10. August 2010

Definition und Indikatoren

Der Begriff Globalisierung steht für das zunehmende Zusammenwachsen von Ländern, sei es ökonomisch, politisch oder sozio-kulturell, sei es durch mehr Reisen und Auslandskontakte, durch das Internet oder durch die steigenden grenzüberschreitenden Ströme von Gütern, Kapital, Informationen und Know-how.

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Die Globalisierung in dieser umfassenden Form lässt sich messen – anhand eines Index. Er umfasst neben ökonomischen Indikatoren wie Handelsbeschränkungen sowie Handels- und Investitionsströmen auch soziale Indikatoren wie Telefon- und Internetverkehr sowie politische Indikatoren wie die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen oder Missionen des UN-Sicherheitsrates. Der Index zeigt, dass sich das Tempo der Globalisierung seit Ende der 1980er Jahre beschleunigt hat.


Mit der Brille der Ökonomen betrachtet ist die jüngste Globalisierungsphase vor allem eine kapitalgetriebene. So sind z.B. die Direktinvestitionen in den vergangenen 25 Jahren Jahr für Jahr mehr als doppelt so stark gewachsen wie das nominale Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP). Aber auch die nominalen Weltexporte legten jährlich um fast 10 Prozent zu – ebenfalls ein Zeichen für die zunehmende Verflechtung der Wirtschaftsräume.

Dabei spielen neben den Portfolioinvestitionen in Aktien und festverzinslichen Wertpapieren vor allem die multinationalen Unternehmen mit ihren Auslandsinvestitionen und ihren teils den Globus umspannenden Produktionsnetzwerken eine wichtige Rolle. Sie zeichnen nach einer Schätzung der UNCTAD – der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung – für rund zwei Drittel des Welthandels verantwortlich. Allein etwa ein Drittel wickeln sie innerhalb ihrer internationalisierten Produktions- und Vertriebsnetzwerke zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften ab.

Die Finanzkrise hat allerdings gerade bei den Kapitaltransaktionen zu einem massiven Einbruch geführt. Die Auslandsinvestitionen sanken bis 2009 um fast 50 Prozent gegenüber ihrem Höchststand im Jahr 2007 – und damit allerdings prozentual weniger als in der New Economy Krise zur Jahrtausendwende. Sie blieben aber klar positiv. Bei den privaten Kapitalströmen hingegen kam es in der Folge der Lehman-Pleite im Jahr 2008 gar zu einer De-Globalisierung, indem zuvor getätigte Portfolio-Investitionen in erheblichem Maße aus dem Ausland zurückgeholt wurden.

Auch die Weltexporte verzeichneten den tiefsten Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre mit einem nominalen Rückgang von rund 23 Prozent (der auch auf stark fallende Rohstoff- und Energiepreise zurückzuführen ist) und einem preisbereinigten Einbruch von über 11 Prozent.

Der Rückgang ist nicht zuletzt deswegen so dramatisch ausgefallen, weil es im Vorfeld der Finanzkrise – angesichts stark steigender globaler Leistungsbilanzungleichgewichte – zu einer „Globalisierungsblase“ gekommen ist. Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten – etwa die USA, Großbritannien, Süd- und Osteuropa – haben ihre Importe auf Pump mit Kapitalzuflüssen aus dem Ausland finanziert und so den Welthandelsmotor kreditfinanziert auf Hochtouren gebracht. Weil diese Staaten in den nächsten Jahren wahrscheinlich ihre Schulden abbauen werden, dürfte das Tempo der Globalisierung mittelfristig zwar wieder zunehmen, aber nicht die Dynamik der Vorkrisenzeit erreichen.

Was ist die ökonomische Ratio hinter der Globalisierung? Der grenzüberschreitende Handels- und Kapitalaustausch erlaubt es den Ländern, sich auf die Produktion der Waren zu spezialisieren, die sie am günstigsten herstellen können und bei denen sie komparative Vorteile haben, also bestimmte Waren besser bzw. günstiger herstellen können als andere. Tropenfrüchte etwa wachsen billiger in den Tropen als in geheizten Treibhäusern hierzulande. Doch auch arbeitsintensive Waren lassen sich in den Entwicklungsländern günstiger herstellen, weil dort geringqualifizierte Arbeitskräfte reichlich vorhanden und damit vergleichsweise billig sind. Einfache T-Shirts, Schuhe, Spielzeug, Möbel und viele standardisierte Produkte wären hierzulande nur zu deutlich höheren Kosten herzustellen. Die Industrieländer spezialisieren sich dagegen auf Güter, bei deren Produktion viel Kapital, Wissen und Technologie nötig ist, also auf die Verwendung von Produktionsfaktoren, die hier reichlich vorhanden und in den Entwicklungsländern knapp sind.

Bei diesen Gütern handelt es sich oft um innovative Produkte am Anfang ihres Lebenszyklus. Wenn deren Herstellung mit der Zeit standardisiert wird, wandert die Produktion aber häufig in die Schwellenländer ab. Oder es sind qualitativ hochwertige Güter, die in ähnlichen, aber weniger anspruchsvollen Versionen auch von den Entwicklungs- und Schwellenländern hergestellt werden. Zunehmend lassen sich auch die Herstellungsprozesse in einzelne Teilschritte zerlegen und – je nach Anforderung an Qualifikation und Wissen sowie je nach Produktionskosten und Regulierungsanforderungen – an unterschiedlichen Standorten durchführen.

Für die Globalisierung spricht, dass eine tiefere internationale Arbeitsteilung allen mehr Wohlstand bringt, weil die Produktionsfaktoren besser genutzt werden. Zudem führen Handel und Kapitalverkehr mit dem Ausland zu Wohlstandsgewinnen. Denn Auslandsgeschäfte werden nur getätigt, wenn sie uns besser stellen. Wir werden nur importieren, wenn die Auslandsware deutlich günstiger als die heimische ist oder wenn das Ausland etwas hat, das wir nicht haben. Auch beim internationalen Kapitalverkehr werden wir nur dann im Ausland anlegen, wenn die Renditen dort höher sind oder die Risiken so besser gestreut werden.

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