7. Januar 2010

Familienfreundliche Unternehmen

Die Bevölkerung in Deutschland altert und schrumpft. In der Folge fehlen immer mehr – vor allem jüngere – Fachkräfte. Dabei drängt die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten auf den Arbeitsmarkt. Diese Frauen gehören zwar zum wichtigsten Arbeitskräftepotenzial der Zukunft, doch müssen sie sich immer noch zu häufig zwischen Beruf und Familie entscheiden. Eine familienfreundliche Arbeitswelt kann dieses Problem lösen.

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Es gibt viele Gründe, warum sich Familie und Beruf nach wie vor nicht vereinbaren lassen. Mehreren Umfragen zufolge fehlt es vor allem an Kitas & Co. Darüber hinaus werden auch flexible Arbeitszeiten als wichtiger Treiber für eine familienfreundliche Arbeitswelt angesehen. Auf dem Weg dorthin ist die deutsche Wirtschaft allerdings schon ein gutes Stück vorangekommen:

1. Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit des IW Köln. Danach wird dem Thema heute eine viel höhere Bedeutung beigemessen als früher – fast drei Viertel aller Unternehmen finden es wichtig oder sehr wichtig. Vor drei Jahren hatte dazu nur knapp die Hälfte der befragten Manager eine positive Meinung. Gleichzeitig blieb es nicht bei Lippenbekenntnissen. Vor allem die von den Beschäftigten als besonders wichtig eingestuften Maßnahmen – flexible Arbeitszeitmodelle und aktive Gestaltung der Elternzeit – waren 2006 in den Firmen weiter verbreitet als drei Jahre zuvor. Fast neun von zehn Unternehmen boten zuletzt Arbeitszeitflexibilisierung und/oder Telearbeit an. Im Jahr 2003 hatten ferner erst rund drei Viertel der Unternehmen diese Maßnahmen im Sortiment. Verdoppelt hat sich das Angebot von Vertrauensarbeitszeit. Die Möglichkeit von Sabbaticals hat sich sogar verdreifacht.

Familienfreundliche Maßnahmen werden von den Unternehmen vor allem eingeleitet, um attraktiv zu sein für qualifizierte Beschäftigte und um die Mitarbeiter stärker ans Unternehmen zu binden. Gleichzeitig wollen die Firmen die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen; sie versprechen sich dadurch geringere Fluktuations- und Krankheitskosten sowie eine höhere Produktivität.

2. Allensbach-Umfrage. Unternehmen gestalten die Elternzeit ihrer Beschäftigten aktiv mit. So bieten fast die Hälfte der befragten Unternehmen ihren pausierenden Mitarbeitern an, sich beruflich fit zu halten. Ein Viertel der Unternehmen praktiziert Telearbeit.

3. „hessenstiftung - familie hat zukunft“. Diese Stiftung der Hessischen Landesregierung hat 2008 Geschäftsführer und Personalverantwortliche in Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten nach ihren Erfahrungen und Maßnahmen zur Elternzeit befragen lassen. Danach halten fast alle mittelständischen Unternehmen Kontakt zu den Beschäftigten, die in Elternzeit sind. Je nach Größe bieten zwei Drittel bis drei Viertel den Beschäftigten flexible Arbeitszeiten an. Mehr als ein Drittel der Unternehmen gibt den Eltern Gelegenheit, sich während der Auszeit oder vor dem Wiedereinstieg weiterzubilden.

Betriebliche Kinderbetreuungsmaßnahmen, auch in Kooperation mit anderen Trägern, finden sich allerdings nur in ganz wenigen kleinen und mittleren Unternehmen. Meist ist ein eigener Betriebskindergarten weder notwendig noch finanzierbar. Lösungen wie Belegplätze, Unterstützung von Elterninitiativen oder Kooperationen mit anderen Unternehmen sind mit sehr viel geringerem Aufwand denkbar, aber kaum bekannt.

Insgesamt erklären 42 Prozent der Befragten in kleinen und mittleren Unternehmen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ihren Betrieb ein wichtiges Thema sei. In den Kleinunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten sagen das sogar 46 Prozent.

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