10. August 2010

Deutsche Exportwirtschaft profitiert

Die deutschen Exporteure profitieren enorm von der Globalisierung – und mit ihnen auch die Arbeitnehmer, die direkt oder indirekt für diese Unternehmen arbeiten.

Deutschland hat traditionell – und vor allem vor der Finanzkrise – stark von seiner ausgeprägten Exportorientierung und damit von der Globalisierung profitiert. Das zeigen die folgenden Fakten:

  • Den langjährigen Titel des Exportweltmeisters im Warenhandel musste Deutschland zwar vor kurzem an China abtreten. Gleichwohl ist es mehr als bemerkenswert, dass die Bundesrepublik mit einer wesentlich kleineren Bevölkerung als China, die USA oder Japan so viel exportiert.
  • Die Exportquote hat zwischen 1995 und 2008 von 24 Prozent auf 47 Prozent der Wirtschaftsleistung zugenommen. Einen solchen Anstieg gab es seit den fünfziger Jahren nicht mehr. Im Zuge der Finanzkrise ist sie vorübergehend auf 41 Prozent gesunken.
  • Die Bundesrepublik hat als einziges größeres Industrieland ihre Weltmarktposition kontinuierlich ausgebaut, obwohl das Aufholen der Schwellenländer beim globalen Export eigentlich rückläufige Anteile der Industrieländer insgesamt mit sich bringt.
Deutsche Exportwirtschaft profitiert
Quelle: Fotolia
Deutsche Exportwirtschaft profitiert
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Mehrere Gründe erklären den deutschen Exporterfolg. So spielt die länger anhaltende Lohnzurückhaltung eine wichtige Rolle, aber auch die höhere Wettbewerbsfähigkeit durch Offshoring – die Verlagerung von Funktionen und Prozessen ins Ausland – sowie die Ausrichtung auf wachstumsstarke Märkte. Deutschland scheint sich zudem vor allem mit seiner Spezialisierung auf Investitionsgüter und dem Qualitäts-Markenzeichen „Made in Germany“ gewissermaßen zu einem Ausrüster der Schwellenländer zu entwickeln. Da diese aufstrebenden Staaten sich zunehmend industrialisieren, fragen sie hochwertige deutsche Maschinen und andere Investitionsgüter nach. Deutschlands langjährige Spezialisierung auf diese eher traditionellen Branchen erweist sich somit – entgegen anders lautenden Behauptungen – als wichtiger Vorteil. Obwohl der Anteil der Schwellenländer am deutschen Export in den Jahren 2000 bis 2007 nur bei gut 18 Prozent lag, haben diese Länder im gleichen Zeitraum zu über 35 Prozent zum deutschen Ausfuhrwachstum beigetragen. Bei Investitionsgütern ist der Anteil am Zuwachs mit 50 Prozent noch eindrucksvoller.

Bemerkenswert ist auch, dass Deutschland im Handel mit den Niedriglohnländern kein Defizit, sondern sogar einen leichten Überschuss von rund 26 Milliarden Euro im Jahr 2008 ausweist. Dies gilt vor allem für einige mittel- und osteuropäische Staaten sowie für eine Reihe von ölexportierenden Staaten.

Die starke Exportorientierung der Bundesrepublik ist zuletzt unter anderem deshalb kritisiert worden, weil sich die deutsche Wirtschaft zu abhängig von den Schwankungen des Weltmarktes mache. Tatsächlich sind die Exporte im Jahr 2009 preisbereinigt um rund 14 Prozent zurückgegangen. Doch einiges spricht dafür, dass das deutsche Exportmodell mit seinem anspruchsvollen Produktportfolio und vielen Weltmarktführern im Bereich des Mittelstandes Zukunft hat.

Wenn Deutschland in viele Staaten exportiert, kann es zudem Konjunkturrisiken breiter streuen, weil in der Regel nur einige Länder oder Regionen unter Wirtschaftseinbrüchen leiden, während andere gleichzeitig besser dastehen. Wenn freilich der seltene Fall einer so gravierenden Weltrezession wie zuletzt auftritt, hilft dies nicht mehr und Deutschland wird hart getroffen.

Zuweilen wird behauptet, Deutschland sei eine Basar-Ökonomie und werde zunehmend zur Durchreiche für ausländische Produkte. Richtig ist zweifellos, dass der Importanteil an den deutschen Exporten zwischen 1995 und 2006 von 31 auf 45 Prozent gestiegen ist. Doch haben sich die deutschen Warenexporte in dieser Zeit – gerade auch, weil sie durch den höheren Anteil günstiger Importe wettbewerbsfähiger geworden sind – mit über 135 Prozent immens erhöht. So ist zwar der relative Anteil der Exporte aus heimischer Wertschöpfung geschrumpft, deren absoluter Wert aber deutlich gestiegen. Weil der Kuchen wuchs, ist das kleinere Stück trotzdem sehr viel größer als vorher – und so waren die Exporte aus heimischer Wertschöpfung im Jahr 2006 um beachtliche rund 90 Prozent höher als 1995.

Aus diesem Grund lässt sich auch die These widerlegen, dass im Export kaum Arbeitsplätze entständen, weil dort zu kapitalintensiv produziert würde. Das Gegenteil ist richtig. So zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die auch die Beschäftigten auf der Zuliefer-Ebene einbeziehen, dass durch den Export seit 1995 mehr als 3,2 Millionen Arbeitsplätze entstanden sind.

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