftigung hätten und wenn ja, ob diese nicht genauso gefährdet wäre. Es gibt auch von daher keine Gründe, warum Zeitarbeit per se als prekär eingestuft werden müsste. Im Gegenteil: Zeitarbeit ist für viele eine Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Arbeitslose und Berufsrückkehrer sind darauf angewiesen, dass sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, wo sie Berufserfahrungen sammeln und ihre Fertigkeiten wieder auf einen aktuellen Stand bringen können. Eine solche Chance bietet die Zeitarbeit. Durch die vielfältigen Anforderungen in Einsätzen bei verschiedenen Kundenunternehmen kann ein Zeitarbeitnehmer in kurzer Zeit viele Erfahrungen sammeln, die ihm unmittelbar weiterhelfen. Er ist dabei eine vollwertige Arbeitskraft.

Wenn der Zeitarbeiter gut arbeitet und die Firma die Stelle dauerhaft besetzen möchte, stehen zudem die Chancen nicht schlecht, dass der Kollege auf Zeit den Job bekommt. Eine Studie des IW Köln in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) belegt diesen Klebeeffekt. Danach wird jeder vierte Zeitarbeitnehmer, wenn er eine Weile seine Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt hat, direkt vom Kundenunternehmen übernommen. Ein weiteres Fünftel kommt aufgrund seiner neuen Erfahrungen in einem anderen Betrieb unter. Damit bestätigt sich die Vermutung, dass die Zeitarbeit vielen Menschen hilft, sich wieder an die Arbeitswelt zu gewöhnen und neue Herausforderungen im Job anzunehmen.

Der Zeitarbeitnehmer profitiert außerdem davon, dass sich sein Arbeitgeber auf dem lokalen Arbeitsmarkt bestens auskennt. Jener weiß genau, wen er wo unterbringen kann. Das nutzt vor allem Langzeitarbeitslosen. Von den rund 520.000 im zweiten Halbjahr 2006 neu eingestellten Zeitarbeitnehmern waren 44 Prozent bis zu einem Jahr lang arbeitsuchend und weitere 15 Prozent länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Nur eine Minderheit von 9 Prozent war zuvor als Zeitarbeitnehmer bei einem anderen Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt, 23 Prozent waren in anderen Branchen tätig. Knapp 9 Prozent nutzten die Zeitarbeit für den Berufseinstieg.

Hintergrund: Equal Treatment und Equal Pay

„Equal Treatment“ ist der Begriff für die Forderung des Gesetzgebers, dass Zeitarbeitnehmer in allen Belangen der Stammbelegschaft gleichgestellt werden müssen (§9 Abs. 2 des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes). Dies bedeutet, dass nicht nur der Lohn gleich sein muss („equal pay“), sondern dass auch andere für die Arbeitsbedingungen relevante Aspekte wie Arbeitszeit, Urlaub, gegebenenfalls betriebliche Altersvorsorge usw. angeglichen werden müssen. Die Zeitarbeitsunternehmen stellt diese Forderung vor zwei Probleme: Erstens ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen der administrative Aufwand extrem hoch. Die Arbeitsbedingungen des Kundenunternehmens müssen recherchiert und in die eigenen Arbeitsverträge übertragen werden. Dabei wird ihnen zweitens die Möglichkeit zur freien Gestaltung von Verträgen stark eingeschränkt. In der Praxis ist die geforderte Gleichstellung kaum realisierbar.